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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Die Fahnen hoch

admin

Für politische Berichterstattung ist das SZ-Magazin weder gedacht noch gemacht, aber was es sieht, das sieht es: „Die Nationalspieler sind glattdiszipliniert wie nie – das zeigt den riesigen Widerspruch zwischen dem verkommenen System Fußball und seinem ethischen Anspruch an die Profis.“ Während auf WM-Baustellen Sklaven sterben, Kindfußballer aus Lateinamerika nach Europa verhökert werden und es nach wie vor keine schwulen Fußballer gibt, ist die zentrale Frage, „ob Max Kruse, der Spaß daran hat, sein Glied mit dem Handy zu filmen, integer genug ist, um Teil der deutschen Nationalmannschaft zu sein“. Er ist es nicht.

„Ein System, das Woche für Woche sämtliche ethischen Standards unterschreitet, schraubt eben diese für seine Spieler immer noch ein Stückchen höher. Das kann, wenn es nicht so bigott wäre, auch mal lustig sein: Vor ein paar Jahren wurde Florian Kringe von Borussia Dortmund von seinem Trainer Thomas Doll ,wegen Disziplinlosigkeit’ für drei Tage gesperrt, weil er mit nacktem Oberkörper ein Buch gelesen hatte.“ Folgt der Hinweis auf die gute alte Zeit, als Netzer „zum Feiern übers Wochenende nach Las Vegas flog“ und die ’82er WM-Vorbereitung am Schluchsee bzw. eben „Schlucksee“ eher dem Ausflug eines Kegelvereins glich. Heute dagegen eine Konformität, die selbst dem konformen SZ-Magazinisten Haberl aufstößt: „Fast scheint es, als müßten die Spieler Teile ihrer Persönlichkeit opfern, damit der moralische Niedergang des durchkommerzialisierten Profifußballs bestmöglich verschleiert werden kann“, und je durchgeknallter und vulgärer alles wird, desto „tastender, vorsichtiger, verängstigter“ werden sie, „bald sagt keiner mehr was, ohne vorher seinen Berater um Erlaubnis gefragt zu haben“.

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