[13.10.2013]
Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Bischof out of Controlling

Die Frage, was es eigentlich den Spiegel angeht, in welcher Flugzeugklasse ein katholischer Bischof fliegt, ist eine gute, denn weder ist der Spiegel ein katholisches Amtsblatt, noch im Gegenteil eines, das gegen ultramontane Tendenzen zu Felde zöge. Dem Spiegel, kann man sagen, ist der Katholizismus scheißegal, und wenn er einen Bischof trotzdem fragt, wieviel Geld sein Flugzeugsitz gekostet hat, dann nicht aus moralischen Gründen, sondern den bewährten des Remmidemmi.

Es ist nichts weiter als die übliche Empörungsmechanik, die aus einem übergeschnappten „Protz-Bischof“ (Bild) ein nationales Skandalon macht und überdies der Aufklärung, in deren Namen das natürlich alles aufgedeckt wird, einen Bärendienst erweist: Denn ohne das Geschrei um Luxuslichthöfe und Designerbadewannen hätte ein katholischer Verlautbarer im Frühstücksfernsehen nicht die Möglichkeit gehabt, die Cattolica als „Kirche der Armut“ o.ä. vorzustellen und jedenfalls eine, deren Vermögen sich nicht etwa im dreistelligen Milliardenbereich bewegt. Zehn Millionen Euro hat das Gästehaus in bester Lage Roms gekostet, das das Münchner Erzbistum unter seinem Erzbischof Marx im Frühjahr 2012 erworben hat, und ein Sprecher versicherte laut Münchner tz, „daß wegen des Kaufs nirgendwo anders gespart werden müsse. Außerdem gehe es hier nicht um besonderen Luxus – kirchliche Häuser in Rom seien eher spartanisch eingerichtet. Doch um allen Spekulationen über die Finanzierung Einhalt zu gebieten, stellt er klar: ,Es wurden keine Kirchensteuer-Mittel verwendet. Der Kauf wurde aus dem Vermögen der Erzdiözese bestritten.‘ Angesichts der aktuellen Finanzlage sei es sicher kein Nachteil, in Immobilien zu investieren.“ Wenn man nämlich ein Vermögen hat, das nicht der Inflation zum Opfer fallen soll und aus dem sich mal eben zehn Millionen für ein Gästehaus bestreiten lassen. 

Dann ging Jesus in den Tempel, jagte alle Händler und Käufer hinaus, stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und rief: „Ihr wißt doch, was Gott in der Heiligen Schrift sagt: 'Mein Haus soll ein Ort des Gebets sein', ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!'“ Matthäus, ca. 80 u.Z.

Die Kirche, und daran wird auch der franziskanische Bettelmönch auf dem Papstthron nichts ändern, ist ein Weltanschauungskonzern, dessen mittlere und obere Führungsetage entsprechend lebt und repräsentiert, wie in der wunderbaren irisch-britischen Sitcom „Father Ted“ das karge Leben dreier Priester auf einer unwirtlichen irischen Felseninsel ganz selbstverständlich als Strafe gezeigt wird, die gegen die reguläre luxuriöse Behaglichkeit katholischer Führungskräfte ganz selbstverständlich absticht. Im Fall Tebartz-van Elst, sofern es überhaupt ein Fall ist, hat ein hoher Manager das Spesenkonto überzogen, und also beschwert sich der Kirchenredakteur der FAZ, gewissermaßen als Controller, über mangelnde Governance und schlechte bis fehlende Rechnungslegung. Was aber die katholische Kirche mit ihrem Geld macht, ist solange unerheblich, wie keiner die Anschlußfrage stellt, wo sie das ganze Geld eigentlich her hat; als wäre Geld ab einer gewissen Menge nicht naturnotwendig zusammengeraubt. Wer da mit Moral kommt, hat das nicht begriffen, und wer da in der Zeitung mit Moral kommt, will auch nicht, daß es begriffen wird.




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Das schreiben die anderen
  • 28.06.:

    In der Taz gibt Mark-Stefan Tietze Tips zum richtigen Sonnenbaden.

  • 27.06.:

    Martin Sonneborn im Interview zum EU-Referendum.

Titanic unterwegs
29.06.2016 Hamburg, Polittbüro
  Martin Sonneborn
30.06.2016 Hattingen, Stadtbibliothek
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03.07.2016 Hannover, Wilhelm-Busch-Museum
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03.07.2016 Aschaffenburg, Stadttheater
  Greser & Lenz und Hauck & Bauer

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Briefe an die Leser

 Sie, Larry Kasanoff,

haben sich unter anderem mit der Verfilmung des Videospiels »Mortal Kombat« einen Namen gemacht und sind damit zweifellos der richtige Produzent für die geplante Leinwandtrilogie »Tetris – the Movie«. Seit dieser Ankündigung bewegen uns allerdings einige Fragen, wie etwa: Warum keine Tetralogie? Werden das Quadrat und das L-förmige Teil jemals zueinanderfinden? Wird der Soundtrack mit fortschreitender Filmdauer immer schneller?

Völlig sicher ist sich allerdings, daß der Streifen ein echter Blockbuster wird: Titanic

 Übrigens, Markus Söder!

Nach Ihren Verkleidungen 2012ff. als – Wikipedia listet es akribisch auf – Punk, Drag Queen, Shrek, Mahatma Gandhi und Edmund Stoiber freut sich schon darauf, Sie fluterprobten bayerischen Heimatminister bei der nächsten Fastnacht als wahlweise Franziska van Almsick oder Clownfisch Nemo zu sehen: Titanic

 Himmel, Franz Josef Wagner!

Ja, man wird und wird nicht jünger, wähnt sich manchmal sogar schon nah und näher beim himmlischen Vater – und trotzdem muß ein alter Bild-Bock wie Sie sich so kurz vor dem gemeinsamen Treffen noch mit dem Allerhöchsten anlegen. Und etwa am 30. Mai angesichts quasibiblischer Regenfälle und Sintfluten die dürre Schmierenschreiberfaust drohend gen Himmel schütteln, daß der Morgenschnaps aus dem Glas spritzt, und fragen: »Was alles erlaubt Gott?«

Wir verraten’s Ihnen: alles. Gott erlaubt sogar solche Gestalten wie Sie.

Herzlichst Titanic

 Sicher, Heribert Prantl?

Sah der kürzlich verstorbene Rupert Neudeck, Mitgründer der Hilfsorganisation »Cap Anamur«, wirklich nur aus »wie eine Mischung aus Rübezahl, Marathonläufer, dem heiligen Christophorus und Gottvater«? Nicht auch noch ein bißchen wie Ayatollah Khomeini, Vader Abraham, Papa Schlumpf, der Alm-Öhi, eine Hälfte von ZZ Top und ein Hipster der mittleren 2010er Jahre?

Oder anders gefragt: Hat beim Verfassen Ihres Nachrufs in der SZ vielleicht ein C2H6O-basiertes Getränk eine Rolle gespielt, zu dem in Ihrer Branche durchaus häufiger gegriffen wird?

Für die Feststellung der absoluten Vergleichsuntüchtigkeit bei mehr als 0,0 Promille: Titanic

 Sie, Binali Yıldırım,

erklärten öffentlich, mit der Bundestagsresolution zum Genozid an den Armeniern habe Deutschland einen »historischen Fehler« begangen.

Tja, was sollen wir sagen? Irgendwann ist halt immer das erste Mal.

Mit besten Empfehlungen Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Gesundheit

Was man nicht im Kopf hat, muß man in den Beinen haben, heißt es. Bei der Thrombose meines Patenonkels hat sich das auf traurige Weise bewahrheitet.

Ernst Jordan

 Harmlosigkeitslippen, die

Dieses mimische Phänomen entsteht durch ein Einwölben und leichtes Aufeinanderpressen der Lippen. Menschen zeigen es in Situationen geringfügiger Peinlichkeit, etwa bei Unklarheit über die Reihenfolge in einer Warteschlange.

Robert von Cube

 Digitale Scham

Was ich mich auf Facebook nicht zu liken traue: meine eigenen Posts, meine eigenen Kommentare und dieses grandiose Läuseshampoo.

Ella Carina Werner

 Resümee

»Sie und ich hätten miteinander glücklich werden können, doch leider lernten wir uns kennen.«

Volker Schwarz

 Verkettung glücklicher Umstände

Die Katze hat letzte Nacht mit viel Radau eine prall gefüllte Blumenvase umgeworfen. Gleichzeitig ist aber auch die Rolle Küchenpapier vom Tisch gefallen und hat die Wasserlache, getreu ihrer Bestimmung, schweigend aufgesaugt.

Dorthe Landschulz