Und Haustür zu: Auf die bevorstehenden Septemberwahlen blickt Stefan Gärtner Wie schlecht die Zeiten sind, erkennt man daran, wie dumm die Leute gemacht sind, und Verwandtschaft will auf Youtube eine Straßenumfrage gesehen haben, in der die Befragten nicht wussten, an welchem Fluss die Stadt Frankfurt am Main liegt; Befragte in Frankfurt, wohlgemerkt. Dass auch junge Akademiker eher nicht mehr wissen, dass die »Septemberwahlen« von 1930 nicht einfach Wahlen im September, sondern der Anfang vom Ende waren, mag nachsichtige Betrachtung dagegen für den Lauf der Zeit halten, der Auschwitz in dieselbe historische Ferne wie Bauernkrieg und Bartholomäusnacht rücken wird. Es ist deshalb vermutlich falsch gedacht, wenn man nicht begreift, wie eine gesichert völkische Partei, die unverhohlene Kontakte zur Neonaziszene unterhält, ein Ende des deutschen »Schuldkults« und »nationale Kunst« fordert und die türkische Familie von nebenan ins nächste Flugzeug setzen will, ein Menschenleben nach Treblinka wieder stärkste Kraft sein kann, bei der Septemberwahl in Sachsen-Anhalt sogar auf über 40 Prozent geschätzt wird und sich Hoffnungen auf die absolute Mehrheit der Mandate machen darf: Die einen wissen nicht, was sich in den tausend Jahren zugetragen hat, die anderen wollen es nicht mehr wissen, und ein weiterer findet das, was war, in der Sache ganz in Ordnung. Ein Drittel der Leute ist ohnehin stabil empfänglich für Autoritäres, und wenn das so ist, ist nur die Frage, wer diese Sehnsucht bedient: eine Partei, die zwar Leitkultur, Polizei und Abendland auf dem Zettel hat, sich aber doch dem Grundgesetz verpflichtet fühlt, oder eine, die es nicht tut. Jürgen Habermas, der Erfinder des »Verfassungspatriotismus«, ist ja nun tot, und da fügt es sich, dass jene Sorte Patrioten ante portas steht, der das mit der Verfassung nicht mehr so wichtig ist; einer Verfassung, die zwar eine bürgerliche genannt werden muss, aber doch darauf besteht, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Die Würde des Menschen, nicht des deutschen Menschen, und das haben wir jetzt davon, dass Fortschrittsdenken sich zuletzt auf die Bewahrung und Verteidigung von »Identität« verlegt hat, denn die ist das Letzte, was uns streitig gemacht werden darf, gerade dann, wenn sie gar nicht in Frage steht. Kollege Niggemeier hat es in der SZ übernommen, den Frankfurter Allgemeinen Kasper Jasper von Altenbockum für dessen Beschwerde zur Ordnung zu rufen, als »Normalo« – weiß, hetero, verheiratet, drei Kinder – komme er in der Politik nicht mehr vor, weil die sich, die AfD weiß es, nur mehr um Homos, Ausländer und alle kümmert, die uns auf der Tasc… Beitragsnavigation Umg’bildet Is’! Herein, Wenn’s Kein Heros ist!