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Der freundliche Energieversorger setzte, geschlagen, noch ein paar Satzfet­zen zusammen der Art, es sei dies alles „kein Problem“, er komme dann ein­fach „im Dezember“ noch einmal wieder, und Kurtchen mußte an sich hal­ten, um nicht zu entgegnen, „im Dezember“ sei er pauschal „nicht da“, aber der Spaß, so merkte er, war nun zu Ende und der Mann auch schon im Ge­hen begriffen.

Kurtchen schloß die Wohnungstür und hörte, wie der Mann die Treppe hin­unterwerkte; er tat ihm leid. Das war, Kurtchen wußte es, der sogenannte Wettbe­werb, so sah er nämlich aus; und nicht wie die Spaßmobilfahrer mit den wei­ßen Zähnen aus dem Werbefernsehen. Der Wettbewerb, das waren Durch­schnittsmänner in schlechtsitzenden Anzügen, die ihre Tage damit hinbrach­ten, in wildfremde Häuser einzudringen und entweder selbst zu de­mütigen (näm­lich Trottel, die sich irgendeinen Quatschtarif andrehen ließen, um im Jahr den Gegenwert drei großer Biere zu sparen) oder sich demütigen zu lassen, nämlich von Überblicksbewahrern wie ihm, Kurtchen, was, das sah er ein, die Revolution natürlich um keinen Deut voranbrachte; einen Quatschtarif zu ordern, der ihm, Kurtchen, im Jahr den Gegenwert dreier großer Biere er­sparte, aber auch nicht. Ein Dilemma, ein Patt.

Auf dem Weg in die Küche und zum Kühlschrank, wo ein aufgrund fehlen­der Stromtarifsmilderung unnötig teures Bier wartete, erinnerte sich Kurt­chen an eine andere Bahnfahrt (warum man sich nur immer an Bahnfahrten erinnerte?), auf der er durch den Spalt zwischen den Sitzen hindurch auf den Laptopmonitor eines Wettbewerbsteilnehmers hatte spitzen können und so zum Augenblicksteilhaber einer Welt wurde, die ihm so faszinierend fremd war wie Alexander von Humboldt jene der dickbusigen Weiber am Orinoko:

Umsätze nach Aktivitätsbereich und Top-Player der Baubranche – Neubau ist wichtigster Bereich für Fußbodenhersteller„.

Der junge Mann im Anzug (gleichfalls auf oder allenfalls eine Handbreit über Delling-Niveau, in der Fußbodenbranche schienen die goldenen Zeiten auch vorbei zu sein, kein Wunder, wo jeder Esel heutzutage Parkett hatte oder wenigstens haben wollte) wechselte das Windows-Fenster und die Sei­tenüberschrift: „Die japanische Baubranche erwirtschaftet den drittgrößten Umsatz in der Welt„, und Kurtchen wärm­te sich an der Erinnerung so, wie er sich damals im Zug an dem Gedanken gewärmt hatte, es als Klempner und Aushilfsphilosoph eventuell doch besser zu haben als dieser arme Jun­ge, dessen Tagwerk darin bestand, sich in ICE-Großraumwa­gen, in denen es, weil irgendwer seine Brotzeit ausgepackt hatte, roch, als sei ein Faß Tsatsiki explo­diert (die Leute wurden halt insgesamt immer unver­schämter, es kam noch so weit und sie schmissen im Zug den Grill an), über die Top-Player der Baubranche in Kenntnis zu setzen, weil der Neubau halt der wichtigste Be­reich für eben den Fußbodenhersteller war, in dessen durchschnittlich be­zahlten Diensten er durch die Gegend fahren mußte, den Zumutungen der Bahn und ihrer entsetzlichen Passagiere bis zur Rente (oder zur Entlassung) ausgeliefert.

Kurtchen nahm das Bier aus dem Gemüsefach, schloß die Kühlschranktür und freute sich dann doch wieder auf den geselligen Abend mit dem Top-Player der Scheißebau-Branche; er mußte sich ein bißchen sputen. (wird fortgesetzt)