Newsticker

Nur diese Kategorie anzeigen:Gärtners Sonntagsfrühstück Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen

Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: You Name It

Früher oder später erwischt es ja viele, und bei mir war es jetzt soweit: CDU zu werden. Ich bin nun CDU, denn die CDU immerhin hat Bedenken angemeldet, ob inskünftig, wie von Bundesjustiz- und Bundesinnenministerium vorgesehen, sich alle zehn Jahre sowohl Familien- als auch Vorname „anlasslos“ wechseln lassen sollen. Zwar sei, lauten die Bedenken, das Namensrecht in der gegenwärtigen Fassung „unübersichtlich“ und trage der wachsenden Zahl von Patchworkfamilien nicht Rechnung, aber aus Gründen der „Rechtsklarheit und Rechtswahrheit“ sei es besser, „dass Namen nicht beliebig oft und aus beliebigem Grund gewechselt werden können.“

Die SPD dagegen lobt das Ganze, sie hält es für eine Stärkung der persönlichen „Autonomie“, und dass die Verkommenheit dieser wunderbaren Partei immer neue Gipfel erklimmt, sei hier wieder mal gelobt. Denn wo gäb’s Autonomie denn anders als simulierte, und kennen „Individualitäts-“ und Wettbewerbsgesinnung eh schon keine Grenzen mehr, wenn Eltern ihren Nachwuchs Tusnelda-Marie Jolante oder Ron John Don nennen, macht die SPD das, wozu einzig sie noch da und nütze ist: Öl ins Feuer kippen.

An dieser Stelle hieß es neulich, gesellschaftlicher Fortschritt sei, nichts als „Schicksal“ hinzunehmen, und es gibt diesen schönen jüdischen (freilich auch realsozialistisch und vermutlich noch vielfach sonstwie adaptierten) Witz, wo ein Jude 1933 auf dem Amt mit dem Wunsch nach Namensänderung vorstellig wird: „Wie heißen Sie denn?“ „Adolf Stinkfuß.“ „Na, so möchte ich auch nicht heißen! Wie lautet Ihr Namenswunsch?“ „Moritz Stinkfuß.“ Wer sein Lebtag mit seinem Vornamen gehadert hat, für den mag’s jetzt eine Erleichterung sein, dass er ihn ändern darf; und nach zehn Jahren wieder, je nach kurrenter Lust und Mode.

„Die Individualität ist von der Besonderheit zu unterscheiden“ Hegel, 1821

Könnte man nun sagen: Was regt sich Gärtner auf, soll doch jeder heißen, wie er will. Vielleicht stimmt’s, und ich muss mich gar nicht aufregen. Was aber mit Sicherheit nicht stimmt, ist, dass derlei „Ferz“ (frankfurterisch für: Hirnfürze) die freie Entwicklung des einzelnen wären, die für die freie Entwicklung aller einsteht. „Sich neu erfinden“ im Dezenniumstakt ist bloß Teil totaler Selbstvermarktung und überdies ein aufschlussreiches Komplement: Denn einerseits brauchen wir Identität und Wurzeln und derlei, andererseits dürfen wir unsere Vergangenheit nach eigenem Ratschluss tilgen und statt Jakob dann Günter, statt Günter Rasputin und statt Rasputin Müller-Westernhagen Marius Maria Grönemeyer heißen. Und immer wieder anders: der Triumph reiner Gegenwart, und immer schreien alle „Orwell!“, aber wenn er mal einschlägig ist, sieht es niemand.

„Namen“, lautet ein bekanntes Dekret des Sozialdemokraten Carlo Schmid, „sind Realitäten erster Ordnung“, und das war natürlich damals schon Quatsch. Namen sind nämlich Schall und Rauch, und wer heute noch auf einer Lohnliste steht, von dem weiß morgen keiner mehr, wie er gestern hieß; es sei denn, er hieße Ingoflur Blühdorn, ein Name, den man sich merken muss (im Sinne von: man kann nicht anders!) und der, es gibt ihn wirklich, vielleicht nicht der beste, aber auch nicht der letzte Grund ist, das neue, prima Buch von Freundin Kathrin Hartmann zu kaufen, die nämlich weiß, dass kapitalistische Auswege meist bloß Sackgassen sind.




Eintrag versenden Newstickereintrag versenden…
Felder mit einem * müssen ausgefüllt werden.

optionale Mitteilung an den Empfänger:

E-Mail-Adresse des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*
(mehrere Adressen durch Semikolon trennen, max. 10):

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Aha, Daniel Brühl …

»Am Ende jedes Drehtags stand ich in meinem Apartment unter der Dusche und habe wahrscheinlich ein ganz trauriges Bild abgegeben. Meine Haare waren ja getönt, und die dunkle Farbe lief mir jedes Mal übers Gesicht, wie bei einer Midlife-Crisis …« So berichteten Sie der Zeit von Ihren Erfahrungen während des Drehs der Serie »Becoming Karl Lagerfeld«.

Na, das ist ja nun wirklich typisch Midlife-Crisis, dass einem während jeder Dusche dunkle Farbe über das Gesicht läuft! Haben Sie auch andere charakteristische Symptome bemerkt wie die plötzliche Fähigkeit, mit Toten zu kommunizieren, einen Heißhunger auf Kinderseelen und das rötliche Verfärben Ihrer Pupillen? Dann handelt es sich um einen ganz normalen Verlauf!

Weiß Ihre Titanic

 Du, »FAZ«,

betitelst in Deinem Wirtschaftsteil einen Artikel über bezahlbaren Wohnraum mit »Eine neue Waffe gegen Wohnungsnot«. Aber ist es volkswirtschaftlich überhaupt sinnvoll, überzählige Mieter/innen zu erschießen?

Ist da noch nicht ganz entsichert: Titanic

 Recht hast Du, Influencerin Tina Ruthe!

»Das hat einfach niemand verdient.« Mit diesem Satz kommentiertest Du in Deiner Insta-Story ein Bild, das ein brennendes Geflüchtetenlager in Rafah zeigte, und setztest noch ein Herz-Emoji dazu. Da können wir Dir nur zustimmen: Es hat wirklich niemand verdient, der gerade in einem Kriegsgebiet um sein Leben fürchten muss, als Content einer Influencerin herzuhalten und damit die Reichweite der kurz darauf geposteten Rabattcodes für die Shoppingbag in Leo-Optik zu pushen.

Stellt fest:

Deine Menschenrechtskommission von Titanic

 Was geht ab, sächsische Steuerverwaltung?

Bei der Jugend anscheinend nicht so viel – jedenfalls träumen Deinen Erhebungen zufolge, man soll es kaum für möglich halten, nicht alle Schulabsolvent/innen den großen Traum von einer Karriere in der Finanzbuchhaltung.

Um junge Menschen trotzdem für aufregende Expeditionen in die Welt der Prozentrechnung und der Pendlerpauschalen zu begeistern, hast Du Dir einen Slogan überlegt: »Lust auf ein AbenSteuer?«

Wir freuen uns also jetzt schon darauf, wie Superheld Taxman in seiner nächsten Soli-Mission allen außergewöhnlichen Belastungen trotzt und nur knapp einem mörderischen Ehegatten-Splitting entgeht! Und zwar gerade noch rechtzeitig, um zu verhindern, dass Superschurke Dr. Elster die Welt in die kalte Progression stürzt.

Schreibt Dich dieses Jahr sicher wieder ab: Titanic

 Prost und zum Wohl, lieber Lidl!

Rückblickend möchten wir uns noch einmal für Dein schönes Angebot »Freude schenken zum Vatertag« bedanken, bei welchem Du auf acht Plastikflaschen Deines ohnehin schon extrem billigen Perlenbacher Pils aus lauter Herzensgüte einfach eine neunte gratis obendrauf gelegt hast!

Und warum, Lidl? Weil Du ihre Herzen (und Lebern) in- und auswendig kennst und daher weißt: Erst die neunte Flasche ist es, die Männern regelmäßig die unverfälschte, überschäumende Freude bringt!

Nach Diktat vom Bürostuhl gekippt und sogleich eingepennt:

Deine »Jungs« von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Körper-Wunder Mensch

Wussten Sie schon, dass Finger- und Zehennägel den Hauptteil ihres Wachstums ausgerechnet in der Zeit, während der man nicht hinsieht, absolvieren? Man lernt nie aus …

Theobald Fuchs

 Große Schmerzen

Nachdem ich in den letzten Wochen für eine Hausarbeit historische Handschriften aufarbeiten musste, kann ich kleine Schnörkelschriften echt nicht mehr sehen. Ich habe ganz offensichtlich einen Minuskelkater.

Karl Franz

 Unterirdischer Anlagetipp

Viele Vermögende kaufen Gold oder Kunstwerke, um ihren Reichtum gegen Inflation etc. abzusichern. Dabei gäbe es Investments, die wahrlich auf die Ewigkeit verweisen: Reliquien. Reliquien wären Finanzprodukte mit Hand und Fuß, die nicht nur die Überreste der Heiligen, sondern auch das eigene Kapital konservierten. Einen Namen gäbe es auch schon für diese geniale Anlageoption: »Krypta-Währung«.

Jürgen Miedl

 Morning Routine

Obst zum Frühstück ermöglicht einen gesunden Start in den Tag, aber wer keine Lust hat, sich schon morgens in die Küche zu stellen und Früchte zu schnippeln, dem empfehle ich stattdessen Snoozies.

Loreen Bauer

 Bilden Sie mal einen Satz mit »Hinduismus«

Absprachen zur Kindbetreuung,
manchmal sind sie Schall und Rauch bloß.
Beide in der Hand die Klinke:
»Wo willst hin du? Is mus auch los!«

Wieland Schwanebeck

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
17.07.2024 Singen, Gems Thomas Gsella
19.07.2024 Hohwacht, Sirenen-Festival Ella Carina Werner
04.08.2024 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst Die Dünen der Dänen – Das Neueste von Hans Traxler
04.08.2024 Frankfurt/M., Museum für Komische Kunst »F. W. Bernstein – Postkarten vom ICH«