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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Heads Held High

Das ist, nach all den Jahren, jetzt auch mal eine Premiere, dass mir ein im Supermarkt gehörter Song mal eine Einleitung beschert, Roachford, „This Generation“: „Cause this generation, / Is gonna walk with their heads held high, / I know this generation is gonna, / Bring tears to the old man's eyes.“ A-huhu, a-huhu …
Zu dieser so stolzen wie tränentreibenden Generation rechnet auch der brasilianische Fußballer Neymar, der, irre ich nicht, der teuerste Fußballer (vermutlich auch Sportler) der Welt ist. Seinen aktuellen Verein hat er die sagenhafte Summe von 222 Millionen Euro gekostet, und sein Marktwert ist gewiss bereits gestiegen; sein Jahreseinkommen beträgt 50 Millionen, sein Vermögen wird auf 145 Millionen Euro geschätzt. Der 26jährige, mit Brasilien eben bei der WM ausgeschieden, hat neben seinen unzweifelhaften fußballerischen Gaben noch die Angewohnheit, bei kleinsten Berührungen des Gegners umzusinken und nach dem Arzt zu rufen. „Nach einem Beinduell mit dem Schweizer Valon Behrami krümmte sich Neymar so schmerzerfüllt auf dem Rasen, als seien ihm von Richard III. die Hoden eingetreten worden. Und als ihm im Spiel gegen Mexiko Miguel Layun in einem unfreundlichen Akt auf den Knöchel stieg, legte Neymar, sich windend, röchelnd und zuckend, eine Sterbeszene wie im letzten Akt von ,Hamlet’ hin, nur drastischer als im gängigen Regietheater. Ganz große Übertreibungskunst!“ fand da eine SZ-Kraft aus der Theater- (und nicht Fußball-)Abteilung und meinte es allenfalls halbironisch (nämlich feuilletonistisch), wie das Erstaunliche ist, dass so gut wie niemand mehr bereit zu sein scheint, ein solches Verhalten für zuallererst eine grobe Unsportlichkeit zu halten. Kommentars-Titan Kahn gab sich im ZDF direkt amüsiert: Man kenne das ja und könne bei derlei also zwischendurch Bier oder Kaffee trinken gehen. Statt etwa kotzen.

Von der WM habe ich bislang allenfalls eine Stunde verfolgt, darunter die besagte Szene aus dem Mexiko-Spiel, die sich der Schiedsrichter am Videokontrollschirm noch einmal ansieht, erkennt, dass nichts war, und auf eine Bestrafung des vermeintlichen Foulspielers verzichtet; den Simulanten aber scheint’s nicht einmal ermahnt. Simulanten gab es auch vor Neymar schon; beim „Jahrhundertspiel“ Italien – Deutschland 1970 fielen die Italiener reihenweise um (Funkkommentar Kurt Brumme: „Wir fragen uns besorgt, ob er es überleben wird …  Sie führen italienische Oper auf … Das ist ja widerlich! Das ist ja widerlich, was hier gespielt wird!“), und dem Sieg-Elfmeter im ’74er WM-Finale ging eine astreine, wenn auch erst später bestätigte Schwalbe von Hölzenbein voraus. Neu ist, dass das, was alle sehen, keiner mehr widerlich findet, es sei denn die Betroffenen: „Es ist eine Schande für den Fußball“, soll der mexikanische Trainer laut nicht nur FAZ getobt haben: „Das ist ein schlechtes Beispiel für die ganze Welt und all die Kinder vor dem Fernseher.“

„Wenn du ins Dribbling gehen musst, dann gehe ins Dribbling. Wenn du ein Tor schießen musst, dann schieße ein Tor. Wenn du nach einem Foul fällst, dann falle. Und wenn du auf dem Boden etwas Zeit sichern musst, dann sichere die Zeit, weil die anderen genau das gleiche machen.“ Rivaldo (Weltfußballer des Jahres 1999, mit Brasilien Weltmeister 2002), 2018

Und da kommen wir zum Unterschied, den es dann doch zwischen Fußball und Theater, Sport und Kunst gibt, auch wenn es Fußballkünstler und dramatische Spiele geben mag: Kunst kennt keine Sieger. Das gute Beispiel für die ganze Welt und die Kinder vor dem Fernseher wäre, dass der Bessere, die Stärkere zwar gewinnt, aber ehrlich, mit fairen Mitteln, vielleicht noch mit dem Glück der Tüchtigen: Sozialdemokratie. Dass selbst dieser Mindeststandard nicht nur (wie auch früher schon) unterlaufen, sondern verhöhnt – oder nicht mehr gekannt – wird, dass einer der weltbesten und reichsten Fußballer habituell und coram publico seine Gegenspieler denunziert und Zeit schindet, und anschließend geht’s weiter, und außer den Verlierern lachen alle: so ist der Fußball, den man zu verachten gelernt hat, der aber vielleicht auch nicht anders sein kann als die Welt, der er entspringt und die er so trefflich ins Bild stemmt.

Wer mag, kann finden, der so symptomatisch angemalte Neymar als „DER prototypische Vollidiot des Darstellungskapitalismus“ (Jürgen Roth) sei, bei allem Reichtum, halt auch nur ein sprachloses armes Schwein und das theatralische Gebarme ein Ruf nach der Zuwendung, die allen immer vorenthalten wird. Ein Opfer mehr; und freilich ebenfalls kein Grund, meine WM-Abstinenz zu überdenken.

PS. „Abiturienten in Baden-Baden haben ihre bestandene Prüfung mit dem Verbrennen ihrer Schulbücher gefeiert – und damit Polizei und Feuerwehr auf den Plan gerufen. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, … hätten zehn junge Leute ,ihrer Freude … in Form einer rituellen Bücherverbrennung [!] besonderen Ausdruck verliehen’“ (AFP). A-huhu, a-huhu ...




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Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Wolke Hegenbarth (39), Schauspielerin!

Wolke Hegenbarth (39), Schauspielerin!

Der »Gala« sagten Sie, dass Sie nach der Geburt Ihres ersten Kindes die Augen aufgemacht hätten: »Ich bin anschließend wochenlang durch die Straßen gegangen, habe die vielen Menschen gesehen und gedacht: Die sind alle geboren worden – das ist so abgefahren!«

Und, Frau Hegenbarth, was haben Sie vor Ihrer Niederkunft gedacht, wenn Sie die vielen Menschen gesehen haben? Dass die vom Himmel gefallen oder geschnitzt worden sind? Ein lauter Traum, ein kruder Witz? Wenn Sie Ihre Augen noch eine Weile offenhalten wollen: Auch die ganzen Schnitzel und Pandabären sind einmal geboren worden.

Abgefahren: Titanic

 Küss die Hand, Bad Ischl!

Du Tummelplatz der k.u.k. Schickeria im österreichischen Salzkammergut wirst nun unter dem Motto »Kultur ist unser neues Salz« eine der drei europäischen Kulturhauptstädte 2024. Herzlichen Glückwunsch! Da für uns Dein Land aber eh nur eine einzige große Fressmeile ist, fragen wir uns, welche kulinarischen Zutaten noch so ersetzt werden sollen. Ist die Wirtschaft das neue Rindfleisch? Die Wissenschaft die Zwiebel? Das Soziale der Pfeffer? Und Politik die Paprika edelsüß?

Zu diesem herzhaften Saftgulasch serviert gern den Witz als neuen Serviettenknödel: Titanic

 Genial, »Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag«!

»Batterien sollen Strom speichern« ist eine Deiner Überschriften auf der Themenseite »Innovation aus Schleswig-Holstein«. Diese Süddänen scheinen ein sehr plietsches Völkchen zu sein. Als Ergänzung hätten wir noch ein paar eigene Innovationen mit potentiell ähnlich durchschlagendem Charakter: Häuser sollen vor Regen schützen, Feuer soll Wärme spenden und Bier soll betrunken machen.

Deine Düsentriebs von Titanic

 Sieh an, Kai Pflaume,

die kasachische Version Ihrer Quizsendung »Wer weiß denn sowas?« finden Sie klasse. »Man versteht kein Wort. Es sieht aber sehr ähnlich aus«, sagten Sie dazu der DPA. Man versteht kein Wort? Liegt das womöglich daran, dass Kasachisch gesprochen wird und Sie Kasachisch nicht können? Ansonsten ist es ja dann genauso abgestanden wie das Original.

Weiß: Titanic

 HEY, LAAAHAAARS!!!

In einem eher kurzen Interview mit der Tagesschau hast Du, Generalsekretär der SPD, Dich gleich dreimal desselben Stilmittels bedient. Du sagtest, dass »alle wollen, dass die Partei wieder lauter wird«, merktest, dass »es in der Partei ein großes Bedürfnis gibt, über Themen zu reden, die die Menschen interessieren. Und zwar laut über diese Themen zu reden«, und tatest kund, dass Dein Verein zwar in der Regierung bleibt, »aber auch, dass wir laut sagen, wofür die SPD steht«.

Und nun fragen wir uns, warum denn plötzlich alles so laut sein muss. Denkst Du, wer schreit, hat recht? Soll die Botschaft der SPD über die leeren Marktplätze in die Wohnungen der daheimgebliebenen Wählerschichten dringen? Oder ist die SPD, trotz Erneuerung an der Spitze, im Kern so alt, dass die Parteimitglieder selbst sozialdemokratische Kernanliegen nicht mehr registrieren, wenn man sie ihnen nicht ins Ohr schreit? Ach was, es sind ja doch alle drei.

Deine Leisetreter von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Analoge Kuriosität

Wenn in Turin ein Fiat 500, Baujahr 2007 mit ca. 50 km/h auf der Via Santa Giulia über einen halb losen Gullydeckel fährt, dann hört sich das exakt so an wie das Netflix-Intro.

Sascha Dornhöfer

 Guter Vorsatz

Die unsäglichsten One-Hit-Wonder meiner Jugend (die noch dazu in den 90ern stattfand) rauf und runter streamen, um ihren Interpreten die Rente ein wenig aufzubessern.

Teja Fischer

 Praktisch

Das mittlere Alter hat auch seine Vorteile – man kann die Jungen und die Alten gleichermaßen doof finden.

Tina Manske

 Der Schlaf der Vernunft

Neulich hatte ich einen Traum, der mir vielleicht ermöglicht, mein verpfuschtes Leben vom Kopf auf die Füße zu stellen. Mir träumte nämlich der Satz: »Die wirklich wichtigen Dinge habe ich immer ins Wurstfach getan.« Zwar gibt es in meinem Kühlschrank kein Wurstfach, aber nun habe ich eben eines dazu erklärt und, obwohl ich gar keine Wurst esse, mir ein Stück Salami gekauft, meine Steuererklärung sowie die leere Brieftasche dazugelegt, und ich muss sagen, seitdem geht es mir tatsächlich besser.

Tibor Rácskai

 Gegen den Stich

Alle traditionelle Moralität habe ich hinter mir gelassen. Recht und Unrecht, Gut und Böse sind Kategorien, die für mich keine Bedeutung mehr haben. Ich beschreite nun einen Weg vollkommener sinnlicher Erfahrung, in der menschliche Kategorien zurückbleiben wie der leere Kokon eines neuen, größeren Wesens. Mögen andere mich Teufel oder Dämon zeihen, meinen Lebensstil pervers und mein Vergnügen verboten, ich lasse sie zurück wie kläffende Straßenhunde, an welchen der Moschusgeruch des Karnevals vorbeizieht. Ja, freimütig, vor aller Welt will ich meine Sünde bekennen: Ich habe Lachsbrötchen mit Marmelade gegessen.

Leo Fischer

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 13.02.:

    Die "Junge Welt" sieht Moritz Hürtgens Gedichtband "Angst vor Lyrik" in bester TITANIC-Tradition.

  • 10.02.:

    Heinz Strunk erzählt im Interview mit dem "Flensburger Tageblatt" von seiner Bühnenshow, seinen Büchern und Kolumnen.

  • 10.02.:

    Max Goldt spricht bei "rbbKultur" über sein musikalisches Werk.

  • 04.02.:

    Christian Y. Schmidt berichtet über das Leben mit dem Corona-Virus in Peking bei radioeins und im "Freitag".

  • 03.02.:

    Die "Kronen-Zeitung", Heute.at und Oe24.at freuen sich über Österreicher auf dem TITANIC-Titel "100 Jahre NSDAP".

Titanic unterwegs
18.02.2020 Hamburg, Polittbüro Gerhard Henschel mit Gerhard Kromschröder
20.02.2020 Weimar, Mon Ami Max Goldt
20.02.2020 Düsseldorf, Schauspielhaus Martin Sonneborn
21.02.2020 Stuttgart, Theaterhaus Max Goldt