Dringend!

Wann führt Sanifair endlich eine Priority-Lane ein?

Dominik Mauer

Feilschen beim alternativmedizinischen Esoteriker

»Wie möchten Sie die energetische Behandlung zahlen? Bar auf die aufgelegte Hand oder mit Tarotkarte?« – »Geht auch per Vorkasse durch Rückführung in ein früheres Leben, in dem ich schon bezahlt habe?« – »Leider nein. Haben Sie vielleicht zufällig ein paar zahlungskräftige Heilsteine eingesteckt?« – »Heute nicht, aber ich könnte die Überweisung geistig durchführen über Telepathiebanking oder abbeten mit PrayPal.« Man einigte sich letztlich auf Ratenzahlungen in homöopathischen Dosen – ein Verfahren, das den Wert des Geldes sogar noch steigerte.

Jürgen Miedl

Zinsfuß eingeschlafen

Wahrscheinlich, weil ich im Fernsehen in letzter Zeit des Öfteren sehen konnte, wie Donald Trump Dekrete mit seiner überdimensionalen Unterschrift absegnet, träumte ich Folgendes: Bei einem Gespräch mit meiner Sachbearbeiterin der Stadtsparkasse Wuppertal, in dem es um eine Kontoverlängerung von anderthalb Metern ging – so ein Unsinn –, musste ich zusätzlich irgendwas an Eides statt versichern und eigenhändig unterschreiben. Für meine Unterschrift wurde, weil sie sehr groß ausfiel, eigens in einem Tapetenfachmarkt eine Rolle Raufaser gekauft, auf deren Rückseite ich meterlang meinen Friedrich Wilhelm setzen musste.

Uwe Becker

Bilden Sie mal …

… einige Sätze mit »Fastenmonat Ramadan« und »Zuckerfest«.
Wird feucht das Mehl, der Zucker fest,
folgt draus, dass sich nix backen lässt.
Nur’n halbes Ei und etwas Rama?
Dan lass ich’s bleiben, ist kein Drama.
So blieb der Ofen eben leer.
Das ist jetzt fast en Monat her.

Wieland Schwanebeck

Pawlow’scher Mann

Zu jeder Tageszeit lässt sich beobachten, wie Männer beim Warten auf Zug und U-Bahn an die Bahnsteigkante treten, um beherzt ins Gleisbett zu spucken. Mir drängen sich da mehrere Fragen auf: Sammelt sich stets übermäßig viel Speichel in den Mündern der Männer, und das Gleisbett dient als Möglichkeit der Erleichterung? Oder verhalten sich Ursache und Wirkung umgekehrt und die Anwesenheit des Gleisbetts regt den Speichelfluss erst an? Reicht womöglich schon ein indirekter Stimulus, der die Nähe zu einem Gleisbett andeutet, aus, um die männliche Speichelproduktion zu steigern, wie etwa ein U-Bahn-Symbol, Taubengurren oder der Geruch von Le-Crobag-Backwaren? Nur ein groß angelegtes Experiment mit Speichelauffangbehältnissen wird diese Fragen klären können.

Leo Riegel

Vergessene Sportart

Im Reiseführer wird beim Besuch der Stadt empfohlen, ein Jugendstil-Schwimmbad aufzusuchen. Ich verzichte darauf, weil ich leider nur Brust und Kraul beherrsche.

Theobald Fuchs

Wer hat, dem wird halt nicht gegeben

An meiner S-Bahn-Station hängt seit ein paar Wochen ein Plakat mit einer Frau darauf, das mit den Worten »Sie hat den Krebs besiegt – Spenden Sie jetzt« zum Spenden aufruft. Vielleicht verstehe ich die Botschaft nur nicht, aber ich spende ja lieber für Probleme, die noch nicht gelöst sind.

Karl Franz

Running Gag

Joggen auf dem Laufband ist auch nur Doomscrolling für die Füße.

Loreen Bauer

Businessplan

Ich lass mir einen Bart wachsen und Tattoos stechen, ich ziehe nach Hamburg und gründe dort eine Brauerei. Das Produkt ist ein herbes Pilsbier, das auf den Namen AUGENHÖHLE hört. Auf dem Etikett ist ein Totenkopf zu sehen, der stilistisch wie tätowiert anmutet. AUGENHÖHLE wird als ehrliches Bier vermarktet mit Spots, in denen ehrliche Typen, raue Männer und raue, aber nicht allzu raue Frauen in Punk- und Rockabilly-Outfits an der Theke einer Hamburger Kneipe miteinander schnacken und lachen und zum Schluss stets etwas sagen wie »Scheiß drauf, Digger!«, um dann mit AUGENHÖHLE anzustoßen. Und über E-Gitarren-Musik gibt der Sprecher mit verraucht-versoffener Stimme den kultigen Claim von AUGENHÖHLE zum Besten: »Gespräche auf AUGENHÖHLE«. Meine Brauerei AUGENHÖHLE steigt als Sponsor beim FC St. Pauli ein und engagiert sich gemeinsam mit Bela B. und der Facebook-Seite »Hooligans gegen Satzbau« gegen Rechts. Nach einem Jahr ist mit Astra die ärgste Konkurrenz vom Markt gespült, AUGENHÖHLE bringt mit »AUGENHÖHLE ausgehöhlt« das ultimative Alkoholfreie auf den Markt, ich verkaufe AUGENHÖHLE an die Heineken-Gruppe und verhelfe der FDP mit großzügigen Spenden zum Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag.

Moritz Hürtgen

Vater des Gedankens

Obwohl meine Freundin und ich schon seit Längerem darüber nachdenken, eine Familie zu gründen, ist unser Kinderwunsch bislang unerfüllt geblieben. Klar: Bei uns ist Sex seitdem reine Kopfsache.

Daniel Sibbe

Oettles Schachtagebuch (I)

18. Januar: Beim Online-Schach spiele ich gegen einen Russen, der klar am Gewinnen ist. (Die Nationalität des Gegners wird immer angezeigt.) Plötzlich schreibt er »1941–1945« in den Chat, die Jahreszahlen des Deutsch-Sowjetischen Krieges, er rechnet wohl mit der Kapitulation der Wehrmacht. Kurz darauf macht er allerdings einen kapitalen Fehler und verliert die Partie. Na toll, jetzt habe ich Hitler gerächt.

Cornelius Oettle

Diskurshoheitsgebiet

Wer in den derzeitigen Diskursen vernehmlich Akzente setzen möchte, sollte an allen möglichen und unmöglichen Orten über ein »Déjà-vu à la Crème fraîche« schreiben.

Mark-Stefan Tietze