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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Drum prüfe

Überraschungen sind im Kolumnistenberuf ja eher selten, denn „wie groß ist der soziale Horizont eines Menschen –? Er ist doch wohl viel kleiner, als man glaubt. Die große Menge der Urteile beruht auf Überlieferung“ (Tucholsky), und die geht bei der FAZ nun einmal so, dass, ist in der Schule was zu schwer, der Schüler zu doof sein muss, und zwar insonderheit der, der sowieso nicht Abitur ist: „Dass es aber offensichtlich eine enorme Diskrepanz zwischen dem Niveau der Abituraufgaben und jenem des Unterrichts gibt, gehört zu den verheerenden Folgen der Inflationierung der Allgemeinen Hochschulreife und der Abwertung niedriger Bildungsabschlüsse. Wenn jeder das Abitur erlangen soll, die Anforderungen im Unterricht dafür gesenkt, in den Abituraufgaben aber wieder hochgeschraubt werden, kann diese Rechnung nicht aufgehen“, weiß die Berliner Feuilletonkorrespondentin Bethke, deren Kinder garantiert keinen niedrigen Bildungsabschluss haben und deren vorzügliche Hochschulreife freilich ausschließt zu wissen, dass es verheerende Folgen außerhalb des Journalphrasenlands nicht gibt, allenfalls die Verheerung als Folge von etwas. Die SZ hat immerhin das Nächstliegende getan und einen Mathelehrer gebeten, das umstrittene Abi mal durchzurechnen, und er hat es zwar geschafft, aber nicht annähernd in der gegebenen Zeit.

Trotzdem wird man vermutlich nie wissen, was an dieser Prüfung nun zu schwer war oder nicht und ob an allem, wie ein Anwurf lautete, die Kompetenzbetrunkenheit modernen Unterrichts schuld hat, obwohl zu der doch gerade jene Texterfassungsfähigkeit gehört, die vor den als zu elaboriert inkriminierten Textaufgaben einmal nützlich gewesen wäre. Was man jedenfalls wissen kann, ist, dass die allermeisten Prüflinge das Allermeiste, was sie im Abi wissen müssen, schleunigst wieder vergessen, sofern sie’s in Studium oder Beruf nicht brauchen, und dass das Abitur ein formaler Bildungsabschluss ist und die Abiturnote die Leistungsfähigkeit beurteilt und nicht eine Bildung, die man mit 18 nicht hat.

„Das eine der Blätter, im halben Format, bescheinigte sachlich, dass der Schüler am heutigen Tag die Reifeprüfung bestanden habe. Unterschrift und Siegel. Ich barg es in der Brusttasche, denn das brauchte ich zum Studieren. – Das andere, große Blatt aber war das Zeugnis (…), und andächtig zerriss ich es in viele kleine Schnipsel, bis es Konfetti war, legte es in die hohle Hand und pustete es zum geöffneten Fenster hinaus.“ Alexander Spoerl, 1950

Dass diese Leistungsfähigkeit vom Elternhaus abhängt, ist immer noch wahr, und solange das wahr ist, ist der Vorwurf, das Abitur werde inflationiert, notwendig ein klassenpolitischer. Dass auf dem Gymnasium zu viele seien, die da nicht hingehörten, ist natürlicherweise die Beschwerde derer, die keinen Zweifel daran haben, ihre Kinder täten es, und dass das Abitur um so weniger wert ist, je mehr es machen, liegt weniger an sozialdemokratischen Lehrplänen denn in der Logik der Sache. Dass Kollegin Bethke, die nicht die banalste Nullstelle mehr wird ausrechnen können, ins Keifen gerät, wo doch der Nachwuchs, der die Logik der Sache verinnerlicht hat, nur auf fairen Wettbewerb besteht, ist nichts als die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, als das Abitur noch was wert war, und dass es heute weniger wert ist, müssen die bedauern, die es sich immer schon haben leisten können.

Dann sollen sie uns aber nicht damit in den Ohren liegen, Konkurrenz belebe das Geschäft. 




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Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Bonjour, Marine Le Pen!

Bonjour, Marine Le Pen!

Das Potsdamer Treffen der AfD mit anderen extremen Rechten war selbst Ihnen zu heftig: Sie seien nie für eine »Remigration« in dem Sinne gewesen, dass Französinnen und Franzosen ihre Nationalität entzogen würde, selbst wenn die Einbürgerung unter fragwürdigen Bedingungen geschehen sei, meinten Sie und fügten hinzu: »Ich denke also, dass wir, wenn es denn so ist, eine krasse Meinungsverschiedenheit mit der AfD haben.«

Keine Ahnung, Le Pen, ob Sie mit dieser Haltung eine Chance aufs französische Präsidentenamt haben. Ministerpräsidentin von Thüringen würden Sie mit diesem Weichei-Schlingerkurs aber ganz sicher nicht!

Schon ein bisschen enttäuscht: Titanic

 Einfach mal kreativ sein, Rishi Sunak!

Der BBC sagten Sie: »Ich bin nicht sicher, ob sich die Leute so sehr für meine Ernährung interessieren, aber ich versuche, zu Beginn jeder Woche etwas zu fasten.« Wir glauben, dass Ihre Unsicherheit berechtigt ist: An Ihren Beliebtheitswerten kann man ablesen, dass sich das Interesse an Ihren Gewohnheiten in Grenzen hält.

Das ließe sich aber leicht ändern: Bei den ganzen verschiedenen Varianten wie TV-, Auto- und Plastikfasten gäbe es bestimmt auch für Sie etwas, durch das Sie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit »eight days a week« auf sich zögen. Wie wäre es z. B. mit Abschiebungsfasten, Verbrennerverbotverzögerungsfasten oder Zweiteamtszeitfasten?

Nur dass Sie gerade beim Thema »Neuwahlen« dem Verzicht huldigen, sollten Sie nach Ansicht der Mehrheit Ihrer Landsleute schleunigst ändern. Zwischendurch kann man sich doch auch ruhig mal was gönnen, oder?

Mampft Ihre Scones mit Clotted Cream und reichlich Marmelade gleich mit: Titanic

 Moin, Hamburger Craft-Brauerei ÜberQuell!

Dein Firmenname zeugt ja bereits von überschäumender Wortspiellust, aber so richtig freidrehend auf die Kacke haust Du erst bei den Bezeichnungen Deiner einzelnen Biersorten: Die heißen nämlich zum Beispiel »Supadupa IPA«, »Palim Palim Pale Ale«, »Pille Palle Alkoholfreies Ale« oder sogar »Franzbrewtchen Imperial Pastry Brown Ale«. Auweia!

Gerade bei Letzterem, das außerhalb Hamburgs von vielen gar nicht zu entschlüsseln sein dürfte, mussten wir, obschon viel gewohnt, dann doch schlucken, weil uns allein der Name innerhalb von Sekunden pappsatt und sturzbetrunken machte. Er erschien uns einfach zu brewtal, fast schon brauenhaft! Auf Dein Bier haben wir dann lieber verzichtet.

Aus der Ausnüchterungszelle grüßt trotzdem: Titanic

 Dir, Tod,

gefiel es im Jahr 2010, im Abstand von einem Tag Bärbel Bohley (11. September) und Claude Chabrol (12. September) abzuberufen, worauf wir damals in unserer Online-Rubrik »Fakt vs. Frage« scharfsinnig spekulierten, als Nächstes treffe es nun wohl Dieter Dehm, Erhard Eppler und Frank Farian. Knapp daneben! Denn Frank Farian holtest Du erst dieses Jahr, am 23. Januar – nicht ohne vorher noch die Büchnerpreisträgerin Elke Erb (22. Januar) abzuräumen.

Und langsam durchschauen wir Dich, Gevatter: A darf leben, B und C müssen sterben; D darf leben, E und F müssen sterben …

Um es kurz zu machen: Gundula Gause ist, trotz ihres boulevardmedial großflächig breitgetretenen Schwächeanfalls vom Dezember (Bild: »total unnötig«, »hätte mich krankmelden sollen«), fürs Erste fein raus, während Heimatsänger Hansi Hinterseer und Malertochter Ida Immendorff sich lieber schon mal das letzte Hemd anziehen sollten. Stimmt’s?

Gruselt sich vor der Antwort: Titanic

 Na, na, na, welt.de!

»Warum ›Barbie‹ klüger ist als alle anderen nominierten Filme zusammen«, titeltest Du in Deinem Feuilleton bezüglich der diesjährigen Oscar-Kandidaten. Allein: Wir haben noch mal den Taschenrechner gezückt, und wenn man auch die Dokumentar-, Kurz- und Dokumentarkurzfilme berücksichtigt, sind alle anderen nominierten Filme zusammen exakt 1,76 Klugheitspunkte klüger als »Barbie«.

Welches Medium dümmer ist als alle anderen Medien zusammen, braucht hingegen nicht nachzurechnen: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Authentisch

Jedes Mal, wenn mir ein bekennender Feinschmecker erklären will, wie aufwendig ein echt italienisches Risotto zubereitet gehört, habe ich das Gefühl, es würde stundenlang um den heißen Brei herumgeredet!

Mark-Stefan Tietze

 Nach Explosion in der Molkerei

Alles in Butter.

Loreen Bauer

 Lauf, Junge!

Die Ordner bei einem Fußballspiel würden sich wesentlich mehr Mühe geben, wenn sie bei der Jagd nach dem Flitzer auch nackt sein müssten.

Rick Nikolaizig

 Und das Brot erst!

Einen Krankenwagen rufen, ohne sich in Schulden zu stürzen, mehr Urlaubs- als Arbeitstage, Bier zum Frühstück: Deutschland ist toll. Mit solchen Takes können US-amerikanische Influencerinnen hierzulande natürlich punkten. Aber betreiben sie damit nicht einfach nur billiges Kraut-Pleasing?

Alexander Grupe

 Pandemisches Passionsspiel

Die Erfahrungen aus der Coronazeit wirken teils immer noch nach. So fragt man sich heute bei der Ostergeschichte: Hat Pontius Pilatus, als er seine Hände in Unschuld wusch, dabei zweimal »Happy Birthday« gesungen?

Jürgen Miedl

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
23.02.2024 Enger (bei Bielefeld), Impuls Thomas Gsella
27.02.2024 Bern, La Capella Max Goldt
27.02.2024 Bruneck, UFO Jugend- & Kulturzentrum Julia Mateus
27.02.2024 Wiesloch, Stadtbibliothek Ella Carina Werner