Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Es brennt
Nicht alle Fragen, die sich an dieser Stelle aufgeworfen finden, bleiben ohne Antwort. Warum und vor allem was im Zuge des früher bloß so genannten Ausgehens alleweil „gefeiert“ wird, ist auch eigentlich klar: dass es keinen Grund mehr braucht. So wie der Kapitalismus ja auch keinen rechten Grund mehr braucht außer sich selbst, so ist die Feier ohne Anlass der Ausdruck ebenjener Lebensfreude, die nicht begründet werden muss.
Oder jedenfallls nicht immer. In Kalifornien, wo die schlimmsten Waldbrände der Geschichte wüten, ist Wald allein deshalb in Flammen aufgegangen, weil im Zuge einer sog. „Gender Reveal Party“ ein Rauch-Feuerwerk Funken geschlagen hatte. In Kalifornien sind, ist Nachwuchs unterwegs, nämlich Geschlechtsenthüllungsfeiern Mode, und man kann blauen oder rosa Rauch aufsteigen lassen, was sich inmitten einer historischen Dürre halt besonders empfiehlt. „Also praktisch Brandrodung (und Vernichtung überflüssiger Camper)“, vermutet der liebe Kollege Z., „um Platz für den eigenen Nachwuchs zu schaffen“; und jedenfalls generalemblematisch unerhört einleuchtend, wenn der walkend egomane Schwachsinn, diese Mischung aus Langeweile, Geltungsbedürfnis, Imperial-Lebensweise und Hirnkitsch, für großflächig verbrannte Erde sorgt. (Andererseits brechen Mütter in Tränen aus, wenn sie aus Versehen das Geschlecht ihres Ungeborenen erfahren, weil’s dann nämlich keine perfekte Geburt mehr ist, und so diametral verschieden die Sorgen westlicher Esel und Eselinnen sind, sind’s im letzten stets die gleichen.)