Weltzentrismus

Einmal saß ich im Planetarium und ließ mir von einem Physiker die Zukunft des Universums erklären. Irgendwann sagte der Mann, die Erde würde in ein paar Milliarden Jahren von der Sonne verschlungen werden. Das sei dann das Ende. Ich wollte schon applaudieren, aber er sprach einfach weiter und führte aus, was danach passieren würde. Ab da hörte ich kaum noch zu. Irgendwie hatte ich das Gefühl, alles, was er jetzt noch sagte, würde mich weniger betreffen.

Paul Amsel

Rezept für eine Fußfraktur

Wenn ich mal wieder gefragt werde, wie um Himmels Willen ich mir beim entspannten Spazierengehen einen komplizierten Dreifach-Knöchelbruch mit Bänderriss einhandeln konnte, antworte ich in der Regel so: Zunächst einmal braucht es als Grundlage eine naiv-dämliche Einstellung zum Thema Glatteis. Hinzu kommen eine Prise Ignoranz gegenüber dem Wetterbericht und ein Paar abgewetzter Uralt-Sommersportschuhe ohne Profil. Wenn man jetzt noch auf sein Handy statt auf die bedrohlich vor sich hinglitzernde Straße sieht, um per Zufallsgenerator irgendein Lied aus seiner Sportfreunde-Stiller-Playlist abzuspielen, ist man unfalltechnisch schon richtig abgebogen. Ein Detail daran belastet mich übrigens besonders. »Applaus, Applaus« hätte es als Soundtrack nun wirklich nicht sein müssen.

Patric Hemgesberg

Wasserspülmusik

Ich halte nichts von WC-Duftsteinen, aber meine Freundin meint, dass sie in einem hygienischen Badezimmer unabdingbar seien. Jetzt haben wir so ein rosa Ding in einem Plastiktäschchen, das seitlich in der Schüssel hängt. Wenn man die Spülung betätigt, gerät das Konstrukt in Schwingung und klappert rhythmisch durchs ganze Haus. Klosteignetten, sozusagen.

Martin Quetsche

Kuchenpsychologie

Die Redewendung stammt zwar ursprünglich aus dem Englischen, aber dass man den Eierkuchen nicht gleichzeitig besitzen und essen kann, ist auch in Deutschland mittlerweile eine regelrechte Plinsenweisheit.

Mark-Stefan Tietze

Faul & Smart

Ich habe meinen Geldbaum seit mehr als zehn Jahren nicht abgestaubt. Deshalb – zumindest vermute ich, dass es daran liegt – hat er begonnen, Blätter zu verlieren. Ich sehe das als gute Entwicklung, denn jetzt muss ich die Blätter gar nicht mehr abstauben. Ich werde einfach warten, bis alle alten, verstaubten Blätter abgefallen und neue, frische nachgewachsen sind.

Karl Franz

Wake-up-Call

Tipp für alle Millennials, die morgens schlecht aus dem Bett kommen: Am Smartphone für den Wecker einfach euren Klingelton auswählen und als »Unbekannt« speichern. Wenn ihr früh um sechs in dem Glauben aufwacht, dass euch gerade jemand mit unterdrückter Nummer anruft, dann seid ihr definitiv wach.

Loreen Bauer

Mobbing anno 1983

»Verliebt, verlobt, verheiratet!« war zu meinen Grundschulzeiten eine ebenso beliebte wie harmlose Neckerei, wenn man wie ich, statt mit den Jungs aus der Klasse zu pölen, seine Pausen lieber in Begleitung eines Mädchens verbrachte. Fies wurde es erst, als mir drohte, die dritte Klasse zum zweiten Mal wiederholen zu müssen, und meinen Spielpartnerinnen daraufhin auf dem Schulhof zugerufen wurde: »Verliebt, verlobt, verheiratet, verwitwet!« – von den Lehrern.

Daniel Sibbe

Niedliche Diagnose

Beim Blick in den Spiegel entdeckte ich stark angeschwollene blaue Blutgefäße im Halsbereich, die mir große Sorgen machten. Zum Glück konnte mich der Arzt beruhigen: Ich brauchte nur eine Drainage für meine Schlymphe.

Andreas Blüthner

Zu Kohls Zeiten

Als ich mein Kreuz bei einer Landtags- oder Bundestagswahl im Internationalen Begegnungszentrum in Wuppertal-Unterbarmen gemacht hatte, stand ich noch für einen Moment draußen am Eingang und zündete mir eine Zigarette an. Ich wollte unbedingt hören, wie der Mann, der nach mir die Wahlkabine betrat, rief: »Der Kuli ist kaputt!« Das war er aber gar nicht, nur unvollständig, da ich die Mine aus Spaß entfernt hatte.

Uwe Becker

Happy End

In einem Personalausweis gibt es keine Nullen, wegen der Gefahr der Verwechslung mit dem O. Das zu wissen, ist wichtig, wenn man in der ARD-Mediathek Inhalte für über 16jährige Personen sehen möchte. Ich wollte mir also letztens eine Dokumentation über die Pornoindustrie reinziehen. Nachdem ich mehr als zehn Minuten lang vergeblich versucht hatte, mich mit meiner Personalausweisnummer anzumelden, entschied ich mich für eine Mediathek, in der mir pornografische Inhalte ganz ohne Altersverifizierung präsentiert werden. Einerseits fehlte die kritische Einordnung des Gezeigten, auf der anderen Seite war ich nach drei Minuten fertig und konnte mich zufrieden anderen Aufgaben widmen.

Jan Conrad

Berufliche Perspektiven

Immer wieder musste ich mir über einige meiner Nebenjobs die süffisante Bemerkung anhören: »Das könnte ein trainierter Affe genauso gut machen.« Was für ein Irrtum! Ein gut trainierter Affe ist eine Attraktion. Der würde solche Arbeiten verweigern, denn der hat ganz andere Karrieremöglichkeiten.

Jürgen Miedl

Ausgeträumt

Im Traum blätterte ich in einem Traumdeutungsbuch. Obwohl ich nicht an so was glaube, war ich neugierig und wollte nach dem Aufwachen wissen, was das bedeutet. Es stellte sich heraus: Wer im Traum etwas in einem Buch nachschlägt, ist alt.

David Sowka