[17.11.2013]
Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Am Ende

Wer beim Daimler schafft, fährt Benz, wer bei Opel am Band steht, Insignia, erst einmal wegen des Firmenrabatts, aber auch, weil man dadurch sich und der Welt mitteilt, nicht bloß irgendein Hiwi, sondern an der Herstellung eines Produkts beteiligt zu sein, das man selbst mit Stolz in Gebrauch hat.

Zwei von drei Altenpflegekräften, lese ich, möchten später nicht in einem Heim zuendeleben, in dem es so zugeht wie an ihrem Arbeitsplatz, und wäre das hier ein Zeitungskommentar, müßte wohl das Wort „Bankrotterklärung“ auftauchen. Da das hier aber kein Zeitungskommentar ist, wollen wir lieber von Konsequenz sprechen, denn von einem Laden, der sich fürs Humane bloß interessiert, sofern es Humankapital ist, sollte nichts anderes erwartet werden.

Wer zur Mehrwertschöpfung nichts beiträgt, ist raus: Kranke, Arbeitslose, Schulabbrecher, Alte, und während der Tanz ums Kind einer um den künftigen Warenfetischisten ist, herrscht am Alten Eisen spätestens dann kein Interesse mehr, wenn es die konsumstarke Spätperiode als Best und Silver Ager hinter sich hat und nur mehr „Sozialkosten“ verursacht; und die jahrzehntelange unverzichtbare Rolle als Lokführer, Maurer oder Krankengymnastin bewahrt niemanden davor, in der Vorschlußbilanz nur dann noch als Aktivum aufzutauchen, wenn sie von der Buchhaltung eines privatwirtschaftlich betriebenen Heims erstellt wird. (Daß der Überbau, der bekanntlich nicht für die Wahrheit zuständig ist, im Zuge von allerlei Alte-wollen's-noch-mal-wissen-Komödien das Gegenteil insinuiert, beweist genau das.) Natürlich ist es eine Schande für die Gesellschaft, wenn eine Handvoll Polinnen, weil einheimischen Kräften der Deal „harte Arbeit für mageren Lohn“ (noch) nicht einleuchtet, hundert Alte versorgen müssen und sich den lieben langen Tag fürchten, einmal auf eben der Station zu landen, auf der sie Dienst tun, während unsere als „Leistungsträger“ apostrophierten Unglückspromotoren überlegen, welche Farbe die Ledersitze im neuen Sport-Audi benötigen; eine Schande allerdings nicht für diese Gesellschaft, denn die ist marktkonform, und wer als Marktteilnehmer ausfällt – noch einmal –, der kümmert nicht.

„Pflege, welche am Wochenende mit 2 Pflegekräften für 31 Bewohner durchzuführen ist, ist definitiv gefährliche Pflege! … Das Bestreben nach vollen Kassen darf doch nicht Grundlage der Altenpflege sein!“ Aus dem anonymen „Hilferuf“ einer Wohnbereichsleiterin, 2005

Allenfalls vorher, solang er noch einer ist: Der sog. „Pflege-Bahr“, eine Art Riesterversicherung für den Pflegenotfall, boomt, obwohl Stiftung Warentest bereits den Kopf schüttelt, aber die Leute haben Angst, und was sie für ihr Geld und gegen ihre Angst bekommen, ist eine weitere Zusatzversicherung, die bei Beitragsleistungen, wie sie einem normalen Arbeitnehmer möglich sind, nur die Angst dämpfen und nicht das Elend später und bloß jene Versicherungswirtschaft stärken, der (das ist kein Vorwurf, das ist eine Feststellung) an Rendite gelegen ist und nicht daran, daß man's im Alter schön hat, auch wenn man nicht Versicherungsdirektor gewesen ist. (Vor zwei Menschenaltern hatte man sagen dürfen, der Laden gehört Thyssen und Krupp, vor einem, er gehört Mercedes und der Deutschen Bank. Heute gehört er der Allianz.)

Das Leben, wissen wir, lebt nicht. An seinem Ende das Gegenteil zu beweisen wäre allein einer Gesellschaft möglich, die es erst gar nicht müßte.




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Das schreiben die anderen
  • 26.09.:

    Bei Arte im Portrait: Ex-TITANIC-Chef und PARTEI-EU-Abgeordneter Martin Sonneborn.

Titanic unterwegs
28.09.2016 Hanau, Café des Vereins Lebensgestaltung
  Thomas Gsella
28.09.2016 Wiesbaden, Gemeindezentrum
  Gerhard Henschel
29.09.2016 Sassnitz, Grundtvighaus
  Max Goldt
29.09.2016 Madrid, Cafeteria der Deutschen Schule
  Thomas Gsella

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Briefe an die Leser

 Walter Hildebrandt, deutscher Vater!

Als Direktor eines Steinbeis-Instituts für Digitale Verblödung, nein: Innovation in Berlin rauschen einem naturgemäß die krudesten Dinge durchs Hirnkastl. Bei Podiumsgesprächen lassen Sie Ihre Umwelt daran teilhaben und sagen dann solche Sachen: »Ich als deutscher Vater glaube, daß wir die Digitalisierung des Kindes hinkriegen.« Bei der Digitalisierung Ihrer deutschen Brut wünschen wir Ihnen viel Erfolg, wie auch immer Sie sie bewerkstelligen mögen. Techno-Faschisten wie Ihnen würde trotzdem gerne die Stecker ziehen: Titanic

 ARD- und NDR-Moderator Alexander Bommes!

Vom Tagesspiegel gefragt, was Sie von Millionengagen für prominente Ex-Sportler als Kommentatoren im Fernsehen halten und ob Sie selbst schon Millionär seien, sagten Sie: »Wer die Besten haben will, der muß auch etwas dafür bezahlen. Und wenn man die Besten hat, könnte man ja auch stolz darauf sein, wie wäre es damit?« Was ja bedeutet, daß Sie umsonst arbeiten und niemand stolz auf Sie ist!

So viel Ehrlichkeit hätte Ihnen nicht mal für Millionen zugetraut

Ihre Titanic

 Unser Zuhause, Linda-Luise Bickenbach und Bente Schipp,

ist der wichtigste Ort in unserem Leben. Deshalb stimmen wir dem Atlantik-Verlag zu, der in seiner Vorschau die Bewerbung Eures Buches »Sachen richtig machen« mit den richtig gemachten Worten »Unser Zuhause ist der wichtigste Ort in unserem Leben« einleitet. Man denke aber nicht, daß man an ebenjenem Ort sorglos vor sich hinleben und sich wie zu Hause fühlen kann! Vielmehr hat man Sorgen, denn »ständig tauchen neue Fragen auf«, z.B.: »Wie pflege ich meine Handtaschen und Designermöbel? Was ist ein gut sortierter Kleiderschrank?« und die allerwichtigste: »Welche Drinks sollte man unbedingt mixen können?«

Zu fragen, ob sich mit Eurem »lässigen Buch für ein lässigeres Leben« ein breites Publikum erreichen läßt, unterläßt: Titanic

 Und Du, Bäckerei Bosselmann,

forderst uns mittels Deiner Brötchentüten dazu auf, nicht etwa Deine Backwaren, sondern Deine Mitarbeiterinnen zu bewerten. So kann man auf den Tüten wahlweise ankreuzen:

☐ freundlich
☐ normal/nichts besonderes
☐ unfreundlich

Außerdem ist dort noch Platz für »Mein Lob / Meine Reklamation«.

Wirklich schauerlich, sich vorzustellen, wie Leute ihre Brötchentüten zücken, sie mit Kreuzchen und Denunziationen versehen und dann Deiner Marketingabteilung zuschicken, dabei gleich noch schamlos ihre Adreßdaten preisgeben (denn Du willst Dich ja für das kooperative Verhalten »bedanken können«) und denken, sie hätten nun alles richtig gemacht.

Weißt Du, wie wir das finden, Bäckerei Bosselmann? Such’s Dir aus:

☐ unappetitlich
☐ unfein
☐ zum Kotzen Titanic

 Amazon-Boss Jeff Bezos!

Amazon-Boss Jeff Bezos!

Unter der vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage doch seltsam euphorisch klingenden Überschrift »Auf unsere Zukunft« kündigte uns die Welt auf der Titelseite ein ausführliches Interview mit Ihnen an: »Amazon-Gründer Jeff Bezos ist beeindruckend optimistisch. Erfindungen und Innovationen sind seine Leidenschaft. Der Unternehmer hat trotz der schwierigen Zeiten enormes Vertrauen in die Zukunft.« Und weiter: »Die derzeitigen Probleme sind erheblich, sagt er, aber unsere Fähigkeiten sie zu lösen, sind noch viel größer.« Die Menschheit stehe am Anfang einer goldenen Epoche! Damit meinen Sie, Bezos, wohl vor allem die in der Summe gigantischen Fähigkeiten der für Sie rund um die Uhr schuftenden Billigarbeiter, dank deren unermüdlichem Einsatz Sie ja schon einmal die schwer verdiente goldene Nase in ebenjenes glorreiche Zeitalter hineinstecken konnten, gell? Darum vergeben wir drei goldene Sterne für Sie und Ihre Träume von neuen Absatzmärkten – im Weltraum. Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Walter Benjamin

suchte als Philosoph oft Halt bei Haschisch und Huren. Viel Handfestes kam nicht dabei heraus. Auch nicht bei seinen Beschreibungen von Paris, wo es Orte gebe, die aussähen, »als sei über das Photo einer« (abgebrochen). Über den Charme der Stadt dürfe man sagen, es liege »in dieser Atmosphäre eine weise abgewogene Mischung, daß einer« (abgebrochen). Den Charme von Benjamins Schreibweise hingegen kann jeder erfassen, der schon einmal unter Cannabis-Einfluß z.B. Schatten für »eine Brücke über den Lichtstrom der Straße« gehalten hat. Mir aber bleibt es überlassen, das Flanieren als Methode zum Entdecken des Unerwarteten

Ludger Fischer

 Zeichen und Wunder

Kürzlich stutzte ich, als ich auf meiner neuen PC-Tastatur direkt unter dem »F« noch ein kleines rundes Zeichen entdeckte. Ein Smiley? Oder ein zusätzliches @? Weder zusammen mit ALT, CTRL oder sonst einer Kombination ließ sich etwas auf den Bildschirm zaubern. Lange dauerte der klappernde Versuch jedoch nicht, dann wurde mir klar: Man sollte einfach während des Zähneputzens keine E-Mails checken.

Tobias Jelen

 Abgelehntes Stadtmotto

»Im Westen nichts: Neuss«

Torsten Gaitzsch

 Beim Beobachten der Jugend

Ich bin nicht überrascht, als ein junger Mann im Rewe eine Getränkedose aus der Palette nimmt und in zwei Zügen austrinkt. Schließlich sieht man ja immer öfter angebrochene Tafeln Schokolade, Kekspackungen oder Weinflaschen in Supermärkten. Gestaunt habe ich aber, als er dann ganz selbstverständlich die leere Dose in den Rücknahmeautomaten gesteckt und anschließend den erhaltenen Bon an der Kasse eingelöst hat.

Wolfgang Beck

 Erfassung

Jetzt mal bitte alle die Hände hoch, die nicht gerne an Umfragen teilnehmen.

Ernst Jordan