Der neue Fraktionsvorsitzende der Union Thorsten Frei im Porträt Als Friedrich Merz seine große Personalrochade verkündete, gab es einen lachenden Gewinner: Thorsten Frei. Der Kanzleramtsminister war für den Posten des Fraktionsvorsitzenden vorgesehen. Angeblich auf eigenen Wunsch. Zu groß war sein Bedürfnis, täglich mehrere Interviews zu geben, jede Entwicklung mit einem Statement einzuordnen. Zu eng waren die Fesseln im Kanzleramt, nebenbei noch die Behörde organisieren zu müssen. In nur zwei Jahrzehnten hat Frei sich vom Bürgermeister zum wohl wichtigsten Gesicht der Union hochgearbeitet. Wir möchten mehr über den Funktionär hinter dem Menschen erfahren. Wie tickt die politische Universalfernbedienung in persona? Eine Begegnung in Thorsten Freis Geburtsort. Lustig funkelt der Rhein vor Bad Säckingen in der Augustsonne. Auf der steinernen Böschung dörren Eidechsen, das Thermometer züngelt schon am Vormittag gegen 35 °C. Hier, im Süden des Südschwarzwalds am südlichen Ende Süddeutschlands, kroch 1973 Frei aus dem Ei. Damals hieß der Ort noch Säckingen, das Bad kam erst später. »Bis heute bin ich ein richtiges Säckingen-Gesicht«, lacht Frei, dass sein Kinn nur so baumelt. Er ist gut aufgelegt. Die Verwerfungen seiner Partei, der Koalition, der Regierung oder auch der Weltenbrand können ihm, so scheint es, nichts anhaben. Und er sieht blendend aus, der »Thorschten«, wie er hier von älteren Lehrern genannt wird. Mit seinem schwarzen Anzug, dem schwarzen Parteibuch und den schwarzen Haaren könnte er zweifelsohne die zweite Hauptrolle in einem Mafiastreifen übernehmen. Aufgewachsen ist er in einfachen Verhältnissen. »Ich hatte es schon immer sehr leicht«, schmunzelt er. Sein Vater war Polizist, die Mutter Industriekauffrau. Zu Seriosität und Gesetzestreue gesellten sich im Hause Frei also auch die Risikofreude und Launenhaftigkeit des Vaters. »Er war unglaublich fleißig«, schwärmt sein Sohnemann noch heute. »Oft brachte er Arbeit mit nach Hause. Meistens Studenten, Asylbewerber oder andere Kommunisten. Wenn ich artig war, durfte ich bei der Befragung als Schlagstockführer meinen Beitrag zur Einhaltung der Gesetze leisten, am Geburtstag sogar mit dem Pfefferspray spielen.« Sein Vater ist Dreh- und Gängelpunkt in der Biographie des neuen Fraktionsvorsitzenden. Wenn er über ihn spricht, wirkt es manchmal, als hätte er sich nie vollständig aus dem Schatten seines alten Herrn gelöst. Gern erzählt Thorsten Frei, dass er als Kind nicht Ministrant werden wollte, weil ihm das zu sehr klang wie »Demonstrant« – also jemand, der von Polizisten verprügelt wird. »Außerdem wollte ich keine Kartoffeln essen, weil mich das an Pantoffeln erinnerte«, sinniert Frei. »Und in die Schule wollte ich nicht, weil ich da an Homosexuelle denken musste. Hach ja! Heute bin ich Gott sei Dank verheiratet und habe natürliche eigene Kinder von meiner echten eigenen Frau.« Der Weg führt uns am Fluss entlang, auf der anderen Rheinseite liegt die Schweiz. »Oder wie ich es nenne: das Matratzenlager der CDU«, zwinkert Frei und macht mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger diese international anerkannte Geldzählgeste. Europas längste gedeckte Holzbrücke führt über die Grenze auf die andere Rheinseite. »Als Kind bin ich hier stundenlang auf und ab gerannt«, erinnert er sich. »Habe für zwei Groschen Koffer aus dem CDU-Büro nach drüben in die Bank gebracht und die Groschen dort gleich an die CDU gespendet.« In der Partei schätzt man ihn für seine Loyalität. »Ich würde nie ein schlechtes Wort über ihn verlieren«, sagt beispielsweise Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. »Die habe ich für den Fall der Fälle in diesem Leitz-Ordner gesammelt. Wenn Thorsten mich angreift, liegen sie bereit. Ich denke nicht, dass es dazu kommen muss.« Andere Politiker der Partei bezeichnen Frei als nett und höflich, als ein… Beitragsnavigation Katz und Goldt: Ein etwas zweifelhafter Stilberater Fragen & Antworten zu den neuen Befugnissen der Geheimdienste