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Aus Eugen Egners Püppchenstudio

 


 

Gedanken über den Antrieb

Der Bus blieb ganz plötzlich stehen, an einer beliebigen Stelle zwischen zwei Haltestellen, ohne ersichtlichen Grund. Es konnte nur ein technischer Defekt vorliegen, dergleichen war ja nichts Unbekanntes. Man hörte den Fahrer schimpfen und lamentieren wie jemanden, der gezwungen ist, unwiederbringliche Lebenszeit mit dem Sortieren seiner Belege für die Einkommenssteuer zuzubringen. Immer wütender machte er sich an diversen Schaltern, Knöpfen und Hebeln im Führerstand zu schaffen, vermochte aber nicht, den Bus wieder in Gang zu bringen. Schließlich betätigte er den hydraulischen Öffnungsmechanismus der vorderen Tür, verließ fluchend seinen Platz hinter dem Steuer und stieg aus. Angeborenem Herdentrieb gehorchend, folgten ihm die zahlreichen Fahrgäste spontan nach draußen. Auf dem Bürgersteig liefen sie dicht zusammengedrängt hinter ihm her, während er mit großen Schritten das hintere Ende des Fahrzeugs anstrebte. Einige äußerten dabei Besorgnis: "Werden wir rechtzeitig zur neusten Folge von 'Heidi und der Heiland' heimkommen?"
Dies hörend, verständigte der Busfahrer vorsorglich durch lautes Rufen die Zentrale, damit ein batteriegetriebenes Fernsehgerät gebracht werde. Man atmete auf, eine große Last war den Menschen genommen. Wie allgemein erkannt wurde, mußte die Lage, in der man sich befand, durchaus nicht als hoffnungslos bezeichnet werden. Ganz in der Nähe gab es eine Tankstelle, wo zur Not Lebensmittel erworben werden konnten. Kannibalismus unter den ausgehungerten Passagieren war daher kaum zu befürchten. So beruhigte man sich vollständig. Man fühlte keine so angstvolle Abhängigkeit vom Fahrer mehr wie noch vor einigen Augenblicken, wollte aber doch wissen, wo er inzwischen geblieben war und was er jetzt tat, nachdem er am Heck des menschenleeren Verkehrsmittels um die Ecke gebogen war. Wie sich zeigte, machte er sich an der blechernen Rückfront zu schaffen. Etwas wie eine vertikale Motorhaube wurde geöffnet. "Er klappt den Bus hinten auf", berichtete eine Frau aus der ersten Reihe den weiter entfernt Stehenden. "Mal nach dem Motor sehen", kommentierte der Fahrer sein Tun. Dann verstummte er. Eine Zeitlang schaute er ratlos in die entstandene, nicht besonders tiefe Öffnung hinein. Weil sie nichts von ihm hörten, kamen die Fahrgäste voller Neugier ganz nah heran und rissen die Augen auf. Nun konnten alle genau sehen, daß der Motor nur gemalt war. Gewiß hätte in diesem Moment jeder der Umstehenden Verständnis dafür gehabt, wenn jemand in Schreie wilden Erstaunens ausgebrochen wäre, doch geschah dies nicht. Absolutes Schweigen herrschte stattdessen. Was in den Köpfen der Menschen vorging, ließ sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Vielleicht würdigten zumindest einige von ihnen die hier zur Schau gestellte handwerkliche Leistung, wenn auch von einer solchen eigentlich gar keine Rede sein konnte, und erst recht nicht von Illusionsmalerei. Im Grunde hatte man es bloß mit einem unverschämt plumpen, ja rohen Geschmier zu tun, das einem richtigen Motor wenig ähnlich sah.
Endlich schüttelte der Fahrer den Kopf und sprach: "Ein Wunder, daß wir überhaupt bis hierher gekommen sind." 

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Briefe an die Leser

 Herrschaftszeiten, Wladimir Putin!

Herrschaftszeiten, Wladimir Putin!

Offenbar als einen der letzten Versuche, im über Dein marodes Reich reinbrechenden Embargo- und Sanktions-Tsunami noch irgendwie Haltung zu wahren, hast Du zum Beginn des Monats die Verträge für russische Gaslieferungen auf Rubel umstellen lassen. Konkret heißt das, wie wir dem Handelsblatt entnehmen, dass die Abnehmenden (also die nicht befreundeten Staaten) »zwei Konten – ein Fremdwährungskonto und ein Rubel-Konto – bei der Gazprombank unterhalten … Gazprom-Kunden überweisen dann ihre Zahlungen in ausländischer Währung auf das entsprechende Konto, woraufhin die Bank an der Moskauer Börse Rubel dafür kauft. Diese werden dem Rubel-Konto des Käufers gutgeschrieben und auf ein Konto des Lieferanten Gazprom nach Russland überwiesen.«

Pff, wie langweilig! Bist Du statt eiskalter Auto- jetzt auch Bürokrat? Wir hatten uns das so vorgestellt, dass Robert Habeck einen Sack mit Euroscheinen zum Roten Platz schleift, den Inhalt in der nächsten Wechselstube (Operatsionnaya Kassa) zum Tageskurs in Rubel umtauscht, diese dann zum Kreml rollt und dafür unter den strengen Augen einer Deiner Apparatschiks persönlich für ein paar Minuten den Gashahn aufdrehen darf. Das wäre eines Superschurken würdig! Und krumme Geschäfte tätigt man in unserem Kulturkreis noch immer mit großen, unmarkierten Banknoten; frag mal Briederchen Gerd.

Den Witz mit der IWAN-Nummer spart sich diesmal: Titanic

 Huhu, »Süddeutsche Zeitung«,

unter der Überschrift »So sparen Urlauber Geld« notiertest Du die »zehn wichtigsten Tipps für einen günstigen Urlaub«. Die lauten beispielsweise: »Frühzeitig buchen«, »Preiswerte Reiseländer und Regionen aussuchen«, »Günstige Unterkünfte auswählen«, »Schnäppchenportale nutzen«, »Günstig an- und abreisen«. Danke, Süddeutsche! Wir dachten bisher immer, dass man als Urlauber Geld spart, wenn man kostspielig an- und abreist, teure Reiseländer, Regionen und Unterkünfte aussucht und um Schnäppchenportale einen großen Bogen macht. Baff: Titanic

 Mit Ihren Buchtiteln, Peter Hahne,

haben wir uns zugegebenermaßen immer ein bisschen schwergetan. Sie heißen »Nicht auf unsere Kosten!«, »Seid ihr noch ganz bei Trost!«, »Schluss mit euren ewigen Mogelpackungen!«, »Finger weg von unserem Bargeld!«, »Niemals aufgeben!« Anders steht es um den Ihres neuen Buches: »Das Maß ist voll« (ohne Ausrufungszeichen!) bzw. genau genommen um den Untertitel: »In Krisenzeiten hilft keine Volksverdummung«. Denn da, Hahne, müssen wir Ihnen ausnahmsweise vollumfänglich zustimmen: Auch wir sind der Meinung, dass Volksverdummung in Krisenzeiten rein gar nichts bringt. In normalen Zeiten dagegen? Erklären Sie's uns! In Sachen Verdummung sind Sie schließlich Experte. Maßvoll wie immer: Titanic

 Sind Sie, Landwirtschaftsminister Cem Özdemir,

Sind Sie, Landwirtschaftsminister Cem Özdemir,

gerade ein bisschen schlecht drauf? Auf die Frage der Taz jedenfalls, ob es vorstellbar sei, dass Sie im Alter zurück aufs Land gehen würden, sagten Sie: »Ich weiß es nicht. Meine Eltern sind beide in meinem Geburtsort Bad Urach beerdigt worden.« Und weiter: »Ich habe das für mich noch nicht entschieden, wo ich mal beigesetzt werden möchte. Aber ich würde jetzt nicht ausschließen, dass das am Ende auch der Ort wird, wo ich geboren bin und auch sehr schöne Jahre meines Lebens verbracht habe.« Aufs Land gehen ist für Sie demnach mehr ein ins bzw. sogar unter Land gehen. Für einen Landwirtschaftsminister ist das zwar recht konsequent, aber wie schön Ihre auf dem Land verbrachten Jahre tatsächlich waren, dass Sie sich das dann lieber von unten anschauen, will am Ende echt nicht wissen: Titanic

 Du, »Focus Online«,

lieferst in Deiner Rubrik »Praxistipps« sicherlich viele brauchbare Ratschläge. In erster Linie versuchst Du Dich dort aber freilich im Clickbaiting. Mit folgender Schlagzeile bist Du allerdings bei uns abgeblitzt: »Katze gurrt: Das steckt dahinter«. Zu eindeutig liegt hier auf der Hand, was dahintersteckt: eine verschluckte Taube. Taube Ohren für Dich hat stets: Titanic
Vom Fachmann für Kenner

 Zusammenhalt & Freundschaft

Haben siamesische Zwillinge eigentlich auch immer eine bessere Hälfte?

Nick Hertzberg

 Entwarnung

Ich habe neulich zum ersten Mal eine Vorsorgeuntersuchung beim Urologen gemacht. Ergebnis: Alles bestens, der Mann ist kerngesund.

Cornelius WM Oettle

 Schlecht gealtert

Bin mit 32 beim Alkoholkauf nach dem Ausweis gefragt worden. Begründung der Kassiererin: »Ja, mit der Maske kann man Ihr Alter wirklich schlecht einschätzen.« Was glaubt sie denn? Dass ich darunter ’nen Schnuller im Mund haben könnte?

Loreen Bauer

 Versöhnt mit dem Ich

Im Rahmen eines TV-Interviews hat Papst Franziskus neulich verraten, dass er als Kind, statt sich zum Priester weihen zu lassen, eigentlich den Beruf des Metzgers ergreifen wollte. Schön für ihn, dass es am Ende doch noch »irgendwas mit Fleischeslust« geworden ist.

Patric Hemgesberg

 Alte Weisheit (aktualisiert)

Gib einem Hungernden einen Fisch und er wird einmal satt, lehre ihn Phishing, und er wird nie mehr hungern.

Ronnie Zumbühl

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 11.05.: Der Falter mit einer kleinen Blattkritik zur Maiausgabe
  • 02.03.: TITANIC-Herausgeber Tim Wolff bei Übermedien über Satire in Kriegszeiten
  • 03.02.: Der hr präsentiert den üppigen Humor-und-Satire-Dreiteiler "Radikal Komisch" mit Ella Carina Werner, Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn u. v. v. a. m., mit 100 schönen TITANIC-Titeln – und in Teil 3 tauchen auch noch Hintner, Burmeier, Eilert und Martina Werner auf – live in der ARD-Mediathek.
  • 01.02.: Bei der Taz versucht sich Moritz Hürtgen am Olympischen Gedanken.
  • 20.01.: In Göttingen eröffnete die große Eugen-Egner-Ausstellung im Alten Rathaus. Bilder vom Event zeigt das Göttinger Tageblatt und die Stadt Göttingen hat alles aufgezeichnet.
Titanic unterwegs
18.05.2022 Dresden, Staatsschauspiel Max Goldt
18.05.2022 Berlin, Mehringhof-Theater Heiko Werning mit Ulrike Sterblich
19.05.2022 Bamberg, Dr. Pfleger Stiftung Max Goldt
20.05.2022 Nürnberg, Hubertussaal Max Goldt