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Dax Werners Debattenrückspiegel KW26

Liebe Leser:innen,

er hat es wirklich getan. Frank Thelen, Skateboard-Legende und Seriengründer aus Bonn, hat gemeinsam mit einigen anderen windigen Gesellen aus dem Bereich fantasievolle Geschäftsmodelle insgesamt 500 000 Euro an die FDP gespendet. Bumm, der sitzt. Durchatmen. Muss eine unheimlich intensive Atmosphäre in der Sparkassenfiliale gewesen sein, als die zehn der Reihe nach das Knax-Taschengeldkonto leergeräumt haben. So sieht Aufbruch aus, so geht Veränderung! Der Plan dahinter wurde unverhohlen mit kommuniziert: Rot-Rot-Grün im Bund verhindern und eine schwarz-gelbe Koalition ermöglichen.

Wenn man bedenkt, dass R2G so ziemlich die unwahrscheinlichste Koalitionsoption nach der Bundestagswahl sein wird – selbst wenn Grüne, SPD und Linke auf 60 Prozent kämen, würde sich Olaf Scholz wohl mit staatspolitischer Miene für Neuwahlen einsetzen –, hätte man die halbe Million auch nachhaltiger investieren können. Zum Beispiel hätten die zehn Techträumer vom selben Geld genauso gut den 31jährigen Rechtsfuß Paolo Bartolomei vom italienischen Zweitligisten US Cremonese (Lombardei) verpflichten können (aktueller Marktwert: 550 000 Euro) und ihn zum puren amusement den ganzen Tag auf eine Torwand schießen lassen. Ab und zu würde Thelen den Kopf aus seinem Bürofenster stecken und Paolo mit ein paar Brocken Urlaubsitalienisch coachen. Eine herrliche Vorstellung! Bartolomei brachte es in dieser Spielzeit zwar nur auf 16 Einsätze, doch stand er damit immer noch öfter auf dem Feld als Wolfgang Kubicki bei Markus Lanz, Maybrit Illner und Gunnar Kaiser zusammen.

Thelen, den nicht wenige für den deutschen Mark Cuban halten, weil er vor 30 Jahren mal eine GmbH gegründet hat, bis vor kurzem auf VOX in molekulare Massagerollen und blinkende Bierhelme investiert hat (und diese invests in 6 von 10 cases im Nachgang zurückgerufen hat), geht es ohnehin weniger um die nackten Zahlen als vielmehr ums Gefühl und die Symbolwirkung seiner Megaspende. Mit dem neuesten investment case will er vor allen Dingen den Grünen medial einen mitgegeben werden. Diesen Faden griff er ein paar Tage später auch noch einmal in einem Videostatement auf, in dem er den grünen Wähler:innen eine "hohe Emotionalität" attestierte und von einem Bitcoin-Millionär schwadronierte, der angeblich eine Million Bitcoins (oder so) direkt an das gemeinsame Paypal-Konto von Habeck und Baerbock überwiesen habe. Was von alledem stimmt und was nicht: Unklar. Sicher ist nur eines: Es braucht keine Russenbots, um den Wahlkampf so langsam richtig schmutzig werden zu lassen. Pfui!

Klar ist auch: Wo der Eindruck entsteht, dass sich Parteien für solch mickrige Summen vor den Karren spannen lassen, geht Vertrauen in demokratische Prozesse verloren. Parallel dazu sehe ich jedoch noch eine viel gewaltigere Baustelle: Die mittelfristige Positionierung von Frank Thelen als Startup-Profi, Fernsehnase und public intellectual. Der Mann, der immer gern wie ein Hybrid aus Tony Hawk und Jeff Bezos rüberkommen möchte, wirkte zuletzt eben doch eher wie ein Frank aus Bonn. Welchen Technologiebaum will er für sich ganz persönlich einschlagen? Wo soll die Reise für ihn als Vordenker und Visionär letztendlich hingehen?

Vielleicht aber überrascht uns Thelen auch noch einmal alle: Zum Beispiel als Bildungsminister in einer neuen schwarz-gelben Koalition. Je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir diese Idee.

Einen herrlichen Sonntag wünscht:

Dax Werner




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Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Hallihallo, Michael Maar!

In unserem Märzheft 2010 mahnte ein »Brief an die Leser«: »Spannend ist ein Krimi oder ein Sportwettkampf.« Alles andere sei eben nicht »spannend«, der schlimmen dummen Sprachpraxis zum Trotz.

Der Literatur- ist ja immer auch Sprachkritiker, und 14 Jahre später haben Sie im SZ-Feuilleton eine »Warnung vor dem S-Wort« veröffentlicht und per Gastbeitrag »zur inflationären Verwendung eines Wörtchens« Stellung bezogen: »Nein, liebe Radiosprecher und Moderatorinnen. Es ist nicht S, wenn eine Regisseurin ein Bachmann-Stück mit drei Schauspielerinnen besetzt. Eine Diskussionsrunde über postmoderne Lyrik ist nicht S. Ein neu eingespieltes Oboenkonzert aus dem Barock ist nicht S.«

Super-S wird dagegen Ihr nächster fresher Beitrag im Jahr 2038: Das M-Wort ist ja man auch ganz schön dumm!

Massiv grüßt Sie Titanic

 Weiter so, uruguayischer Künstler Pablo Atchugarry!

Eine angeblich von Ihnen geschaffene Bronzeskulptur im englischen Cambridge soll an Prinz Philip erinnern, der dort von 1977 bis 2011 Kanzler der Universität war. Allerdings wird das Kunstwerk, das im Auftrag eines reichen Bauträgers angefertigt wurde, von vielen als verunglückt empfunden und zieht seit nunmehr zehn Jahren Spott auf sich.

Dass Sie mittlerweile die Urheberschaft leugnen, um Ihr Renommee als Künstler zu schützen, ist zwar verständlich, aber aus unserer Sicht völlig unnötig. Wenn sich das Konzept durchsetzt, lästige Promis, die uns über Jahrzehnte viel Zeit, Geld und Nerven gekostet haben, mit langlebigen Schrott-Monumenten zu schmähen, werden Sie sich vor Aufträgen bald kaum noch retten können. Und das Beste: Weil andere Großkopferte sich mit ihren Eskapaden zurückhalten würden, um nicht von Ihnen verewigt zu werden, sorgten Sie auch noch für Ruhe und gesellschaftlichen Frieden.

Hofft, dass dieser Vorschlag einen Stein ins Rollen bringt: Titanic

 Ah, »Galileo«!

Über die Arbeit von Türsteher/innen berichtest Du: »Viele Frauen arbeiten sogar als Türsteherinnen«. Wir setzen noch einen drauf und behaupten: In dieser Branche sogar alle!

Schmeißen diese Erkenntnis einfach mal raus:

Deine Pointen-Bouncer von Titanic

 Eher unglaubwürdig, »dpa«,

erschien uns zunächst Deine Meldung, Volker Wissing habe nach dem tödlichen Busunglück auf der A9 bei Leipzig »den Opfern und Hinterbliebenen sein Beileid ausgesprochen«. Andererseits: Wer könnte die Verstorbenen auf ihrem Weg ins Jenseits noch erreichen, wenn nicht der Bundesverkehrsminister?

Tippt aufs Flugtaxi: Titanic

 Prophetisch, »Antenne Thüringen«?

Oder wie sollen wir den Song verstehen, den Du direkt nach der von Dir live übertragenen Diskussion zwischen Mario Voigt und Björn Höcke eingespielt hast? Zwar hat der Thüringer CDU-Fraktionschef Höckes Angebot einer Zusammenarbeit nach der Wahl ausgeschlagen. Aber es wettet ja so manche/r darauf, dass die Union je nach Wahlergebnis doch noch machthungrig einknickt. Du jedenfalls lässt im Anschluss den Musiker Cyril mit seinem Remake des Siebziger-Lieds »Stumblin’ in« zu Wort kommen: »Our love is alive / I’ve fallen for you / Whatever you do / Cause, baby, you’ve shown me so many things that I never knew / Whatever it takes / Baby, I’ll do it for you / Whatever you need / Baby, you got it from me.« Wenn das nicht mal eine Hymne auf eine blau-schwarze Koalition ist!

Hätte sich dann doch eher »Highway to Hell« gewünscht: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Citation needed

Neulich musste ich im Traum etwas bei Wikipedia nachschlagen. So ähnlich, wie unter »Trivia« oft Pub-Quiz-Wissen gesammelt wird, gab es da auf jeder Seite einen Abschnitt namens »Calia«, voll mit albernen und offensichtlich ausgedachten Zusatzinformationen. Dank Traum-Latinum wusste ich sofort: Na klar, »Calia« kommt von »Kohl«, das sind alles Verkohl-Facts! Ich wunderte mich noch, wo so ein Quatsch nun wieder herkommt, wusste beim Aufwachen aber gleich, unter welcher Kategorie ich das alles ins Traumtagebuch schreiben konnte.

Alexander Grupe

 Back to Metal

Wer billig kauft, kauft dreimal: Gerade ist mir beim zweiten Sparschäler innerhalb von 14 Tagen die bewegliche Klinge aus ihrer Plastikaufhängung gebrochen. Wer Sparschäler aus Kunststoff kauft, spart also am falschen Ende, nämlich am oberen!

Mark-Stefan Tietze

 Tödliche Pilzgerichte (1/1)

Gefühlte Champignons.

Lukas Haberland

 Im Institut für Virologie

Jeder Gang macht krank.

Daniel Sibbe

 Empfehlung für die Generation Burnout

Als eine günstige Methode für Stressabbau kann der Erwerb einer Katzentoilette – auch ohne zugehöriges Tier – mit Streu und Siebschaufel den Betroffenen Abhilfe verschaffen: Durch tägliches Kämmen der Streu beginnt nach wenigen Tagen der entspannende Eintritt des Kat-Zengarteneffekts.

Paulaner

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
23.05.2024 Bielefeld, Theaterlabor Max Goldt
24.05.2024 Dresden, Buchladen Tante Leuk Thomas Gsella
30.05.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »POLO«
30.05.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hans Traxler: »Die Dünen der Dänen«