Durch die Schokolinse betrachtet

Wenn kein anderer Laden in Sicht ist und der kleine Hunger naht, muss ich wohl oder übel den benötigten Schokoriegel an einer Tankstelle kaufen. Dann stehe ich in der Schlange und ärgere mich über die Auto-Idioten vor mir, die den Treibstoff für ihre Dreckschleudern bezahlen wollen, mir damit die Zeit und der Umwelt die Zukunft stehlen. Andererseits: Ohne solche Idioten gäbe es diese Tankstelle nicht, an der ich mitten in der Pampa Schokolade kaufen kann. Die Welt ist mir schon oft viel zu kompliziert.

Katharina Greve

Premiere

Letzten Monat habe ich mir zum ersten Mal in meinem Leben eine indische Oper angesehen. Es war ein großartiges Singhspiel.

Andreas Maier

Neues vom Tiersport

Bayerischer Meister im Feuerleitersitzen wurde eine Gruppe Tauben aus München. Die Jury überzeugte besonders Synchronizität und Symmetrie der Darbietung. Eine Mannschaft unterfränkischer Milben erreichte nur den zweiten Platz, Dritte wurden drei Dackel aus Dingolfing. Überschattet wurde das Turnier durch die Disqualifizierung einiger Goldfische aus Augsburg, die sich durch Vertrocknen einen Vorteil verschafft hatten.

Tibor Rácskai

Schon gewusst?

Abgeschnittene Fingernägel landen immer und ausnahmslos in der Tastatur, und zwar unabhängig davon, an welchem Ort der Welt man sie schneidet.

Eggs Gildo

Einmal die blaue Pille, bitte!

Dass Erkenntnis nicht notwendigerweise Positives nach sich zieht, lehrten mich die Schlümpfe. Genauer gesagt ihre Weingummi-Reinkarnation vom Kiosk gegenüber. Ich hätte gern darauf verzichtet zu erfahren, dass meine einstige Lieblingssüßigkeit nur durch jahrelange Lagerung im Kettenraucher-Humidor den lutschfreundlichen Härtegrad und ihre leicht würzige Nikotinpatina erhalten.

Jonas Wienke

Am Obststand

auf dem Lübecker Wochenmarkt fiel mir heute ein, wie ich eine Männerstripgruppe, die ich aus gut gebauten Obstbauernsöhnen der Region rekrutieren würde, nennen würde: Holsteiner Cox.

Johannes Rieken

Gute Frage

Wenn man mit einem Seelenverwandten etwas anfängt, begeht man dann eigentlich Seeleninzest?

Ingo Krämer

Großzügigkeit

Im Seminar zur positiven Psychologie ging es darum, wie man die bereits vorhandenen eigenen Stärken noch fördert und nutzt. Bei der Frage, wie ich großzügig mit meinem Humor umgehen kann, habe ich beschlossen, auch mal über die Witze anderer zu lachen.

Udo Pracht

Im Behandlungszimmer

Sitze vor dem leeren Schreibtisch und warte auf den Auftritt der Hausärztin. Die Sprechstundenhilfe mit starkem osteuropäischen Akzent kommt herein, greift sich eine sehr dicke Patientenakte und setzt sich mir gegenüber. Sie blättert etwas, setzt zum Schreiben an, setzt wieder ab, grübelt und murmelt etwas über die Kompliziertheit der deutschen Sprache. Dann schaut sie auf und fragt: »Der Patient IST gestorben. Stimmt das so?« – »Ja, ganz genau richtig.« – »Danke.« Schreibt’s sorgfältig hinter das aktuelle Datum, schlägt die Akte zu und malt mit vielen, sich tief in die Pappe eingrabenden Kugelschreiberstrichen ein dickes blaues Kreuz aufs Deckblatt.

Rafael Jové

Mythmist

Mir ist noch nie einer begegnet und ich bin meines Wissens noch nie einem aufgesessen, obwohl ich seit meiner Geburt in Großstädten lebe: Ich glaube, es gibt einfach keine urban myths. Oder ist genau das ein urban myth?

Adrian Schulz

Seriosität im Netz

Heute lernt man potentielle Partner online kennen, und darin sehe ich auch überhaupt kein Problem. Sich gerade auf Tinder kennenzulernen ist trotzdem noch peinlich, schließlich will man den Eltern, oder im besten Fall den eigenen Kindern, nicht erzählen müssen, dass man wegen Mamis tiefem Ausschnitt rechts geswiped hat. Meine neue Freundin und ich haben aus diesem Grund eine Abmachung getroffen: Wir geben zu, dass wir uns online kennengelernt haben. Falls aber jemand fragt, wo denn genau, sagen wir, in der Kommentarspalte der FAZ.

Karl Franz

Gruppendynamik

Hinter der Heckscheibe von Pkw befestigte Fußballschals oder Wimpel mit der Aufschrift »Wir folgen Dir, egal, wohin es geht« lösen bei mir höchstens angewidertes Wegdrehen aus. Neulich musste ich beim Anblick so eines Utensils allerdings lachen, weil dessen Besitzer mit seinem Wagen ohne Wendemöglichkeit in einer Sackgasse im Stau hinter dem Müllauto stand.

Gregor Mothes

Follow your Leaders

Hinter der Heckscheibe von Pkw befestigte Fußballschals oder Wimpel mit der Aufschrift »Wir folgen Dir, egal, wohin es geht« lösen bei mir höchstens angewidertes Wegdrehen aus. Neulich musste ich beim Anblick so eines Utensils allerdings lachen, weil dessen Besitzer mit seinem Wagen ohne Wendemöglichkeit in einer Sackgasse im Stau hinter dem Müllauto stand.

Gregor Mothes

Gedankenfürze aus der Zukunft

Oft denke ich, vor zwanzig Jahren habe ich so eine unfassbare Scheiße gelabert, woraufhin sich sofort die Ahnung einstellt, dass es heute wohl nicht anders sei, was ich aber erst in meinen Sechzigern zu formulieren wissen werde, während die unfassbare Scheiße, die ich mit achtzig labern werde, mir verwirrenderweise schon heute dämmert und die hundertjährige Scheiße mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht mehr rauskommt, was mir schon heute depressive Verstopfungen beschert, die vielleicht der Grund sind, warum ich oft so einen verdrucksten Furzkram von mir gebe.

Jasper Nicolaisen

Gourmet Crime

Jährlich wird zu Thanksgiving in den USA ein Truthahn, der zur Schlachtung und Zubereitung verurteilt ist, vom Präsidenten höchstpersönlich begnadigt. Das Tier kommt dann zurück auf seine Farm und wird dort umgehend geschlachtet. Präsidentiell begnadigte Truthahnbrust gilt als Renner auf dem Feinschmecker-Schwarzmarkt.

Jürgen Miedl

Ober, zahlen!

Zwar ist mir nicht bekannt, wo diese Währung angenommen wird, und noch viel rätselhafter scheint, wie man auf zu hohe Beträge herausgibt, doch behaupten in den Medien reüssierende Menschen immer wieder, sie hätten ihren Lebensunterhalt früher mit Kellnern bestritten.

Frank Jakubzik

Althergebrachte Weisheit

in guten Familien: Wie der Vater, so der Lohn.

Fabio Kühnemuth

Gedenken

Ich erinnere mich gut daran, dass meine Mutter Micky Maus, Fix und Foxi, Asterix, Tim und Struppi, Superman, Prinz Eisenherz und so weiter, kurz: Comics aller Sparten und Genres als »dumm« bezeichnete, als »obszön«, »primitiv« und »verblödet«. Für was sie meine Mutter allerdings nicht hielt, war »pervers«, »geisteskrank«, »widerlich«, »ätzend« oder »barbarisch«. Das rechne ich ihr bis heute hoch an!

Theobald Fuchs

Phonographisches Gedächtnis

Ich weiß noch genau, wo ich war, als der Anruf kam: am Telefon.

Tim Wolff