Bevor die deutsche Nationalmannschaft ihr erstes WM-Spiel bestreitet, frage ich mich: Darf ich als Bankberater auch im Kundentermin eine Deutschlandflagge als Full-Face-Make-up tragen?

Vorweg: Natürlich dürfen auch Männer Make-up tragen. Das ist heutzutage ganz normal. Dann wird es aber schon heikler: Nichts spaltet die deutsche Gesellschaft so sehr wie ihre eigene Nationalflagge. Die einen finden sie so schön, dass sie sich eine Full-Face-Flagge sogar unabhängig von Sportveranstaltungen tätowieren lassen würden. Die anderen finden sie so hässlich, dass sie sie nicht einmal als cooles Backprint auf einem Oversize-Shirt tragen würden. Das liegt daran, dass Menschen unterschiedliche Geschmäcker haben.

Modische Themen haben schon immer hitzige Debatten ausgelöst. Der Unterschied: Niemand verbrennt auf Demonstrationen karierte Kurzarmhemden. Niemand wird für Socken in Sandalen angefeindet. Bei der Deutschlandflagge ist das anders. Normalerweise bin ich bei modischen Fragen sehr selbstbewusst. »Tragen Sie die High Heels beim Aqua-Fit!« und »Tragen Sie das Korsett in der Kirche!« sind typische Sätze von mir. Heute traue ich mich nicht, Ihnen zu sagen, wie Sie die Flagge in Ihrem Gesicht am besten stylen.

Heute müssen Sie selbst entscheiden, ob Sie die Deutschlandfarben im Outfit noch mal aufgreifen oder ob ein Bodypainting nicht sogar besser in den Dresscode Business Casual passt. Ja, das ist enttäuschend. Ja, Sie dürfen wütend sein. Ich bin es auch. Aber am Ende muss jeder und jede selbst schauen, wo er oder sie bleibt. Und ich bleibe wie gewohnt transparent: Ich möchte mir perspektivisch weder eine Modekolumne im Zeit-Magazin noch bei Welt TV verbauen. Auch wenn ich damit riskiere, dass das hier meine letzte Kolumne ist.


Sie haben selber eine Frage, auf der Sie sich eine bessere Antwort erhoffen, sind aber noch nicht dazu gekommen, an bessereantwort@titanic-magazin.de zu schreiben? Pech gehabt! Die 50. ist zugleich die letzte Ausgabe »Die bessere Antwort« von Viola Müter.