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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Im Kräutermantel

Es versteht sich, dass diese Kolumne nicht immer die Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagt; dass ihre bisweilen polemisierenden Sätze das Vorgefundene zurichten, ja „dramatisch zuspitzen“ (Süddeutsche Zeitung), und also der liberale Papa auf dem Spielplatz natürlich nicht gesagt hat, der Planet sei nicht zu retten, solange die Prolos immer bloß Schrottfleisch äßen, derselbe Papa, der jeden Meter mit dem Auto fährt. Er hat es freilich gedacht und bloß freundlicher, gleichwie besorgt formuliert.

Etwa so wie Jakob Strobel y Serra in seiner „Frankfurter Allgemeinen“, der die kurrente „Debatte“ (Frank Plasberg) um den Fleischverzehr für allenfalls zur Hälfte richtig hält, denn es kommt natürlich darauf an, welches Fleisch man isst: „Zu meinen kulinarischen Offenbarungen gehörte mein erstes Bresse-Huhn, das ich mir als armer Student in Bourg-en-Bresse vom Mund absparte, um dann mit einem so unfassbar intensiven, so überwältigend delikaten Geschmack belohnt zu werden, wie ich ihn zuvor noch nie bei einem Huhn schmecken durfte. Und bis heute ist für mich ein Leben als Feinschmecker ohne Fleisch undenkbar, weil mein Himmeltellerreich auf Erden ein kurz gebratener Rehrücken mit Morcheln ist oder ein pochiertes Kalbsfilet im Kräutermantel oder ein Kotelett vom Ibérico-Schwein, das sein ganzes Leben frei wie der Wind in den Eichenhainen Andalusiens verbracht hat.“

Kantinen also aufgepasst. „Genau aus diesem Grund habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich Fleisch esse: Ich kaufe niemals Billighack oder Tiefkühlbroiler beim Discounter, zu denen ich ohnehin aus Prinzip nicht gehe. Ich esse niemals den Plastik-Fast Food-Ramsch amerikanischer Imbissketten, verweigere mich allen Arten von Würsten aus Fleischabfällen, boykottiere die Massentierhaltung und finde die Industrialisierung der Viehzucht so verwerflich wie ihre Preise obszön. Ich bin kein Snob, sondern ein Gourmet. Deswegen esse ich Charolais-Rinder und Schwarzfederhühner, Lämmer von der Müritz und Schweine aus Jabugo, und ich gebe dafür mit Vergnügen viel Geld aus, für viele Menschen viel zuviel Geld.“ Er meint, dass viele Menschen das für viel zuviel Geld halten, nicht, dass viele Menschen das Geld schlicht nicht haben, wir sind schließlich bei der FAZ.

„Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Brecht, 1928

„Doch das ist der Preis, den ich dafür zahle, dass die Tiere ein gutes Leben hatten und es mir mit ihrem wunderbaren Geschmack danken. Der hohe Preis ist für mich auch kein Ablasshandel, mit dem ich mein schlechtes Gewissen, den Tod eines Lebewesens verursacht zu haben, beruhigen müsste. Denn ich handele mit meinem Fleischkonsum – anders, als es viele Moralisten der Fleischfeindlichkeit behaupten – nicht wider die menschliche Natur.“ „Viele“, das ist immer gut, „Moralisten“ ist heutzutage besonders gut, und überhaupt interessant, dass Moral so etwas Negatives geworden ist. Heikel allerdings, sich auf die menschliche „Natur“ oder überhaupt die Natur der Dinge zu berufen, denn in der Natur, wie ein berühmter Vegetarier mal geschrieben hat, geht Feldmaus zu Feldmaus und Fink zu Fink, was ja vielleicht doch kein Grund ist, keine Jüdin zu heiraten. 

„Ohne Fleisch wäre der Mensch gar kein Mensch. Die These ist in der Anthropologie längst fest verankert. Die enorme Energie von Fleisch und Knochenmark hat es den Menschenaffen überhaupt erst ermöglicht, ihr Gehirn so sehr zu vergrößern und weiterzuentwickeln, dass Menschen aus ihnen werden konnten.“ Und nun sitzt der Strobel y Serra mit seinem enorm vergrößerten Hirn in Frankfurt und träumt davon, dass alle Menschen nur mehr Bresse-Hühner und Ibérico-Schweine essen, auch wenn das die Huhn- und Schweinehalter vor Probleme stellen dürfte. Auch soll aus Prinzip niemand mehr zum Discounter gehen, sondern lieber viel zuviel Geld für Koteletts aus Jabugo ausgeben, einem Ort, von dem er noch nie gehört hat, weil es die Ordnung so vorsieht, dass die einen Bescheid wissen und die anderen nicht. Die, die nicht Bescheid wissen, kaufen also Billighack, damit es für Miete und Elektrospielzeug reicht, und die, die Bescheid wissen, machen es auch, weil sie ihr vergrößertes Hirn nicht strapazieren mögen und noch mehr Geld für Quatsch zur Verfügung haben wollen, und die, die Bescheid wissen und nachdenken, denken aber bloß bis zum eigenen Tellerrand.

Richtig ist ja immerhin soviel, dass sehr viel mehr Geld für kriminellen Blödsinn als für Fleisch von Tieren ausgegeben wird, die solange frei wie der Wind in Eichenhainen leben, bis sie wer einfängt. Dass das seinen Grund aber in genau jener börsennotierten Verbrauchs- und Hackordnung hat, für die z.B. die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ so bolzenschussgerade einsteht, dieselbe, deren Kundschaft bei Sankt Martin nur an die Gans denkt und ihre Kräutermäntel bloß pro domo halbiert, nachdem sie in den Kommentarspalten auf linksgrünversiffte Ökofaschisten eingeteufelt hat, soll man gerade mit einem Mund voll Schwarzfederhuhn nicht verschweigen.




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Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Kennen, Hagen Hultzsch (FDP Thüringen),

muss Sie natürlich niemand, dennoch hat es uns beeindruckt, dass Sie auf einem Wahlplakat, über das wir im Weimarer Straßendreck gestolpert sind, gewissermaßen prophetisch gefordert haben, den Menschen mehr zuzutrauen. Völlig daneben lagen Sie allerdings mit Ihrem Gruß »Hallo übermorgen«. Das hätte doch wohl treffender heißen müssen: »Hallo vorgestern«!

Kann sich das auch gut als künftigen Gruß an Ihre Partei vorstellen: Titanic

 Hallo, Allos-Brotaufstriche!

»Leckere Linsen mit ausgewählten Gewürzen und Gemüse machen den Allos-Linsenaufstrich so besonders lecker« – ist das nicht ein bisschen halbherzig? Macht neben den leckeren Linsen nicht auch das leckere Gemüse Deinen leckeren Linsenaufstrich so besonders lecker? Ja? Nein?

Schluck’s runter.

Darum bittet Titanic

 Scusi, Kellerei Settevetro (Italien)!

Scusi, Kellerei Settevetro (Italien)!

Wegen eines technischen Fehlers ist Dein Lambrusco in die Wasserleitungen des Örtchens Castelvetro di Modena gelangt und sodann hellrot und schäumend in einigen Häusern aus den Wasserhähnen geperlt. Der Unfall sei aber »nicht mit hygienischen oder gesundheitlichen Risiken verbunden« gewesen, teiltest Du mit.

So begrüßenswert natürlich im allgemeinen eine Alkoholversorgung aus dem Wasserhahn sein mag, müssen wir doch fragen: Hast Du noch alle Spaghetti im Topf, Kellerei Settevetro? Lambrusco zu verabreichen ist nach Recherchen in unserer famiglia sogar der Mafia zu eklig!

Es grüßt mit einem kühlen Konterbier: Titanic

 Huhu, »Süddeutsche«!

Unter der Überschrift »Lauter Millionäre« gabst Du Arbeitnehmern in Deutschland sieben Tipps, wie sie im Lauf ihres Berufslebens eher 2,8 Millionen als 900 000 Euro brutto verdienen könnten. Neben wertvollen Ratschlägen wie »Berufswahl stellt Weichen«, »Lücken im Lebenslauf kosten«, »Bildung zahlt sich aus«, »Gehalt wächst mit dem Alter« und »Auf die Region kommt es an« heißt es unter »Führungsposten lohnen sich«: »Reichwerden klappt am ehesten, wenn man einen Chefposten ergattert.«

Echt, SZ? Bisher waren wir immer davon ausgegangen, dass man reich wird, wenn man möglichst lange einen subalternen Posten innehat, an dem einem alle anderen sagen, was man zu tun hat: Titanic

 Platsch, Bestsellerautor Frank Schätzing!

Wie hörten wir Sie jüngst aus dem Radio rausraunen? »Wenn Sie sich einmal in die Politik reinbegeben, verlieren Sie Ihre Freiheit – auch die Freiheit, Dinge auszusprechen. Die Parteistrukturen, in denen Politiker sich von der Pike auf hocharbeiten, sind wie Flüsse, und Sie sind der Kiesel. Sie werden rund geschliffen, ob Sie das wollen oder nicht. Andernfalls kommen Sie ja gar nicht oben an!«

Au weia. Was also, Frank Schätzing, tun? Flusskiesel künftig ungeschliffen lassen, damit sie besser oben ankommen und auf der Wasseroberfläche schwimmen? Strukturen entwässern, damit sie aufhören, wie Flüsse zu sein? Die Pike aus dieser feuchten Metapher nehmen, bevor sie rostet? Ja? Und wenn Politiker dann endlich die Freiheit haben, »Dinge auszusprechen« – was schätzen Sie: Wird das dann so eloquent und bildstark klingen, als hätte es ein gelernter Schriftsteller formuliert?

Übt noch die flüssige Aussprache: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Frage nach dem Sinn des Lebens

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine Handvoll auserwählter Menschen gibt, denen eine höhere Macht den allgemeinen Sinn des Lebens bereits erläutert hat, aber leider sind das wahrscheinlich allesamt solche »Mich fragt ja niemand!«-Typen.

Cornelius W.M. Oettle

 Wesentlich werden

Neulich im Café bildete ich mir ein, am Nebentisch die Schriftstellerin Karen Duve zu sehen, um dann auf den zweiten Blick zu bemerken, dass es sich in Wahrheit um die Schauspielerin Catherine Deneuve handelte. Meine Hoffnung, es könne sich bei mir in Wahrheit um den Maler Jasper Johns handeln, erfüllte sich allerdings nicht.

Jasper Nicolaisen

 Offener Widerstand

Ohne mein Wissen ist aus der Telefonzelle im Dorf ein beschissener offener Bücherschrank geworden. Aus Trotz gehe ich dort jetzt immer telefonieren.

Ronnie Zumbühl

 Pragmatismus

Die Oma einer Freundin pflegte in der Nachkriegszeit, als es nichts zu essen gab, ihren hungrigen Kindern einen pfiffigen Ausweg aufzuzeigen, wie sich die Lust aufs Essen leicht vergessen lasse: »Jetz hauma uns halt as Maul am Tischeck an!« Und tatsächlich ist kaum etwas besser geeignet, den knurrenden Magen zu übertönen, als der Schmerzensschrei nach einer an der Tischkante blutig geschlagenen Lippe.

Tibor Rácskai

 Es gibt nur Innen

Großstädte haben keinen Stadtrand. Es kommt immer noch ein Imbiss, noch eine Baustelle, eine Industriehalle, ein Depot. Geografinnen, Immobilienmakler und Raumplaner starteten Expeditionen, um an den Rand einer Großstadt zu gelangen. Nie sind welche zurückgekommen.

Miriam Wurster

Vermischtes

Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURElias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 31.03.:

    Der "Spiegel" befragt TITANIC-Chefredakteur zu Corona als Gegenstand von Satire. 

     

  • 30.03.:

    "Der kleine Herr Tod" von Christian Y. Schmidt ist Buchtipp bei radioeins, die erste Lesung dazu gibt es hier. Auch MDR-ARTOUR stellt das Buch vor. Einen weiteren Livestream gibt es ab dem 1.4. jeden Mittwoch um 19 Uhr.