Wir, liebe »Süddeutsche Zeitung«,

haben als handfeste Bildungselite natürlich unsere Logikscheine im philosophischen Grundstudium gemacht und beherrschen deshalb die Technik der Induktion aus dem Effeff.

Es reicht uns also beispielsweise, diese Aussage von Dir über Jay-Z zu lesen: »Er gilt, im Verbund mit Combs und Dr. Dre, als Türsteher-Triumvirat der Rap-Branche.« Daraus können wir dann ableiten, dass Du im Verlauf der Ausgabe unter anderem schreiben wirst, dass d’Artagnan im Verband mit Athos, Porthos und Aramis als die drei Musketiere, Ringo Starr im Verband mit John Lennon, Paul McCartney und George Harrison als die Fab Four und Jule Brand im Verband mit Merle Frohms, Ann-Katrin Berger, Sara Doorsoun, Giulia Gwinn, Kathrin Hendrich, Sarai Linder, Bibiane Schulze Solano, Klara Bühl, Vivien Endemann, Laura Freigang, Sydney Lohmann, Janina Minge, Sjoeke Nüsken, Alexandra Popp, Lea Schüller, Elisa Senß, Stina Johannes, Felicitas Rauch, Pia-Sophie Wolter, Nicole Anyomi und anderen als die Deutsche Fußballnationalmannschaft gilt.

Als endgültiges Satiremagazin gelten natürlich weiterhin:

Deine Redakteur/innen von Titanic

Bei Deiner aktuellen Werbekampagne, liebes Vöslauer-PR-Team,

sprudeln die Erinnerungen nur so aus uns hervor! »Hast du schon mal grünes Wasser getrunken?« – ein Plakat am Hauptbahnhof, und schon sind wir wieder im goldenen Herbstwald des Kaukasus, weit entfernt von jeglicher Zivilisation, wo uns der Genuss des angepriesenen grünen Wassers am ersten Abend unserer viertägigen Wanderung einen hartnäckigen Brechdurchfall bescherte. In diesem Sinne Deine Antwort: Hoffentlich nicht, bitte nie, spuck das wieder aus! Freundliche Servicegrüße schickt

Deine Survival-Expertin Titanic

Na ja, Fiona Jasmut …

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung brachte jüngst ein Interview mit Ihnen, in dem Sie, 26, als vorbildliche Gründerin zweier Unternehmen über die Bequemlichkeit Ihrer Generation und eine »80-Stunden-Woche« sprechen durften, z. B. so: »Ich gehe morgens früh ins Fitnessstudio und danach gegen neun ins Büro. Die Tür mache ich abends um 22 Uhr zu, und das an sechs Tagen. Ich arbeite also 80 Stunden.«

Wir hingegen, Frau Jasmut, kommen bei der Berechnung Ihrer Wochenarbeitszeit nur auf 78 Stunden, Sie Low-Performer! Und das ist ja doch wieder typisch für Ihre Generation: erstens nicht Kopfrechnen können, weil man ja immer alles bequem vom Smartphone erledigen lassen kann, und zweitens nach außen behaupten, wahnsinnig viel zu arbeiten, während man innerlich schon längst gekündigt hat und die Zeit im Büro auf ein Minimum beschränkt.

Grüßt kopfschüttelnd von Hängematte zu Hängematte: Titanic

Armer Max Herre!

Um beim Songwriting fürs neue Album etwas Unterstützung zu haben, engagierten Sie und Ehefrau Joy Denalane den Rapper Tom Thaler. »Ich habe jahrelang Texte allein geschrieben und das irgendwann als Martyrium empfunden«, erklären Sie im Zeit-Interview. Moment mal, Herre! Wenn, dann sind ja wohl diejenigen die Märtyrer/innen, die Ihre Texte jahrelang im Radio haben ertragen müssen!

Gibt die Dornenkrone so schnell nicht aus der Hand: Titanic

Ey, Taylor Swift, Billie Eilish, Leonardo DiCaprio u. v. a. m.!

Jetzt nach der Präsidentschaftswahl ist das Geheule unter liberalen US-Amerikaner/innen natürlich wieder groß – und das habt auch Ihr zu verantworten: Jaja, Ihr habt Kamala Harris in ihrem Wahlkampf unterstützt und Euch öffentlich für sie ausgesprochen. Aber warum habt Ihr Eure Millionen nicht genutzt, um täglich – wie Elon Musk – eine zu verlosen? Das Geld hättet Ihr doch doppelt und dreifach zurückbekommen, Musk hat allein mit dem Wahlsieg Trumps 21 Milliarden Dollar gemacht!

Aber klar: Am Ende profitiert Ihr natürlich alle von Trumps Steuersenkungen für Superreiche, da wäre es unklug, der Gegenseite finanziell zu sehr unter die Arme zu greifen.

Würde es am Ende genauso machen:

Eure Titanic

Weil Du es kannst, liebe Bundeswehr,

kumpelst Du wieder fröhlich in pixeliger Videospiel-Ästhetik die Jugend an, um diese vom guten Leben im Dienste an der Waffe zu überzeugen. Und wofür? »Das Gefühl, wenn eine ganze Armee hinter dir steht«? Aber was ist mit dem Gefühl, wenn eine ganze Armee vor Dir steht?

Muss da die »Gefahr zwischen den Zeilen« gar nicht so lange suchen: Titanic

Christian Geyer-Hindemith!

»Buchminuten« nennen Sie Ihre Glosse zur Frankfurter Buchmesse im FAZ-Feuilleton, in der es um den Wert des Lesens geht. Darin stellen Sie besorgt fest, dass gemäß einer neuen Erhebung »von 18 bis 45 generell Lese- und damit auch Bücherlektüreflaute herrscht. Das Wichtige ist eben nicht immer das Vordringliche und umgekehrt. Betrachtet man die Lebensspanne von 18 bis 45 als die Phase, in der privat und beruflich die Macht des Vordringlichen sich breit macht, dann hätte in dieser langen biographischen Etappe das Bücherlesen zurückzustehen, obwohl gerade wichtig als Gegengewicht bei der Gewichtung des Vordringlichen.«

Sich breitmachende Macht, zurückstehendes Bücherlesen, ein wichtiges Gegengewicht bei der Gewichtung: Sind Sie sicher, Geyer-Hindemith, dass Sie mit diesen Ihren Worten der Leselust einen besonders guten Dienst erwiesen haben?

Nimmt sich erst mal Bildschirmzeit: Titanic (45)

¡Hola, König Felipe VI. von Spanien!

Bei Ihrem Besuch in der vom Hochwasser zerstörten Region Valencia wurden Gattin Letizia und Sie beschimpft und mit Schlamm beworfen. Der Grund: Weil die Rettungsmaßnahmen zu spät kamen, machten die Leue Sie als Repräsentant von Vater Staat für die über 200 Toten mitverantwortlich. Und Sie? Zeigten Verständnis für Volkes Zorn.

Und genau so muss das sein, Bourbonen-Philipp! Für einen König, den wir beschimpfen und mit Schlamm bewerfen dürfen und der stets die gekrönte Rübe hinhalten muss, würden wir sofort die Monarchie wiedereinführen. Ob das am Ende ein Georg Friedrich von Preußen, ein Steinmeier oder ein Prinz Reuß macht, wäre uns da ganz egal.

Mit vorzüglicher Hochachtung Titanic

Brillant, Arbeitgebervertreter/innen!

Für die derzeit recht hohen Krankenstände habt Ihr eine geniale Lösung gefunden: einfach die telefonische Krankschreibung wieder abschaffen und damit die Hürde für Arbeitnehmer/innen erhöhen, sich krankzumelden.

Der von uns prognostizierte große Erfolg hat uns zu neuen Lösungen für andere alte Probleme inspiriert: Dem Burnout aufgrund einer schlechten Work-Life-Balance kann ja zum Beispiel durch die Abschaffung des Life-Anteils entgegengewirkt werden. So können sich die Angestellten auf das Wesentliche fokussieren. Und um Schlupflöcher in Form von Briefkastenfirmen, Offshore-Banking und undurchsichtigen Firmenkonstruktionen endgültig zu schließen, werden für Besserverdienende und Firmen Steuern einfach komplett abgeschafft. Außerdem: Wer stört sich nicht an den vielen Verkehrstoten? Easy: Ab sofort werden nur noch die Verkehrsüberlebenden gezählt (ca. 83 Millionen täglich).

Wie immer erfolgsorientiert:

Eure Solution Architects von Titanic

Auf ein Wort, »Glamour«!

»Cuffing Season: Warum wir das eigentlich nicht nötig haben. – In der Cuffing Season besorgt man sich eine Winterbeziehung – ist das noch zeitgemäß?«

Puh. Gute Frage! Andere Frage: Sich eine Glamour zu besorgen – ist das so zeitgemäß wie das Dumme selbst? Und ist selbst die Winterbeziehung mit einem Paar Flohmarkt-Stinkesocken nicht nötiger als Du?

’Tis the season: Titanic

Was war denn da los, Augsburger Staatsanwaltschaft?

Im Oktober 2023 bekamst Du Aussagen einer Medizinerin auf den Tisch, die als Anstaltsärztin der Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen gekündigt hatte. Die Ärztin berichtete von schweren Menschenrechtsverletzungen und folterähnlichen Misshandlungen in diesem Gefängnis. Gefangene würden wochen- oder sogar monatelang in »besonders gesicherten Hafträumen« eingesperrt, deren einzige »Einrichtung« in einem Loch im Boden zur Verrichtung der Notdurft bestünde, müssten oft nackt auf dem Betonboden schlafen, bekämen keine Decke, keine warme Mahlzeit, sie wüssten noch nicht mal, wie lange sich diese Tortur hinziehe. Daraufhin hast Du Ermittlungen eingeleitet, die fast ein Jahr dauerten und dann eingestellt wurden.

Inzwischen wurde die Sache an die Öffentlichkeit gebracht, und selbst der bayerische Justizminister von der CSU spricht von ernstzunehmenden Vorwürfen. Da würde es uns doch interessieren, wie Deine monatelang dauernden Ermittlungen so im Detail aussahen, Augsburger Staatsanwaltschaft! Denn auch wenn Deine Angestellten mit geschlossenen Augen durch die JVA Augsburg-Gablingen gingen, der ehemaligen Anstaltsärztin zufolge stank es auch erbärmlich, weil es den Gefangenen in den »besonders gesicherten Hafträumen« verwehrt wurde, sich zu waschen. Und selbst wenn man sich mit der einen Hand die Augen und mit der anderen die Nase zuhält – die Gefangenen haben laut Ärztin auch geschrien.

Ach so, Du hast Deine Ermittlungen auf die Qualität des Espressos im Büro der Anstaltsleitung konzentriert – verständlich, dass sich das fast ein Jahr lang hinzog! Und das ist dann ja doch beruhigend und letztlich die Hauptsache, dass da alles in Ordnung ist!

Ein Hoch auf den bayerischen Rechtsstaat: Titanic

Howdy, Kamala Harris!

Da »brat« uns doch einer ’nen Storch: Sie sind nun doch nicht Präsidentin der Vereinigten Staaten geworden, trotz Wahlkampfspendenrekord, gewinnendem Lachen, Taylor-Swift-Endorsement und »America’s Dad« als Vize. Wir möchten Ihnen gar keine Vorwürfe machen – Ihre Landsleute sind halt schon ein bisserl blöd –, aber für eine Sache sollten Sie sich gehörig schämen: dass der arme greise Jimmy Carter sich noch vier weitere Jahre durchs Leben quälen muss, damit er dem oder der demokratischen Kandidaten bzw. Kandidatin im Wahljahr 2028 seine Stimme geben kann.

Wünscht Ihnen bis dahin viel Erfolg beim Kinderkriegen: Titanic

Was Messer anrichten, Julia Scharf Schaaf,

versuchten Sie in einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu klären, und argumentierten stichhaltig: »Das Messer ist leicht verfügbar, trifft wie aus dem Nichts – und schon ein Stich kann tödlich sein. Was heißt das für die Betroffenen?« Über die Klinge beziehungsweise die Bezahlschranke sind wir dann doch nicht gesprungen, trauen uns aber dank messerscharfem Verstand trotzdem eine Antwort auf Ihre Frage zu: Schmerzen und Exitus.

Schneidet bei Quizfragen immer gut ab: Titanic

Liebe Automobildesigner/innen,

wenn wir nach der Arbeit durch die Straßen nach Hause laufen beziehungsweise radeln, spukt uns die ganze Zeit folgende Frage durch den Bregen: Warum sehen die Scheinwerfer der von Euch gestalteten modernen Wagenmodelle eigentlich immer doofer aus? Manche haben seltsam-unnötige Verzierungen, andere einfach einen durchgehenden Lichtstreifen an der Vorderseite, wiederum andere komisch geschlängelte Illuminationslinien, die aussehen wie die LEDs an einem Gaming-PC – was soll das denn alles? Da fänden wir es ja glatt besser, im Dunkeln überfahren zu werden, wenn wir dafür wenigstens diese Dinger nicht mehr sehen müssten!

Eure Ästhetik-Pros von der Titanic

Liebe Drogengangster,

eine Titelstory des Spiegel behandelte den sich ausweitenden Rauschgifthandel in Deutschland, der immer mehr Gewalt nach sich zieht. Ein von der Polizei mitgelesener und in dem Artikel zitierter Chat zwischen zwei von Euch eskalierte mit dem Satz: »Es ist schon Krieg, Motherfucker!« Das Zitat landete groß auf dem Heftcover.

Jetzt aber mal im Vertrauen, Ihr Gangster: »Motherfucker«? Im Ernst? Redet Ihr wirklich so? Da erwarten wir interessante Einblicke in eine Schattenwelt samt neuestem Schmugglerslang und Ihr beschimpft Euch wie Actionfilmfiguren aus den achtziger Jahren! Da können wir ja genauso gut die alten VHS-Kassetten vom Dachboden holen.

Gebt Euch mal ein bisschen Mühe!

Fordert Titanic

Aber sag, verehrte »Süddeutsche«!

»Bei VW droht ein massiver Kahlschlag« – das ist schlimm; schlimmer, als ein leichter, zurückhaltender, filigraner Kahlschlag wäre.

Was bei Dir massiv kahl ist, ahnst Du?

Massiv Deine Titanic

Good for you, Volker Wissing!

Ihren Austritt aus der FDP und Ihren Verbleib im Verkehrsministerium rechtfertigten Sie so: »Die Entscheidung ist eine persönliche Entscheidung von mir, die meiner Vorstellung von Übernahme von Verantwortung entspricht. Ich möchte mir selbst treu bleiben.« Herzlichen Glückwunsch, Wissing! Es ist nicht einfach, sich von seiner Partei abzuwenden und seinem Herzen zu folgen, um weiterhin das zu tun, was einem wirklich wichtig ist: gegen Klimaschutzgesetze zu verstoßen.

Weint, allerdings nicht vor Rührung: Ihre Titanic

Das tut uns leid, Bushido-Gattin Anna-Maria Ferchichi!

Seit Sie mit Ihrem Angetrauten und den gemeinsamen Kindern in Dubai leben, nehmen Sie Deutschland anders wahr, heißt es im Spiegel. Es falle Ihnen »sehr schwer, in Deutschland wieder mit dieser Ruppigkeit und Unfreundlichkeit umzugehen. Es gibt auch ganz wahnsinnig schöne Begegnungen, aber leider auch jedes Mal patzige Mitarbeiter am Flughafen oder beim Bäcker.« Nanu, dass Sie als Frau eines Rappers, der schon wegen gewaltverherrlichender Texte auf dem Index gelandet ist und auch in Interviews nicht mit Schimpfwörtern geizt, beim Brötchenkauf so empfindlich reagieren, amüsiert uns schon ein wenig. Hat die Bäckereifachverkäuferin etwa Zimtschnecken und Kornkrustis in dieselbe Tüte gesteckt?

Wie auch immer: Nun begreifen wir endlich, dass die deutsche Ruppigkeit auch von Vorteil sein kann. Deretwegen kommt es für Sie nämlich »absolut nicht mehr in Frage«, aus Dubai zurückzukehren, erklären Sie. Und das sind doch mal gute Neuigkeiten!

Hoffentlich war das jetzt nicht zu ruppig, bangt Titanic

Und nachdem, Campino,

Sie samt Bandkollegium vom nordrhein-westfälischen CDU-Landesvater den NRW-Staatspreis entgegengenommen hatten, fiel Ihnen als Mittelfeldrebell und Spitzentor zum Zusammenhang »Punks treffen auf Establishment« (Westdeutsche Zeitung) ein schöner Konter ein: »Eigentlich ist es wie beim Fußball. Auch ein dreckiger Sieg bringt drei Punkte. Wir fragen nicht, wie er zustande gekommen ist.«

Nein, Campino, das tun Sie nicht, denn erstens wissen es alle, und zweitens zählt, zum guten Schluss bei den Siegern zu sein. Und wenn der Ministerpräsident Wüst heißt, ist das doch auch Punk genug!

Ihr Establishment auf der Titanic

Galaktisch, Popstar Olivia Rodrigo!

Darauf angesprochen, welche Frage Sie Männern bei einem ersten Date stellten, verrieten Sie, dass Sie gerne wissen wollten, ob Ihr potentieller Beziehungspartner vorhabe, ins Weltall zu fliegen. Wenn er darauf mit Ja antworte, gingen Sie nicht mit ihm aus. Ihre Begründung: »Wenn man ins Weltall will, ist man ein bisschen zu sehr von sich eingenommen.«

Einerseits verständlich, Rodrigo. Andererseits sagt die Tatsache, dass die Begegnung mit Typen, die sich ein SpaceX-Ticket leisten können, durchaus im Bereich des Möglichen liegt, natürlich auch etwas über Sie und die Kreise aus, in denen Sie so verkehren. Und auch als Rekorde brechende Sängerin wird man abends vermutlich nicht anders können, als ein bisschen zu sehr von sich eingenommen zu sein, oder? Also vielleicht könnten Sie solche Gemeinsamkeiten erst mal in aller Ruhe beim Candlelight-Dinner in der Humanzentrifuge erörtern?

Schlägt vor:

Ihre alte Datingexpertin Titanic

Menno, Frankfurter Lokalpresse!

Dass keines Deiner Organe die Wartung des innerstädtischen Theatertunnels für die Überschrift »Tunneltheater am Theatertunnel« genutzt hat, enttäuscht uns schon ein wenig.

Hat stets den Tunnelblick für die Schlagzeile: Titanic

O weh, Psychiater Josef Aldenhoff!

Von der Süddeutschen Zeitung zu den Wahlerfolgen rechter Parteien befragt, wehklagten Sie: »Das Tragischste ist ja, dass diejenigen, die jetzt nach rechts schwenken, betrogen werden.«

Aber warum geht es Ihnen dabei um den Zeitpunkt? Wieso glauben Sie, dass das Schicksal derjenigen, die erst jetzt ihr Wahlverhalten nach rechts verschieben, tragischer ist als das derjenigen, die das schon früher getan haben? Sind Letztere Ihnen etwa egal? Das wäre für die Rechten natürlich nicht tragisch, aber allemal traurig!

Würden das ganz gerne mal in der nächsten Sitzung mit Ihnen besprechen: Ihre tragische Linksschwenkerin Titanic

Think again,»Funk«!

Du postetest nach der US-Wahl eine Statistik zum Wahlverhalten, aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, und betiteltest diese mit »Junge Leute haben Harris gewählt«. Schaut man sich die Zahlen dann aber an, zeigt sich, dass nur etwas über die Hälfte (55 Prozent) für Harris gestimmt hat. Dass Du Deiner Zielgruppe nicht zutraust, eine Aufmerksamkeitsspanne zu haben, die lang genug ist, um diese Information aus einem Diagramm mit fünf Balken zu ziehen – geschenkt. Auch dass Du Nachrichten möglichst snackable verpacken möchtest, passt ja zu Deinem Profil. Aber ob so eine völlig verkürzte Headline wirklich der journalistisch korrekte Weg ist, in die vom Algorithmus zerschossenen Gehirne der Social-Media-Nutzer/innen vorzudringen, da haben wir so unsere Zweifel.

Deine Kolleg/innen von der Tagesschau haben sich da schon mehr Mühe gegeben. Die posteten ihre Statistiken mit neutraler Überschrift (»Wer Trump und wer Harris gewählt hat«) – und einem Bild einer Frau mit sehr großen Brüsten in einem US-Flaggen-Body. So geht nämlich seriöser Online-Journalismus!

Kennt sich damit bestens aus: Titanic

Apropos … Glückwunsch, Clemens Meyer!

Zwar den Deutschen Buchpreis (25 000 Euro) knapp verpasst, aber dann durch anhaltendes Quengeln und dick aufgetragenes Selbstmitleid immerhin den Bayerischen Buchpreis (10 000 Euro) abgeräumt – das macht Sie zum ersten Schriftsteller, der sich eine Auszeichnung konsequent ertrotzt hat, zur erste Quoten-Mimose im Literaturbetrieb. Gratulation! Und jetzt aber bitte das Bücherschreiben einstellen, denn wer weiß, ob dieser Trick ein zweites Mal klappt!

Rät dringend Titanic

Kuckuck, Finanzamt Leipzig!

Du hast gerade anscheinend nichts Besseres zu tun, als das Internet nach neuen Texten von Clemens Meyer zu durchforsten, um dann den Medien, die seine Beiträge veröffentlichen, Pfändungs- und Einziehungsverfügungen zukommen zu lassen. In diesen forderst Du zur Überweisung von Meyers Honorar an Dich auf, um es mit seinen Steuerschulden zu verrechnen. So schicktest Du auch der TITANIC-Redaktion ein solches Schreiben, Auslöser war ein auf unserer Webseite veröffentlichter scheinbarer Gastbeitrag Meyers.

Hätte Dein für den Schriftsteller zuständiger Beamter ein bisschen Literaturkompetenz, wäre ihm vielleicht aufgefallen, dass es wohl nicht der echte Meyer war, der als nächstes Gastland der Frankfurter Buchmesse die »Ex-DDR« vorschlug. Dafür waren die Beleidigungen gegenüber der Jury des Deutschen Buchpreises auch einfach nicht hart und häufig genug!

Steht Dir gegen ein entsprechendes Entgelt jederzeit gern als Beraterin zur Verfügung:

Deine Titanic

Du, Michael »dogplayingtetris« Artiaga,

bist 16 Jahre alt und hast, wie im Livestream auf Twitch zu verfolgen war, als erster Spieler überhaupt Tetris auf dem NES bis zum Rebirth durchgespielt, also alle 255 Level absolviert, nach denen das Spiel dann wieder von vorne beginnt.

Aber während nun die Kommentator/innen dieser Meldung mit Lob nicht sparen, Dir »impressive dedication and skill development« attestieren und Dich »pretty impressive« und »super cool« finden, wissen wir nicht so recht, wozu wir gratulieren sollen. Denn Wiedergeburt nach 16 Jahren, also raus aus einem Leben voller Akne, Fernseh- und Handyverbot durch Mama und Papa, Klassenarbeiten und Bundesjugendspiele (oder wie das bei Euch in Texas heißt), aber ohne (legales) Saufen und Kiffen, und dann alles wieder von vorn: Das erscheint uns eher der 255. Kreis der Hölle zu sein.

Deine zum Glück postpubertäre Redaktion der Titanic

Na, Dirigent Christian Thielemann?

Sie leiden unter Schlafproblemen in den Nächten nach einem Auftritt. Schuld daran sei das Adrenalin: »Aber ich will nicht zum Schlafmittel greifen. Nur im äußersten Notfall vor einer Aufführung. Ich nehme keine Drogen, habe nie welche genommen. Ich kenne mich. Ich spritze mir den ›Tristan‹ und Beethoven und Strauss.« Soso, aber reicht das denn auf Dauer? Bestimmt brauchen Sie immer härteren Stoff, und dann träufeln Sie sich Händel auf die Zunge, reiben sich den Rachmaninoff aufs Zahnfleisch und ballern Bach im Ballon, geben Sie’s zu!

Raucht höchstens mal den Thielemann in der Pfeife: Titanic

Natürlich, stellvertretende Unions-Fraktionschefin Dorothee Bär,

stören Sie sich am nun geltenden Selbstbestimmungsgesetz und kritisierten gegenüber der Rheinischen Post, dass es von der Bundesregierung »rücksichtslos durchgepeitscht« worden sei. Hätten Sie denn weniger Probleme mit dem Gesetz, wenn die Durchpeitschung achtsam und taktvoll stattgefunden hätte?

Fragt Sie ganz selbstbestimmt:

Ihre Titanic

Danke, Katja Sturm c/o »FAZ«!

Ihr erschütternder Bericht vom diesjährigen Frankfurt-Marathon hat uns den Glauben an die Kraft der Sozialreportage zurückgegeben. Schon die Schlagzeile »Nach dem Traum-Lauf wird jede Stufe zur Qual« weckte unser Mitgefühl mit den Angehörigen einer Randgruppe. Die vielen minutiös gezeichneten Opferschicksale trafen uns dann mitten ins Herz. Insbesondere die Passionsgeschichte des 29jährigen Valentin aus Darmstadt, den beim Tritt auf die Treppe »leichter Schwindel« erfasste, sodass er »sich bei seinem ein Jahr älteren Bruder abstützen« musste, werden wir nimmermehr vergessen können: »So ein Marathon sei ›eine Grenzerfahrung‹, bei der man ›sich selbst näher kommt‹, sagt der Premieren-Finisher.« Und das, angesichts der Folgen, mit vollem Recht: »Danach ließen sich auch einfachste Aufgaben nicht mehr so leicht erfüllen. Zu etwaigen Kreislaufproblemen kommen heftige Muskelschmerzen.«

O Gott, Frau Sturm: Was hat dieser Mann alles durchmachen müssen? Nur damit Sie davon erzählen konnten und uns zu besseren, barmherzigeren Menschen machten!

Wünscht Ihnen dafür den Pulitzer-, den Theodor-Wolff- und den Otto-Brenner-Preis gleichzeitig: Titanic

Funny, Ricarda Lang!

Seit der Bekanntgabe Ihres Rücktritts als Bundesvorsitzende der Grünen tun Sie sich vor allem mit unterhaltsamen Social-Media-Posts hervor. Den CSU-Parteitag kommentierten Sie beispielsweise launig damit, dass Sie aus Selbstschutz darauf verzichteten, jedes Mal, wenn dort der Name Ihrer Partei falle, einen Schnaps zu trinken. Stattdessen kündigten Sie an, für jedes »Die Grünen« fünf Euro an eine Seenotrettungsorganisation zu spenden. Noch besser für Fliehende wäre allerdings, Sie trügen die Abschiebepolitik der Bundesregierung nicht mit. Aber das lässt sich natürlich nicht so kultig verkaufen.

Weiß Ihre Politikberaterin Titanic

Aber, Israel,

wenn Du wiederum Iran »tödlich, präzise und überraschend« angreifen willst, wie Dein ehemaliger Verteidigungsminister Yoav Gallant drohte, dann solltest Du das in Zukunft vielleicht nicht den Presseagenturen mitteilen. Wäre ja sonst keine Überraschung mehr, meinen präventiv enttäuscht

Deine Witzraketen von Titanic