»Ach Europa!« Hans Magnus Enzensberger Straßburg, Parlament Am Rednerpult steht die finnische Kommissarin Henna Virkkunen, »Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für Technische Souveränität, Sicherheit und Demokratie«. Sie hat es geschafft, in Finnland ohne Abitur Bildungsministerin zu werden und verheerende Reformen einzuführen. Ich mag sie nicht; sie liebt Ponys, also kann sie kein guter Mensch sein. Henna Virkkunen Die Mittfünfzigerin, die in der Schule früher wahrscheinlich immer nur als Letzte ins Völkerballteam gewählt wurde, erklärt uns, wie wichtig weitere Regulierungsgesetze fürs Internet seien. Nachdem 15 weitere Redner sich konsequent gegen Cybermobbing ausgesprochen haben – und damit für die Einführung aller möglichen Kontrollen –, ist es Zeit, auch mal für meine Interessen eine Lanze zu brechen. Für 1 Minute gibt Sitzungsleiter Victor Negrescu mir das Mikrophon unten am Rednerpult frei. → Sachdienlicher Hinweis aus dem Ausführlichen SitzungsberichtIch habe eigentlich gar nichts gegen Cybermobbing. Mein gesamtes Geschäftsmodell basiert darauf. Wenn es der Kommission wirklich um das Wohl von Kindern ginge, würde sie zuerst mal damit aufhören, das Geld der kommenden 37 Generationen für sinnlosen Scheißdreck auszugeben: etwa 2800 Milliarden für Militärquatsch und Frackinggas. Ich möchte in einem Europa leben, in dem man Kanzler Merz als »Fotzenfritz« bezeichnen kann, Frau Strack-Rheinmetall als »nicht ganz korrekt zurückverwandelten Werwolf«, in dem man einen Schwachkopf einen Schwachkopf (oder: »Habeck«) nennen darf und eine Außenministerin »dümmer als Ribbentrop«. Macron und Keir Starmer sollen ruhig damit leben müssen, dass man sie als die Pimmel bezeichnet, die sie sind. Politiker sind bestens gegen Beleidigungen geschützt – besser als die Atzen draußen an den Geräten –, nicht umsonst haben Baerbock, Habeck und die FDP-Trulla* zusammen über 5000 Anzeigen in das verstopfte Rechtssystem geballert. Höflicher Hinweis für die Übersetzer: »Fotzenfritz« ist bayerisch und bedeutet so viel wie …« (Der Präsident entzieht dem Redner das Wort.) »Ohrfeigengesicht«. Das ist das Wort, das mir der Sitzungsleiter entzieht. → Sachdienliche Hinweise aus dem NetzTarik Cyril Amar: Ich als Bayer bestätige das! Frédéric Schwilden: Parlament durchgespielt, wie man so sagt. Sebastian_K: Danke, dass Sie an uns einfache Atzen denken *Höflicher Hinweir: Ich habe Trulla gesagt, nicht »FDP-Schlampe«, wie einer frz. Übersetzung zu entnehmen war. Schade, wenn Negrescu mir nicht in letzter Sekunde das Mikrophon abgestellt hätte, müssten 23 Dolmetscher in ihren Kabinen sich nicht den Kopf zerbrechen, was eigentlich »Fotzenfritz« bedeutet. Die meisten retten sich mit dem Originalzitat und einer Erklärung dazu: »tête à claques«, »slap face«, »face that needs a slap«. Mir soll’s recht sein. Als ich in Richtung MEP-Bar abgehe, sagt Negrescu: »Kollege! Bitte respektieren Sie die Regeln dieses Hauses, wenn es um Anwesende oder nicht Anwesende geht. Das Thema wird mal wieder den Dienststellen vorgelegt!« Hoppla, Kollege, was heißt hier »wieder«? Ach ja, Manfred Weber (CSU) war einmal empört im Plenarsaal aufgesprungen und hatte so etwas angedroht, weil ich nach Helmut Kohls Tod diesen als »vom Netz genommen und witwensicher endgelagert« verabschiedet hatte. Dass ich in der gleichen Rede gefordert hatte, die EU dürfe jährlich nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen als das Mittelmeer, hatte ihn weniger irritiert. Aber beim Abschiedsbesuch von Kanzlerin Merkel in Straßburg hatte ich nach meiner Wortmeldung ein herzliches »Was für ein Arschloch!« aus den Reihen der CDU in meine Richtung gehört, ohne dass ich nach irgendwelchen Dienststellen gerufen hätte. In Berlin geht man bei so etwas zusammen raus auf die Straße … → Sachdienlicher Hinweis der Berliner ZeitungDie Rede war eine gezielte Provokation gege… Beitragsnavigation Gsellalileo