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»Ich bin bekannt für meinen Humor. Das kann nicht jeder Deutsche von sich behaupten. Ich habe gemerkt, dass diese Eigenschaft hier schon ein bisschen verlorengegangen ist.«

Boris Becker


Unkomische Irrfahrt

Christopher Nolans »Odyssee« ist ein viel zu langer und viel zu lauter Film, mit Matt Damon in der Hauptrolle, der als trübe Tasse seinen einzigen Gesichtsausdruck auch noch 172 Minuten hinter einem Vollbart verbergen muss. Zur Not könnte man das komisch finden, aber für den Humorkritiker gibt es tatsächlich nur einen erwähnenswerten Moment; nämlich den, als Circe Odysseus erklärt, warum sie ihre Schwester in einen Raben verwandelt hat: »So kommen wir besser miteinander aus.« Ob das 250 Millionen Dollar Produktionskosten rechtfertigt, wissen hoffentlich die Götter.


Komische Irrfahrt

Auf eine wunderbar wilde Irrfahrt schickt dagegen Sven Regener seine Helden im neuen Werk »Frankie und Freddie« (Galiani Berlin). Im Regener-Kosmos ist das Buch zeitlich kurz nach »Wiener Straße« und »Glitterschnitter« angesiedelt und beschreibt einen Tag im Leben der Brüder Frank und Manfred Lehmann. Es ist der 23. Dezember und Frank will seinen Bruder aus dem »Pillenprojekthotel« am Ku’damm abholen, wo Freddie sich als pharmazeutisches Versuchskaninchen verdingt. Aber dann springt der Kadett nicht an und es beginnt tatsächlich eine Odyssee durch das West-Berlin des Jahres 1980, die mehr mit James Joyce als mit Homer zu tun hat. Es ist eine oft sehr lustige und manchmal tragische Reise, an deren Ende Ithaka aus einer Aktentasche besteht. Sehr oft will man als Leser den Protagonisten zurufen: »Nein, tut das nicht!« Aber sie sind auf den Buchseiten gefangen und können den vielfältigen Prüfungen nicht entgehen, die der Autor für sie vorgesehen hat.

Wieder braucht Regener, der aus einem anscheinend niemals auserzählten Universum schöpft, nur wenige Sätze, um glaubwürdige Figuren zu erschaffen. Dazu muss er keine Äußerlichkeiten oder umständlichen Biografien bemühen, er lässt sein Personal einfach reden. Erwähnt seien hier nur der Taxifahrer Marco, der mit dem Künstler H. R. Ledigt eine bizarre, aber äußerst einträgliche Form des Malens nach Zahlen betreibt, und der selbsternannte Tankstellenmanager Olli.

Obwohl Regener seine Helden lächerliche Dinge tun lässt, gibt er sie dieser Lächerlichkeit niemals preis, sondern lässt sie würdevoll scheitern. Der Roman steht auf den Schultern früherer Romane (sofern Romane Schultern haben), setzt deren Lektüre aber nicht voraus. Wer also bedauernswerterweise noch nie einen Regener gelesen hat, kann problemlos mit »Frankie und Freddie«, das am 3. September erscheint, beginnen und sich den Rest dann Buch für Buch erarbeiten.


Wenig zu lachen

An der TV-Dokumentation mit dem zweideutigen Titel »Was haben wir gelacht« ist zunächst bemerkenswert, dass der 100 Minuten lange Film nicht auf einen ZDF-Ausstrahlungstermin gewartet hat, sondern im Kino gezeigt wurde, wo er zwei Juliwochen lang am Ende der Top Ten rangierte, mit immerhin gut 30000 Zuschauern…