»Geplatzte Heldentaten sind der Inbegriff des Komischen.« Dorothy L. Sayers Belastete Blondinen Aus Gründen benötigte ich ein Wortspiel, das die Bereiche Nationalsozialismus und Digitalisierung verbände, und wandte mich in meiner Not an ChatGPT; erhielt jedoch eine Absage: »Der Nationalsozialismus ist eine extrem belastete und schockierende Ideologie, und Inhalte, die damit in irgendeiner Weise spielen oder humorvoll behandeln, sind unangemessen.« Über die schlimme Nazi-Ideologie kann KI also überhaupt nicht lachen, und weil mich der Hafer stach, probierte ich es heikel weiter; doch auch hier: »Danke fürs Nachfragen. Ich kann kein Wortspiel über Blondinen erstellen, da das Klischees oder stereotype Darstellungen verstärken kann. Wenn du magst, helfe ich dir gerne mit einem harmlosen Wortspiel aus den Bereichen Digital oder Technologie im Allgemeinen. Zum Beispiel: Warum war der Computer kalt? Weil er den Windows- Temperaturmodus hatte.« Ja. Bzw. mag das fürs Witzgewerbe bis auf weiteres eine gute Nachricht sein, dass Künstliche Intelligenz von Unangemessenem und Stereotypem so viel Abstand hält wie von Komik, wie es aussieht, generell. Das wird, nehme ich an, etwas heißen. Nicht alles Essig Man wird nicht behaupten, dass der Gurke in der deutschsprachigen Literatur, speziell der komisch oder satirisch ausgerichteten, bislang eine relevante Rolle zukommt. Spontan fällt mir Christine Nöstlingers renitentes, den Älteren unter uns vielleicht noch erinnerliches Jugendbuch »Wir pfeifen auf den Gurkenkönig« ein und natürlich Ernst Jandls hübsches Gedicht »rilke reimlos«: »rilke / sagte er // dann sagte er / gurke // leise dann / wolke«. Für diese Texte wie auch für den im Folgenden abzuhandelnden gilt, dass sie österreichischer Provenienz sind. Zufall? Thema für eine philologische Abhandlung? Die Gurke als Topos in der österreichischen Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts? Das vertagen wir mal. Vor zwei Jahren erheiterte die Autorin Johanna Sebauer mit ihrer Geschichte »Das Gurkerl« Publikum wie Jury beim Klagenfurter Bachmann-Wettstreit und heimste den 3sat-Preis und den Publikumspreis ein, worauf der Jury-Präsident feststellte: »Es ist ja nicht selbstverständlich, dass humorvolle Texte hier eine Chance haben.« Klar, denn was sollte komische Literatur bei einem Bewerb, der nach Ingeborg Bachmann benannt ist? Allerdings hatte Sebauers Gurkerl-Gschichterl nicht nur in Klagenfurt eine Chance, sondern auch in Köln bei ihrem Verlag DuMont, der es nun als gebundenes Buch herausgebracht hat, und das ist schon ein bisschen keck, weil man immerhin 20 Euro bezahlt für 57,5 Seiten in seniorenfreundlicher Großschrift. (Das scheint ein Trend zu sein: Wer Geld gespart hat, kann derzeit noch weitere 18 Euro ausgeben für Kollegin Sargnagels aktuelles Bändchen »Opernball«, 80 Seiten.) Inhalt der »zwar ga… Beitragsnavigation Schwarz und Rot gesellt sich gern Hinten kackt die Rente