Newsticker

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Das Lyrik-Eckchen

Zugereister im Görlitzer Park, Berlin (2019)
von Simon Wagner

Ein Mann steht in der Parkanlage
umringt von Journalisten
und grämt sich ob der Drogenfrage.
Oh, wie wir ihn vermissten:
Fast einen Monat seit die letzten
News von Boris Palmer fetzten.

Ein Journalistenheer im Park,
das diesen Mann umzingelt.
Man hört schon fast den Klick-Ertrag,
der bald im Täschlein klingelt.
Für diesen Spaß sind sie gern early
und stehn schon vormittags im Görli.

Und da steht ER, nebst Einsatzwagen
und Dregger (CDU-Mann).
Und ach, wie teilt er dessen Klagen!
Und denkt sich: Hier musst du ran!
Denn heute, glückliches Berlin,
wird aufgeräumt, heut' hast du IHN!

Er kriegt – wie einst an PoCs
auf Rädern, an Studenten
er zu Genüge schon bewies –
noch jeden Delinquenten.
Er ist's, der Recht durchsetzen kann!
Am Neckar dealt kein Chaker-Clan!

Jedoch: Im Park ist weit und breit
kein "Ausländer" zu sichten...

Ähm...

Tja, seine große Fähigkeit
bringt Flüchtling gleich zum Flüchten!
Ob Koks-Baron, ob Drogen-Emir,
bei ihm denkt jeder sofort: Weh mir!

Dann gehn sie Heim, die Pressemassen,
und freun sich auf Debatten
und Boris Palmer geht gelassen
wen anderes beschatten
und ruft, so liebt's der Star-Ermittler,
zum Abschied nochmal laut: Sie wissen schon.

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Das Lyrik-Eckchen

Eulogie zu Ehren des Mars-Rovers "Opportunity" (2004 – 2019)
von Cornelius W. M. Oettle

Er starb für unsre Umweltsünden.
Planeten sollte er ergründen.
Nun hat er damit aufgehört.
Liegt leblos rum wie Helmut Kohl.

Er zeigte uns, was er gesehen:
Ja, Leben könnte dort entstehen!
Die Forscher waren schwer betört
und stießen an mit Alkohol.

Da dachte er: "Euch Menschenwesen
ist ein Planet zu klein gewesen!
Eh ihr auch noch den Mars zerstört,
zerstör‘ ich mich! Gehabt euch wohl."

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Das Lyrik-Eckchen

Der deutschen Handballnationalmannschaft (Herren)
von Moritz Hürtgen

Ihr Sport ist eine Form von Art,
um die sich Mythen ranken.
Sie tragen Bart
und werfen hart
(beim Passspiel manchmal durchaus zart)
aus ihren Monsterpranken.

Sie sind ganz anders eingestellt
als die, die Bälle treten.
Wenn einer fällt,
fällt er als Held
(weil ohnehin die Uhr anhält)
und wird nicht heul’n und beten.

Sie sind wie Götter im TV,
wenn sie alles riskieren:
die Flecken blau,
die Muskeln – wow!
(Sie lieben alle eine Frau.)
Schad’, dass sie stets verlieren.

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Das Lyrik-Eckchen

Der Meistgeklickte
von Moritz Hürtgen

Er weiß, dass links das Böse steckt
und rechts die Lust, das Leben:
"Doch ganz, ganz rechts sei wieder links!" –
Gott hat ihm recht gegeben

und schenkte ihm den Intellekt
plus einen Platz zum Schreiben.
Jetzt teilt der "Spiegel" seine Links,
denn so, wie’s ist, soll’s bleiben.

Bei ihm gibt’s jeden Mittag Sekt
mit Blick auf Top-Klick-Listen.
Man klickt ihn Mitte, rechts und links:
Jan F., den Hauptfaschisten Kolumnisten.

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Das Lyrik-Eckchen

Allmähliches Herausdeklinieren eines Standpunkts
von Frank Jakubzik

Der Facharzt geht mit seiner Frau
stets abends, 17 Uhr genau,
ein Stück spaziern. Der Facharzt.

Der Facharzt hat auch einen Sohn
und dieses Kind berechtigt schon
zu Hoffnungen. Den Facharzt.

Des Facharzts Blick ist kalt präzis
drum fühlt man sich meist ziemlich mies
im Wartesaal. Des Facharzts.

Dem Facharzt geb ich einen mit
mit starkem Bein und fiesem Tritt
in seinen Arsch. Dem Facharzt.

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Das Lyrik-Eckchen

Brut statt Wut?
von Moritz Hürtgen

Robert Habicht, grüner Star,
bist so hoch geflogen,
zwitscherst nicht im Januar:
südwärts fortgezogen ...

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Das Lyrik-Eckchen

Nur mal so
von Simon Wagner

Ich fahre Auto, esse Fleisch.
Ich mag Silvesterfeuerwerke.
Ich schimpfe auf Claus-Peter Reisch.
Kartoffel voller Meinungsstärke.

Ich liebe Frauen, Frauen jaaaaa
– in Schweden ist das jetzt verboten!
Dank Merkel, ach, versauen gar
schon Weiber mir die besten Zoten.

Ich gucke Fußball, schreie rum.
Ich fei're Weihnacht nur aus Trotz.
Und schwelg' ich im Delirium,
dann nur um Allah zu ver... *kotz*

Als DEUTSCHER bin ich so geschnitzt
und darauf kann ich mächtig STOLZ sein.
Und dass mir dies im Schädel sitzt
beweist ja schon: Er muss aus Holz sein.

Ich bin die Vielen dieses Landes,
die weißen manly men vom Biertisch.
Bin ich auch noch so hohen Standes,
ich bleibe immer unterirdisch.

Ich bin ein Mann und habe Rechte.
Die Feder spitz, die Zunge scharf
– so kämpf' ich mutig im Gefechte
für alles, was ich eh schon darf.

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Sie, Bundeskanzler Olaf Scholz,

wollten zum Tag der Arbeit Vorurteile über Arbeitsmoral und Arbeitsbedingungen in Deutschland entkräften. In einer Videobotschaft teilten Sie mit, es ärgere Sie, wenn manche abschätzig vom »Freizeitpark Deutschland« redeten.

Ist es aber nicht so, dass sich Teile der Arbeitgeberschaft tatsächlich in einem Phantasialand mit den Themenwelten »Lohngerechtigkeit«, »Aufstiegschancen« und »Selbstverwirklichung im Job« befinden und sich dort prächtig zu amüsieren scheinen?

Fragen aus der Geisterbahn Deutschland

Ihre Work-Life-Balancierer/innen von Titanic

 Eine Frage, »Redaktionsnetzwerk Deutschland« …

»Manche Abiturienten in Hessen machen womöglich absichtlich einige Rechtschreibfehler. Sie wollen beim Gendern ein Statement zu setzen« – und Du, RND? Wofür willst Du Dein Statement zu setzen?

Fragt absichtlich Titanic

 Aha, Altkanzler Schröder-Gerd!

Aha, Altkanzler Schröder-Gerd!

Im großen Bunte-Interview haben Sie das Geheimnis Ihrer Gesundheit preisgegeben: Gute Ernährung mit Obst, Nüssen und Hafermilch, Currywurst und Wein dagegen nur noch selten. Doch auch Ihre politische Einstellung scheint bei Ihrer Frische eine Rolle zu spielen. Die Vermutung der Bunten, dass Sie sich langweilen würden, wenn »Ruhe einkehren würde«, sei nicht ganz falsch: »Wahrscheinlich würde mir die Herausforderung fehlen, wenn sich keiner mehr an mir reibt.«

Also deshalb, Schröder, stehen Sie seit Jahrzehnten unverbrüchlich an Putins Seite – damit dessen Kritiker/innen Ihnen ordentlich Feuer unterm Hintern machen und Sie schön den Puls oben halten können!

Wird einiges klar: Titanic

 Vermeintlich smooth, Vichy,

bewirbst Du Deine Feuchtigkeitscreme mit dem Slogan »I got 100 problems, but dry skin ain’t one«. Dass Du »99 problems«, wie im Originalsong von Jay-Z, vermutlich nicht sagen durftest: geschenkt. Wir fragen uns allerdings: Wenn man inklusive trockener Haut 101 Probleme hat, sollte man dann wirklich an dieser Stelle ansetzen?

Grübelt spröde

Deine Titanic

 Verstörend, Tschetschenien!

Dein Kultusministerium hat Musik unter 80 und über 116 Beats pro Minute verboten. So soll Deine traditionelle Musikkultur bewahrt werden. Diese Maßnahme hätten wir gerade von Dir autoritär geführter und unter Putins Fuchtel stehender russischer Teilrepublik am allerwenigsten erwartet. Dass Du Deine Musiker/innen dazu zwingst, kompositorisch ihrem Kulturkreis treu zu bleiben, ist schließlich nichts anderes, als kulturelle Aneignung unter Strafe zu stellen. Da haben wir jahrelang dagegen andiskutiert und sie als rechtes Hirngespinst abgetan, um jetzt feststellen zu müssen: Es gibt sie doch, die Woke-Diktatur!

Senden hoffentlich weder zu schnelle noch zu langsame Grüße:

Deine politischen Beobachter/innen von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Energievampir

Wie groß doch der Unterschied zwischen dem Leben in der Stadt und dem auf dem Land ist, fiel mir wieder auf, als ich mit meiner Tante vom Hof telefonierte und wir uns über unsere Erschöpfung austauschten: Ich erklärte mir meine große Müdigkeit damit, dass ich den Tag zuvor in der Therapie eine neue Erkenntnis gewonnen hatte, gegen die ich mich aber noch sperre. Das verbrauche natürlich schon viel Energie, außerdem wolle sich mein Gehirn so wenig mit der neuen Erkenntnis beschäftigen, dass es lieber in die Schläfrigkeit flüchte. Sie wiederum begründete ihre Mattheit mit den Worten: »Ich glaube, mich hat was gebissen, das müde macht.«

Laura Brinkmann

 Für Ethnologen

Gibt's so was wie Brautstraußfangen auch bei Begräbnissen?

Wolfgang Beck

 Neuer Schüttelreim

Soeben in fünf Minuten erzwungener Wartezeit vor dem Limette-Minze-Mandarine-Aufguss die ausführliche Saunaordnung meines Stadtteilschwimmbades an der Wand studiert. In dem peniblen Regelwerk unter anderem erfahren, dass in den Räumlichkeiten neben Wäschewaschen und anzüglichen Bemerkungen auch Kratzen und »Schweißschaben« verboten sind, was immer das sein mag. Sofort Gedichtidee gehabt: »Wer denkt sich ein Wort aus wie Schweißschaben? / Das waren bestimmt diese« – na, ihr könnt es euch ja denken.

Mark-Stefan Tietze

 Gute Aussichten

Für mich ist es ganz wichtig, auch im Alter neugierig zu bleiben. Darum habe ich mir ein neues Kissen für mein Fensterbrett geleistet.

Uwe Becker

 Vorschlag

Beinpresse als anderer Ausdruck für Fußballzeitschriften.

Karl Franz

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
18.06.2024 Düsseldorf, Goethe-Museum Hans Traxler: »Traxler zeichnet Goethe«
21.06.2024 Husum, Speicher Max Goldt
23.06.2024 Kiel, Schauspielhaus Max Goldt
18.08.2024 Aschaffenburg, Kunsthalle Jesuitenkirche Greser & Lenz: »Homo sapiens raus!«