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Ein Besuch der True-Crime-Ausstellung »Serien Killer« in Köln

von Sebastian Maschuw

»Ekelhaft«, »unmenschlich«, »gefühlskalt«, »skrupellos«: True-Crime-Fans müssen sich vieles anhören. Gut also, dass es in Köln endlich einen Ort gibt, an dem man keine Angst mehr vor Verurteilung und Hobbyshaming haben muss. Die Werbung zur Serienkiller-Ausstellung verheißt schon viel: »Mehrfachmörder sind seit jeher ein Thema, das ein breites Spektrum an Emotionen hervorruft – von Angst und Fassungslosigkeit bis hin zu Faszination und Interesse.« Na, dann braucht man sich für den Horrorspaß ja nicht mehr zu schämen, und Faszination und Interesse sind auch meine Lieblingsemotionen, da muss ich natürlich hin. Und wenn die Stadt Köln so eine Ausstellung bewirbt, dann wird das schon kulturell bereichernd und pietätvoll gestaltet sein. Und nicht einfach nur eine Aneinanderreihung von kunstblutbesudelten Räumen, gefüllt mit verstümmelten Schaufensterpuppen und KI-generierten Plakaten.

Vor der Lagerhalle, die in liebevollem Gedenken an die Opfer mit verstümmelten Schaufensterpuppen und KI-generierten Plakaten zu einer immersiven Geisterbahn umgebaut wurde, sitzen einige Besucherinnen, die ich umgehend auf ihre Experience anspreche. »Neugier und Interesse« habe sie dazu bewogen, den Opfern Respekt zu zollen. Sogar eine sich in Ausbildung befindende Kriminologin bekomme ich zu fassen. Schön, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann. Auch sie sei aus »Neugierde« hier, gibt aber immerhin zu, dass sie nach dem Besuch »ganz schön platt« sei. Ob sie sich denn für das True-Criming auch manchmal schämten, frage ich auf dem Parkplatz sämtliche Besucher. »Ja«, gestehen mir alle Verhörten. »Weil’s ja schon irgendwie voyeuristisch ist.« Was ihnen aber gefallen habe, sei, dass die Opfer immer im Vordergrund stünden und nicht die widerlichen Taten.

Erleichtert, dass ich die beworbenen »Serienkiller Live Sessions« im Nebengebäude verpasst habe, begebe ich mich in den Bauch der Bestie. Sogleich heißt mich ein Raum willkommen, der die Ermittlungen des FBI beleuchtet. Und zwar die der 1970er Jahre, als Serientäter noch in ehrlicher Polizeiarbeit mit nicht mehr als Grips und einer Portion Ellenbogenschmalz gejagt wurden. Ein paar Schreibtische, Schreibmaschinen und Telefone stehen als Anschauungsmaterial bereit. In Vitrinen ist Spürnasenwerkzeug wie ein Plastikbeutel mit einem Schuh, ein Blatt Papier oder ein Kugelschreiber anschaulich aufgebahrt. Sicherlich interessant für die Generation Smartphone.

Eine Mitarbeiterin, die offensichtlich von den hier ausgestellten Serienmördern gelernt hat und anonym bleiben will, ist so freundlich, mir ein paar Fragen zur Ausstellung zu beantworten. Sie selber sei auch privat von True Crime begeistert, sehr »interessiert und neugierig«. Besonders gefalle ihr, dass hie…