Herzlichen Glückwunsch, lieber Fundus!

Die erste Handlung der neugegründeten TITANIC-Redaktion im Jahr 1979, noch vor dem Einrichten, Möbelaufbauen und Bieröffnen, bestand darin, einen Raum zu erkiesen, in dem in Zukunft alle für Fotoromane und Bilderstrecken benötigten Kleidungsstücke und Gegenstände aufbewahrt werden sollten. Dieser füllte sich dann zur großen Verwunderung der Mitarbeiter/innen im Handumdrehen mit geschmacklosen Kleidungsstücken, ausgeleierten Sexpuppen und Naziuniformen unbekannten Ursprungs.

So malt sich zumindest die aktuelle Redaktion heute, 45 Jahre später, Deine Entstehungsgeschichte aus, lieber Fundus! Denn Du bist fürs Büro unabdingbar und wirst von Heftkenner/innen als wichtigster und titanischster Raum der Bundesrepublik gehandelt.

Und das völlig zu Recht: In Dir hängt der edle, von Martina Werner aus der Modemetropole London importierte Leopardenfellmantel (unecht) direkt neben der Kiste mit der dubiosen Aufschrift inklusive seltsamer Anführungszeichensetzung »Brüste, Propellermütze, ›Muslim‹, Jude, Papst, Kippa«. Hier steht die Thermoskanne, aus der beim Öffnen ein Dildo hervorschießt, neben der Kleiderstange mit dem penibel gebügelten Messdienerkostüm.

Hier befindet sich das ekligste Make-up der Welt, das einmal an einem Akne- und Staublungenausbruch bei der gesamten Belegschaft schuld war, als es bei einem der vielen gescheiterten Aufräumversuche herunterfiel und in alle Atemwege und Poren gelangte. Hier steht der Kistenstapel, dessen unterster Karton mit »Frauke Petry« beschriftet ist, der darüber mit »Clown«, und den obersten ziert die Aufschrift »Pferd«. Und nur hier liegt die SS-Uniform herum, die schon im Stuttgarter Haus der Geschichte bewundert werden konnte.

Nicht nur stehst Du für die geniale Dialektik der (alten) TITANIC, Du fungierst auch als Seismograf des Zeitgeistes: Die immer größer werdende Verklemmtheit der Redaktion lässt sich daran ablesen, dass das in Versalien geschriebene »Sex« auf dem ehemaligen Sexkarton mittlerweile durchgestrichen ist. Stattdessen befinden sich in der Kiste laut Aufschrift »Wolle, Seile, Kordel, Nähzeug«. O tempora! Auch Deine Unordnung, in der sich selbst die erfahrensten Angestellten nicht zurechtfinden, lässt sich symbolisch verstehen, erinnert sie doch stark an die Gesprächsführung während einer durchschnittlichen Titelkonferenz.

Du hast schon viel mediale Aufmerksamkeit bekommen, Fundus: Du wurdest für die Vice abgelichtet und im Musikexpress abgebildet – im Grunde hast Du alles erreicht!

Nur eines fehlte Dir – bis jetzt: eine Laudatio von Deiner eigenen Redaktion. Deshalb nun endlich, geehrter Fundus: Alles Gute zum 45jährigen Bestehen! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Schmettert Dir ein kräftiges »Vivat, vivat!« entgegen:

Für immer Deine Titanic

Hello, »Zeit«!

»Wenn Berlin das New York Deutschlands ist, dann ist München das deutsche Los Angeles«, schreibst Du. Aber wenn München das deutsche Los Angeles ist, ist Hamburg dann auch das deutsche Miami? Und Wolfsburg das deutsche Detroit? Und die Zeit die deutsche New York Post? Und so ein Städtevergleich deutscher Unsinn?

Fragt aus dem deutschen Frankfort (Kentucky) Titanic

Bei Dir, »O₂ Surftown MUC«,

handelt es sich um eine künstliche stehende Welle im tiefsten Bayern. Und es ist natürlich nur recht und fair, dass Bayern als Bundesland mit Alpenzugang nun Strandsport anbieten kann, nachdem ja auch durch Skihallen in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen beide Meere mit Deutschlandzugang längst mit Bergsportnähe ausgestattet sind.

Wie viel Energie es kostet, das Wasser für die Wellen und den Schnee jeweils auf die richtige Temperatur und in die entsprechenden Formen zu bringen, ist dabei auch egal, denn letztlich ist die ganze Angelegenheit ja klimafreundlich as fuck: Braucht doch jetzt niemand mehr quer durch Deutschland zu reisen, um einem für die Umgebung untypischen Angeberhobby nachzugehen.

Zur Eindämmung weiterer Kurz- und Fernreisen sind daher sicherlich auch schon die nächsten Naturerlebniswelten in Planung! Wir denken da etwa an die »Saharaworld Schwarzwald«, das »Urwalderlebnis Wattenland«, »Wildwasserkajaktouren am Ku’damm«, »Hochseeangeln in der Sächsischen Schweiz« oder »Indoorparagliding im Zollverein Essen«.

Grüßt Dich hoffnungsvoll aus dem Korallenrifftauchparadies Frankfurt: Titanic

Und aber apropos, brigitte.de!

»Diese Angewohnheit schadet deinem Gehirn mehr, als du denkst« – eigentlich ist uns das als Vorlage zu billig. Aber schwer fällt uns der Verzicht schon!

Gewohnheitsmäßig nicht Deine Titanic

Mal wieder typisch, Bundespolizei!

Du testest gerade den Einsatz von Tasern, hast Dir in einem vertraulichen Bericht aber eingestehen müssen, dass diese ihre Mannstoppwirkung oder gleich das ganze Ziel gerne mal verfehlen. Ein Grund für das Versagen der Taser ist wohl: eine »offene Softshell-Jacke«. Und das ist ja mal wieder typisch! Wer muss sich um Polizeigewalt in Taserform also keine Sorgen machen? Gutsituierte Krautwurst-Teutonen in ihren ewigen Softshell-Jacken! Komm, Bundespolizei, Rassismus kannst Du doch auch weniger auffällig, weiß aus anders gekleideter Quelle

Deine Titanic

Na, lange nichts von Ihnen gehört, Seehofer, Sie alte Schabracke!

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung geben Sie Ihrer ehemaligen Chefin eine Mitschuld am Erfolg der AfD: »Ich finde, dass Angela Merkel sich keinen Zacken aus der Krone brechen würde, wenn sie mal erklärt: In der Migrationsfrage habe ich nicht jeden Tag richtig gelegen.« Nein, verkündeten Sie außerdem generös, Sie hätten »keine Triumphgefühle« ihr gegenüber, nur weil jetzt in der Flüchtlingspolitik »sehr viel von dem getan wird, was ich schon vor Jahren gefordert habe – und dafür von einigen sogar als Rechtsextremist beschimpft wurde«. Stattdessen spürten Sie nur »Genugtuung nach innen«. Natürlich: Stille, nach innen gerichtete Genugtuung posaunt man bekanntlich in die Süddeutsche … Aber wäre es nicht so oder so treffender gewesen, Sie hätten von einem »inneren Reichsparteitag« gesprochen?

Fragt Sie Ihre sprachpsychologische Praxis auf der Titanic

Unzufrieden, »Deutschlandfunk Kultur«,

sind einer Deiner Instagram-Kacheln zufolge knapp 20 Prozent der Jugendlichen. Vor allem Zukunftsängste machen ihnen zu schaffen. Als serviceorientierter Wohlfühlsender hast Du aber direkt eine praktische Lösung parat, wie den jungen Leuten geholfen werden könnte. Und zwar, indem man ihnen in der Schule sogenannte Selbstregulationskompetenzen beibringe. Gut geeignet seien demnach zum Beispiel Yoga und Atemübungen.

Die aufkommende Panik einfach wegmeditieren? Zugegeben: Bei der Hilflosigkeit, die beim Gedanken an Verarmung, Klimakatastrophe und Faschismus aufkommt, keine abwegige Idee. Trotzdem schiene uns »Selbstregulation« ein irgendwie spaßigeres Konzept zu sein, wenn Du, Deutschlandfunk, es den Jugendlichen anhand der Konten von Milliardär/innen oder anhand leerstehender Luxuslofts beibrächtest!

Deine Revoluzzerkids von Titanic

Halt, Stromanbieter Ostrom!

Du kannst uns noch so oft auf Insta mit den vielen »reasons to join ostrom« kommen, unsere Treue gehört dem einzig wahren Rom: Westrom!

In diesem Sinne vale und semper fi von Deiner Imperialtraditionalistin Titanic

Ja und nein, »Zoll Karriere«!

Recht hat Dein Werbeplakat in Zeiten geschlossener Grenzen sicherlich, wenn es eine junge Person abbildet und behauptet: »Wir sind die Generation Zoll«. Aber die Behauptung »Was uns ausmacht? Dass alle gleiche Chancen haben« wagen wir zu bezweifeln. Dass eben nicht alle bei der Grenzüberquerung gleich behandelt werden, ist ja im Grunde der Sinn der ganzen Kontrolliererei, oder nicht?

Stell Dir mal vor, die Generation Abfallentsorgung sagte: »Wir lassen den Müll, wo er ist«, die Generation E-Scooter definierte sich durch Zufußgehen oder die Generation »L’Amour toujours« fände nicht die Tiktok-Kanäle der Rechtsaußenparteien total brat!

Kontrolliert weiter alle Werbeplakate ganz genau:

Deine Generation Satire der Titanic

Rock on, Wolfgang Bosbach!

Im Interview mit der Bunten träumen Sie davon, einmal in Ihrem Leben ein Coldplay-Konzert zu besuchen. Ja, sind die Ticketpreise denn mittlerweile derart durch die Decke gegangen, dass das Ersparte eines Rechtsanwalts und langjährigen Bundestagsabgeordneten nicht mal mehr für eine einzige Konzertkarte reicht?

Fragt milde schockiert Titanic

Ganz schön krank, »Taz«,

war Deine Berichterstattung zum krankheitsbedingten Rückzug von Kevin Kühnert aus der Parteipolitik. Einen Artikel zu diesem Thema hattest Du zunächst mit »Kevin Kühnert schmeißt hin« betitelt. Nachdem auf Social Media und in Deiner Kommentarspalte Kritik aufgekommen war, dass jemand, der erkrankt ist, nicht einfach »hinschmeißt«, ändertest Du Deine Überschrift in das neutralere »Kevin Kühnert tritt zurück«.

So ganz überzeugt, dass der Ex-SPD-Generalsekretär wirklich dolle erkrankt ist, schienst Du aber trotzdem nicht zu sein. Und so verkündetest Du nur einen Tag später in einem neuen Artikel, aus Parteikreisen erfahren zu haben, dass Kühnert »nicht lebensbedrohlich erkrankt, sondern vor allem psychisch angeschlagen« sei. Jetzt warten wir nur noch auf Deine Berichterstattung darüber, wie viel Steuergeld es uns kostet, dass der faule Kühnert seine ausgedachten Gebrechen auf dem Sofa bei einem »Gilmore Girls«-Bingewatch auskuriert!

Hüstel: Titanic

Du hingegen, Bundesgerichtshof,

hast eine vorbestrafte Szene-Stinkmorchel, die in einem Schreiben ans Finanzamt ausgiebig den Holocaust geleugnet hatte, vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen. Schließlich stellt Dir zufolge ein solches Schreiben keine öffentliche Verbreitung dar, mochte die Staatsanwaltschaft auch noch so sehr darauf beharren, das mehr als 50 Seiten lange Fax berge durchaus die Gefahr der weiteren Streuung.

Wir schließen uns Deinem Urteil und Deiner Argumentation an, BGH: Denn der Gedanke, ein deutscher Finanzbeamter wäre in der Lage, ein Fax auf eigene Faust zu digitalisieren und anschließend im Netz zu verbreiten, scheint uns dann doch keine reale Entsprechung zu haben!

Solidarisch mit Digital Natives statt Analog-Nazis: Titanic

Ausweislich der Verpackung, Firma Aurora,

verfügt Deine Fahrradlampe über einen »An-Aus-Schalter«. Was kommt als Nächstes? Ein Buch zum Auf- und Zuschlagen? Ein Fahrstuhl, der hoch- und runterfährt?

Fragen Deine Dauerleuchten von der Titanic

Wir, Apple,

fragen Dich ganz ruhig und sachlich: War es wirklich nötig, dass Du Blake Edwards’ 1968er Komödienklassiker mit Peter Sellers als Hrundi V. Bakshi nun als »Der Partyshreck« anbietest? Verlagert Green- statt Brownfacing das Problem nicht bloß?

Rätselt Titanic

Bssss, Maria Furtwängler!

Sie sind Hobbygärtnerin und engagieren sich für den Erhalt der Artenvielfalt. »Beim Insektenschwund war ich an einem Punkt, wo ich kaum mehr in eine Wiese gucken und mich an dem freuen konnte, was ich sah«, erzählen Sie dem Spiegel. »Ich bin durch das Tal der Tränen gegangen, durch den Schmerz darüber, was wir verloren haben.«

Hierfür bieten Sie eine bemerkenswerte Lösung: »Wir müssen die Naturzerstörung in all ihren Kontexten darlegen. Wenn Hummeln, Fledermäuse oder Schwalben verschwinden, geht ein Stück Heimat verloren. Und die Klima- und Biodiversitätskrise wird zum Sicherheitsproblem, wenn Menschen aus dem globalen Süden flüchten, weil die Bestäuber fehlen, die Böden unfruchtbar sind oder es bei ihnen so trocken geworden ist, dass sie nichts mehr anbauen können.«

Moment, Furtwängler, wollen Sie etwa, nur um ein paar Krabbelviecher zu retten, dass Tausende Frontex-Mitarbeiter/innen ihre Arbeitsplätze verlieren? Reicht es Ihnen denn nicht, dass die Grenzschutzagentur pünktlich zu ihrem 20jährigen Bestehen massig Drohnen gekauft hat?

Umtanzen Sie fragend:

Ihre Hautflügler von der Titanic

Radiosender »Cosmo«!

Du hast, wie es sich für einen öffentlich-rechtlichen Sender gehört, mehr als ein Jahr nach dem Hype über den Trend des Manifestierens berichtet. Aufgemerkt haben wir, als wir hörten, wie Du das Thema eingeleitet hast: »Manifestation ist ein Riesenhype – aber auch ein großes Business, und das oft nicht seriös.« Es gibt also auch seriöses Manifestationsbusiness? Wenn wir das früher gewusst hätten! Schon längst hätten wir so allerhand herbeimanifestiert, zuallererst aber eine Radioredaktion, die auch mal über die Texte schaut, die sie so verzapft.

Deine Esoterikfreaks von Titanic

Kopf hoch, »B.Z.«!

»Gechter-Schock überschattet Hertha-Niederlage gegen Fortuna«, titeltest Du bedröppelt, nachdem sich Innenverteidiger Linus Gechter beim Heimspiel in Berlin mittelschwer verletzt hatte. Dabei, liebe B.Z., ist doch alles halb so wild. Wir sind uns sicher: Die nächste Hertha-Niederlage kommt bestimmt – und zwar ohne dass ein angeschlagener Spieler die gute Stimmung trübt!

Ist da ganz zuversichtlich: Titanic

Herzlichen Glückwunsch, K-Pop-Sänger Suga!

Überrascht waren wir, als wir lasen, dass Sie, Suga, Mitglied der extrem erfolgreichen Formation BTS, sich in Sachen Imagepflege und Profilschärfung an Brandenburgs CDU-Spitzenkandidaten für die letzte Landtagswahl, Jan Redmann (siehe TITANIC 9/24), orientieren.

Genau wie dieser ließen Sie sich nämlich öffentlichkeitswirksam beim betrunkenen E-Scooter-Fahren hopsnehmen. Auch Ihre direkte Reaktion auf die Festnahme haben Sie sich von Ikone Redmann abgeschaut und sofort die »responsibility« übernommen, und zwar in bester Politikermanier »with no excuses«. Folgerichtig gab es in Korea darauf ähnliche Reaktionen wie vormals in Brandenburg: K-Pop- wie SPD-Fans mahnten zum Rücktritt, weil sie die für das hohe Amt des MdL bzw. BTS nötige Integrität verspielt sahen. Aber so wie einst Redmann werden ganz sicher auch Sie weiter fest im Sattel kleben bleiben und Teenie-Herzen weltweit zum Jauchzen bringen. Ganz wie Ihr Vorbild es kurz nach seiner E-Sauftour bei der Landtagswahl vorgemacht hat!

In einigen Punkten überflügelten Sie Ihr Idol jedoch sogar: Immerhin 15 Millionen Won (ca. 10 200 Euro) Strafe mussten Sie nämlich zahlen, während Redmann lediglich 8000 Euro (ungefähr 11,8 Millionen Won) hinblättern musste. Außerdem wurden Sie, Suga, mit 2 Promille verknackt, während Redmann nur 1,3 Promille getankt hatte.

Ist stolz auf Sie:

Ihre Titanic

Beeindruckend, faz.net-Meinungsbrief!

Du hast ’ne Menge auf dem Zettel bzw. in der Betreffzeile: »Tiktok zähmen Russland unter Druck setzen Frankreichs Staatsverschuldung stoppen«, doch der Mensch wächst mit seinen Aufgaben, nicht wahr? Und weil Wachstum genau Dein Ding ist, kannst Du uns ja vielleicht ein bisschen unter die Arme greifen: Einkaufen Spülmaschine ausräumen Briefideen liefern – danke!

− Deine Titanic

Na ja, Thorsten Frei (CDU) …

Einer Zusammenarbeit Ihrer Partei mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht stehen Sie skeptisch gegenüber: »Gerade in der Außen- und Sicherheitspolitik wird deutlich, dass da Ozeane zwischen uns liegen.« Aber, Frei, konzentrieren Sie sich doch lieber auf die Gemeinsamkeiten. Auch wenn Sie in manchen Bereichen Ozeane trennen mögen, in der Migrationspolitik, bei der sowohl CDU als auch BSW eine knallharte Abschiebepraxis anstreben, trennt Sie nicht mal ein Mittelmeer!

Immer positiv denken, meint Titanic

»Tag«, Magazin der Krankenkasse Knappschaft-Bahn-See,

da hast Du es mit uns ja gut gemeint: »Mehr Balance für die Sinne« betitelst Du einen großen Artikel in einer Deiner Ausgaben und erklärst, wie man »in Zeiten der medialen Überflutung« wieder »Ruhe ins eigene System bringen kann«. Etwa, indem man wesentlich öfter offline bleibt. Warum das wichtig ist, erklärst Du auch noch. Schütte der Körper vermehrt Stresshormone wegen der ständigen Daddelei aus, könne das gesundheitliche Folgen haben: »Der Blutdruck steigt, was das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht.«

Das wollen wir natürlich nicht. Aber direkt im Anschluss die Beiträge »Kinder- und Jugendsprechstunde online«, »Alles regeln – online! Mit der App Meine Knappschaft« und »Gute Pflege: Die Knappschaft bietet drei neue kostenfreie Online-Kurse für Pflegende an« lesen zu müssen, hat uns wieder Puls gegeben. Und das musst doch wiederum Du am Ende bezahlen.

Gibt zu bedenken:

Deine Kassenpatientin Titanic

Familienministerin Lisa Paus (Die Grünen)!

Sie haben den 17. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung vorgestellt. Ergebnis: Kinder wünschen sich mehr Sicherheit und Orientierung. Außerdem bestehe die Gefahr, dass sie sich ausgeschlossen fühlten und deshalb Parteien vertrauten, die einfache Lösungen versprächen. Das sind doch gute Nachrichten für Sie, Paus! Da werden die Kinder Ihrer Partei ja bestimmt gerade die Bude einrennen.

Differenzierte Grüße von Titanic

Gott ist groß, liebe Evangelische Kirche Baden-Württemberg,

schließlich hast Du tatsächlich den Sprung in die Moderne geschafft! In einer immer individualistischeren Welt versuchst Du Dein verbliebenes Gefolge mit spontanen Drop-in-Taufen, Vespa-Segnungen und Kirchenraves zusammenzuhalten. Sogar die Ritualagentur »Segensservice« gibt es jetzt, die Hochzeiten im Neckarstadion ermöglicht. Endlich hast also auch Du verstanden, dass Du nur ein schnöder Dienstleister bist – aber was für ein Dienstleister!

Doch warum jetzt aufhören? Für den Coworking-Space-Vibe fehlen Dir noch mindestens eine Obstschale, Sitzsäcke und ein Zwölf-Apostel-Kicker. Auch die Gottesdienste kann man noch deutlich upjazzen. Den Abendmahlwein könnte man für die coolen Kids durch den Energydrink »Gottes Gönrgy« oder zumindest durch Wodka-O und Aperol Spritz ersetzen und danach mit den Oblaten ein bisschen LSD microdosen. Wer es trotz all dieser hippen Neuheiten nicht selbst in die Kirche schafft, könnte mit dem Lieferservice Uberprays einfach zu Hause besucht werden.

Und auch im Internet gibt es noch viel zu tun: Warum nicht ein Only-Fans-Account, auf dem Maria exklusive Einblicke in die Jungfrauenempfängnis gewährt? Für mehr Reichweite könnte außerdem ein Schneeballsystem eingeführt werden, bei dem Influencer die Kirche bewerben und für jedes neue Schäflein Prämien im Himmelreich erhalten.

Für all diese Vorschläge verlangen wir natürlich eine branchenübliche Prämie mit anschließender Gewinnbeteiligung.

Da nich’ für!

Deine Marketinggenies von Titanic

Guten Appo, Jasmin Wagner (f.k.a. »Blümchen«)!

An Bushaltestellen, auf den Werbedisplays unserer U-Bahn-Stationen und überall im Internet wirbst Du jetzt für die neue Eigenmarke von Edeka namens »Herzstücke«. Weil alles so schön zusammenpasst, hast Du Deinen ersten Eurodance-Hit »Herz an Herz« von 1995 mit modifiziertem Text noch mal für die Kampagne aufgenommen (»Herzstück, das schmeckt, dass man sich die Finger leckt«) – mnjam!

Ein bisschen enttäuscht sind wir lediglich über die Auswahl der Produkte, die sich das Plakat mit Dir teilen: Farfalle, Camembert, roter Multivitaminsaft? Hätte man da nicht, um die Sache rundzumachen, nebeneinander prächtig Lebkuchen-, Artischocken- und Rinderherzen anpreisen können? Verpasste Gelegenheit!

Steht schon kurz vorm Herzinfarkt: Titanic