Entwarnung Immer wieder liest man, dass man die Innenseite von Joghurtdeckeln aufgrund der ungesunden Eigenschaften der Alufolie nicht ablecken solle. Die Information beruhigt mich jedes Mal, da von der Außenseite anscheinend keine Gefahr ausgeht und diese sowieso viel besser schmeckt. Martin Weidauer Ganz feine Tröpfchen Vor kurzem wurde ich im Rahmen eines Weinberg-Besuches dazu aufgerufen, Wein im Bottich vor den Augen aller Teilnehmer ganz klassisch mit den Füßen zu stampfen. Fröhlich stapfte ich minutenlang zusammen mit Rentnern und jungen Pärchen im Traubensaft, bis mir die Beine wehtaten. Ein unvergessliches Ereignis, und positiv ist auch festzuhalten, dass der nässende Hautpilz zwischen meinen Zehen fast gänzlich verschwunden ist. Sebastian Maschuw Auf dem Markt – Oh, Ihr Doldenblütler verkauft sich aber gut! – Ja, das ist unser Bestsellerie! Cornelius W.M. Oettle Motivation Superreiche wie Jeff Bezos und Elon Musk sind für mich in erster Linie Inspiration und erinnern mich daran, stets an meinem Traum festzuhalten: der Enteignung aller Superreichen. Fabian Lichter Schwimmbäder Eine chlorreiche Erfindung. Alice Brücher-Herpel Alte Sorgen neu aufgelegt Statt Angst davor zu haben, nach ihrem Tod von ihren Katzen angefressen zu werden, fürchten moderne Großstadtsingles nichts mehr als die Vorstellung, dass ihre Angehörigen sie Tage oder Wochen nach ihrem Ableben von den eigenen, dann schlecht gepflegten Zimmerpflanzen umrankt in der Wohnung finden. Laura Brinkmann Unterschätzt Mein Umfeld wünscht sich immer wieder, dass ich mich sportlich mehr betätige. Dabei muss ihm wohl entgangen sein, dass ich regelmäßig am Weltlauf teilnehme – und der war auch schon weniger anstrengend. Ronnie Zumbühl Sprichwörter im Zoonosen-Zeitalter Wer nichts wird, wird Fehlwirt. Julia Mateus Kopfpflanze Lieber ’ne Orchidee auf dem Schreibtisch als gar keinen Einfall. Patrick Fischer Das Laster der Lebenden Ich habe mich immer über den inneren Antrieb von Menschen gewundert, die aus purem Trotz Kette quarzend über den Friedhof schlendern und in diesem morbiden Zeitvertreib anscheinend Frieden und Erfüllung finden. Ist es die schlichte Ignoranz gegenüber einem risikobehafteten Lebenswandel, die Huldigung vorangegangener Raucherclubfreunde nach Art des Ehrensaluts oder eher eine besonders subtile Form der Todesverachtung? Genaueres erfuhr ich, als ich neulich einen breit lächelnden Mittfünfziger zwischen zwei Filterlosen und einem Hustenkrampf zu einer Urnengrabreihe reden hörte: »Ihr Loser da unten hättet jetzt wohl auch gern eine, stimmt’s?« Patric Hemgesberg Rückwärts nimmer Wenn man als Angstpatient auf dem Zahnarztstuhl die dritte Runde Spritzen überstanden hat (»Ach, das spüren Sie noch? Haha«), droht Langeweile. Zum Glück ist der Kopf dann frei für neue Sorgen! Damit der Stresslevel auf angenehm hohem Niveau bleibt, hilft diese Überlegung vielleicht: Was, wenn der Spuckesauger, der mir die ganze Zeit fleißig den Speichel aus dem Mund pumpt, einen Rückwärtsgang hat? Einmal falsch gezuckt, schon stößt der Absauge-Assistent mit dem Knie an den Knopf für die Schubumkehr, und schwups! sprüht mir die Absauganlage den Sabber und das Blut von hundert Vorgängerpatienten in den Rachen und die offenen Wurzelkanäle. Vor Schreck würde ich mich dabei garantiert noch verschlucken! Bonusgrübelei: Werden die Sabberstutzen eigentlich ausgetauscht zwischen den Behandlungen …? Viel Spaß bei der nächsten Sitzung! Alexander Grupe Gespür für Interpunktion Wie mir eine Sprachwissenschaftlerin verriet, steht in dem Satz »Selbst wer in der Duden-Redaktion arbeitet, macht gelegentlich Kommafehler« deshalb kein Komma zwischen »Selbst« und »wer«, weil »Selbst« in diesem Zusammenhang als Modalpartikel fungiert. Ich empfand das nicht nur als sehr gute Erklärung, sondern auch als Bestätigung meines Selbst-wer-Gefühls. Andreas Maier Mittelalterliche Wettkampfweisheit Ist beim Turnier des Ritters Lanze zu kurz, dann hat er keine Chance. Jürgen Miedl Kindliche Neugierde Ob der Kinderladen Arche Noah, bei dem ich ein Geschenk für meine Cousine kaufen wollte, nur zufällig oder mit voller Absicht »Nimm 2« am Ausgang verschenkt, muss ich beim nächsten Besuch mal erfragen. Karl Franz Vom Kunstfreund Erst neulich war es, als ich, anlässlich des Besuchs einer Vernissage zeitgenössischer Kunst, während der Eröffnungsrede den Sinn des alten Sprichworts erfasste: Ein paar tausend Worte sagen eben doch mehr als nur ein Bild. Theobald Fuchs Heimatgrüße Neulich hatte ich einen Flyer im Briefkasten: »Neu: Dezember Special! Alle Champions-League-Spiele auf 15 Flatscreens!!!« Traurig, zu welchen Methoden Mutter greift, damit ich öfter zu Besuch komme. Leo Riegel Synonym Kann es sein, dass »Nussiges Aroma« in der Sprache der Lebensmittelhersteller »strenger Beigeschmack« heißt? Miriam Wurster Love-Scamming mal anders Auch ich wurde Opfer der Europol-Masche. Nach mehreren Fake-Anrufen von angeblichen Polizisten entschied ich mich, die vermeintlich echte Nummer zurückzurufen. Es meldete sich ein 68jähriger Herbert aus Hamburg. Was soll ich sagen? Seitdem ist Phone-Spoofing für mich nicht mehr nur eine Betrugsmasche, sondern vor allem modernes Blind Dating. Viola Müter Beitragsnavigation Briefe an die Leser | Dezember 2022 Dezember 2022