Nullsumme Wenn ich jedes Mal ein Bier kriegen würde, sobald ich merke, dass ich schon wieder ein Weggetränk zu wenig eingepackt habe, dann … na ja, hätte sich die Sache eigentlich erledigt. Alexander Grupe Für mich ein Malus Einfach nur Heuchelei ist es in meinen Augen, wenn Leute ohne Unterlass über die Boni schimpfen, die die Manager von Großkonzernen wie der Deutschen Bahn gierig einstreichen – aber dann am brandneuen Vorteilsprogramm von Rewe teilnehmen, um »wöchentlich neue Bonus-Aktionen«, »Extra Guthaben« mit »Bonus-Coupons« und sogar einen monatlichen »Bonus-Booster« zu genießen! Mark-Stefan Tietze Mister Universum Mit meiner Astro-App kann ich mit der Hand am Smartphone die exakte Position von Sternbildern, Planeten und kreuzenden Kometen bestimmen, mir dazu passende Animationen ansehen und die Bilder sogar noch mit spaciger Musik aufpeppen. Da die App auch prima in Innenräumen funktioniert, muss man zum Sternegucken noch nicht mal nach draußen. Das Beste: Mit fortschreitender Erfahrung entwickelt man irgendwann ein Gefühl dafür, wann sich Orion in der Küche befindet oder ob über dem Bücherregal gerade der Mars aufgeht, und kann das Handy komplett weglassen. Meiner Frau ist meine Begeisterung für die Astronomie leider nur schwer vermittelbar. Weil ich mich oft über Stunden langsam im Flur drehe und gebannt in Ecken starre, während ich leise Sphärenklänge von mir gebe, bin ich neuerdings sehr häufig beim Therapeuten. Ein Glück, dass ich die Zeit im Wartezimmer intensiv zur Himmelsbeobachtung nutzen kann! Patric Hemgesberg Trust Fund Ich lasse nun auch endlich mein Geld für mich arbeiten. Statt Plastikchip stecke ich jetzt bewusst immer einen Euro in den Einkaufswagen. Bisher macht er einen guten Job. Loreen Bauer Für Sie mitgehört Gespräch mehrerer Hobbyjäger:innen am Nachbartisch: »Gestern hab ich mal wieder ein Reh geschossen.« »Mein Mann hat neulich auch drei erlegt.« »Drei an einem Tag?!« »Ja, mit dem Auto.« Cornelius Oettle Zeugungszeuge Ich saß mit meinem Bruder in der Küche unseres Elternhauses und stimmte ihm gerade zu, dass es kaum etwas auf der Welt gebe, von dem wir weniger wünschten, es zu erfahren, als die jeweiligen Umstände unserer eigenen Zeugung. Da betrat meine Mutter, die so ziemlich das Gegenteil von feinfühlig ist, das Zimmer und schnappte den letzten Satz unserer Unterhaltung auf … Seitdem beschleicht mich jedes Mal, wenn ich auf Omas Perserteppich stehe, der erst seit kurzem den Fußboden meines Arbeitszimmers ziert, ein ganz eigentümliches Gefühl: Nie hätte ich geahnt, je im Leben ein zweites Mal meinen persönlichen Ursprüngen so nahe zu kommen. Theobald Fuchs Typisch Finanzmetropole Wenn man in Frankfurt mit den Öffis zum Hauptsitz der ING fahren will, wird einem in der Nahverkehrs-App automatisch die Ludwig-Erhard-Anlage empfohlen. Daniel Sibbe Auf die Schliche gekommen Ich weiß nicht, ob es wirklich stimmt, aber der Verkäufer im Kebab-Laden um die Ecke hat mir erklärt, dass der Grund, warum so viele Dönerstände auch Pizzen anbieten, darin liegt, dass neben Rom auch Konstantinopel die Hauptstadt des Römischen Reiches war. David Sowka Schabenfroh Neulich erschrak ich vor dem Anblick einer riesigen Küchenschabe, die quer über den Firmenwagen eines Schädlingsbekämpfungsunternehmens gedruckt war. Eine Firma, deren Dienstleistung darin besteht, Unschönes zu beseitigen, wirbt mit einer Abbildung des zu entfernenden Ärgernisses – werbestrategisch sehr clever! Andere Unternehmen sollten sich das zum Vorbild nehmen: Klempner könnten beispielsweise werben, indem sie Ablagerungen aus Haarbüscheln und Hygieneartikeln auf ihre Fahrzeuge drucken, oder Kanalreinigungsunternehmen ein gigantisches pfropfenartiges Gemisch aus Klärschlamm, Alligatoren und Horrorclowns. Leo Riegel Schwer zu besetzen Falls wer, warum auch immer, auf die Idee kommt, mein Leben zu verfilmen: Bitte beim Casting unbedingt darauf achten, dass der Hauptdarsteller auf Kommando 17 bis 24 Mal hintereinander niesen kann – so wie ich es morgens nach dem Zähneputzen häufig tue. Nicht dass ich mir groß was drauf einbilde. Vermutlich aber ist das nicht ganz leicht zu spielen. Steffen Brück Irgendwie süß In wenigen Wochen endet meine Weiterbildung zum Bäcker/Konditor mit dem Keksamen. Ich bin bestens vorbereitet und freue mich auf die Abschlussglasur. Andreas Maier Gedankenprovisionsfreiheit Als sich eine Hamburger Maklerin öffentlich über den Immobilienmarkt beklagte und Zukunftssorgen äußerte, denn wenn der Preis zu hoch sei, würde sich beim Verkauf meist gar nichts mehr tun, kam mir ein wirklich einmaliger Out-of-the-Box-Gedanke, den ich dieser Zunft gerne zur Verfügung stelle, ausnahmsweise provisionsfrei: einfach mit dem Preis runtergehen. Norbert Behr Aus einem Entschuldigungsbrief »… möchte ich hiermit mein tiefstes Bedauern darüber ausdrücken, dass ich in einem vielleicht unentschuldbaren Moment der Unachtsamkeit Ihrem Gatten versehentlich schrieb, dieser sei ›beileibe kein Kotverächter‹.« Elias Hauck Politik mit Hand für Fuß »Geh wählen – Wähl gehen!« ist wenig überraschend auch dieses Mal wieder der Wahlspruch der Fußgängerpartei zur Bundestagswahl. Karl Franz Beitragsnavigation Briefe an die Leser | Februar 2025 Februar 2025