Tagtraum

Zur Gesellenprüfung meiner Metzgerlehre musste ich ein komplettes Schwein in zwanzig Minuten mit verbundenen Augen auseinandernehmen und dann direkt wieder zusammenbauen, sodass es auch laufen konnte. Zwei Finger meiner rechten Hand verlor ich aber nicht bei der Arbeit, wie es vielen Metzgern passiert, sondern bereits mit vier im Waldkindergarten, als ein Wolf ins Spielhaus eindrang und dabei zwei andere Kinder riss, die weniger Glück hatten.

Uwe Becker

Wertgleichheit

»Eigener Herd ist Goldes wert«, sagt ein Sprichwort. Seit ich neulich die Rechnung des Hausgerätegeschäfts erhielt, weiß ich, dass das für den neuen Herd auch gilt.

Uwe Geishendorf

Typisch

Immer wenn ich auf den Straßen Layouter und Typografen sehe, die mehr oder weniger Abstand suchen, weiß ich: Es ist Wochenende – sie gehen spationieren.

Mark-Stefan Tietze

Frage an die Marionetten-Medizin

Wenn ein Bauchredner an einer Magen-Darm-Grippe leidet, bekommt seine Puppe dann Sprechdurchfall?

Jürgen Miedl

Lagerkøller

Bei Ikea muss ich mir als introvertierte Person jetzt sogar meine Sozialkompetenz selbst zusammenbauen. Als ich in dem angegebenem Regal und unter der Fachnummer den gesuchten Badschrank nicht fand, musste ich notgedrungen einen Mitarbeiter fragen und bekam den korrekten Lagerplatz genannt. Mit Schrecken vernahm ich seine Begründung: »Wir haben extra ein bisschen umgeräumt, um mehr Kundenkontakt zu haben.«

Loreen Bauer

Konstruktive Sabotage

Weihnachtsfeiern verband unsere Chefetage bisher immer gerne mit kreativen Teambuilding-Maßnahmen zur Förderung des Teamgeistes. Einmal waren wir gemeinsam kochen, dann gab es Improtheater, im letzten Jahr wurde zum Bürogolf geladen. Nachdem ich dort unserem Controller mit dem Golfschläger scheinbar versehentlich die Kniescheibe zertrümmern konnte, hat die Geschäftsführung das Festkonzept umgestaltet. Dieses Jahr gehen wir nur saufen.

Günter Flott

Hässliches Erpelein

Auch im vorgerückten Alter poliert es das Selbstbewusstsein auf, wenn man sich intensiv um sein Aussehen kümmert: Ich habe mir einen Undercut frisieren, die Haare färben, einen Hipsterbart wachsen, das Gesicht straffen, peelen und bräunen, die Ohren anlegen, die Augenbrauen zupfen, die Nasenhaare stutzen und die Zähne bleichen lassen. Beim Blick in den Spiegel kann ich nun selbstbewusst behaupten: Ich war, bin und bleibe einfach ein potthässlicher Kerl.

Thorsten Mausehund

Ein Volk beißt sich durch

Auf dem Weg zur braunen Tonne hatte ich einen so verstörenden wie trostreichen Gedanken: Wenn in Deutschland eine rätselhafte Seuche ausbräche, deren einziges Symptom ist, dass den Betroffenen sämtliche Zähne ausfallen, würde es bestimmt nicht lange dauern, bis die Regierung flächendeckend Zahntonnen aufstellt. »Bei uns ist die Zahntonne diesen Monat noch nicht mal halb voll«, »Kann ich dir noch eine Tüte für die Zahntonne mitgeben?«, »Ich bin heute durch ein Viertel gefahren, wo die Zähne sogar aus dem Glascontainer quollen!« – solche Sätze, stark genuschelt, wären bald Alltag. Jahre später würde man sich mit verkniffenem Lächeln erinnern an diese verrückte Zeit, wo allüberall Zahntonnen standen; in sozialen Netzwerken tauchten in enger werdenden Abständen Fotos von leeren, umgekippten Zahntonnen auf, Unterschrift: »Heute in einem Industriegebiet gesehen … Wisst ihr noch? #zahndemie2025«. Jetzt denken bestimmt viele von Ihnen: »Was hat der denn für eine kranke Fantasie? Kein Mensch sagt ›quollen‹!«

Torsten Gaitzsch

Literarische Anlageberatung

Ob »Kein Money mit Hanni und Nanni«, »Fünf Freunde geraten in finanzielle Schwierigkeiten«, »Geheimnis um eine verschleppte Insolvenz« oder »Rätsel um die roten Zahlen«: Investieren Sie auf keinen Fall in die Bücher von Enid Pleiten!

Andreas Maier

Hauptstadt-Power

Über Berlin und die darin lebenden Menschen lässt sich ja viel meckern, doch die Vehemenz, mit der die gesamte Stadt zusammenarbeitet, um bei jedem einzelnen Mietwagen des Anbieters MILES den Firmennamenaufdruck durch Knibbelei zu MILFS umzugestalten, ist einfach nur wundervoll.

Lara Wagner

Phrasen unter der Lupe

Wenn man tödliche Verletzungen davonträgt – wohin trägt man die dann eigentlich?

Dominik Bauer

Die Küche der Zukunft

Erst war ich genervt, dass der neue Herd keine Drehknöpfe mehr hat, sondern eine moderne Touch-Oberfläche. Was früher ein Handgriff war, erfordert nun wiederholtes Herumpatschen und Abwarten, und ständig piepst irgendwas. Durch Zufall habe ich aber ein enorm praktisches Feature entdeckt, das – so vermute ich – von langer Hand am Reißbrett geplant und in endlosen Laborexperimenten perfektioniert wurde: Wenn man einen Topf Wasser aufsetzt und schon mal ein Ei reingibt, das man eh hartkochen will, sich anschließend aufs Sofa begibt und den Herd wieder vergisst, dann verdampft irgendwann das Wasser, die Küche verqualmt und der Rauchmelder schlägt Alarm. Könnte man denken! Stattdessen platzt das Ei, springt aus dem Topf und landet genau so auf der Bedienfläche, dass der Herd sich von selbst ausschaltet. Für so ein gewieftes Produktdesign nehme ich das nervige Gepiepse gern in Kauf!

Alexander Grupe

Intern als fair befunden

Ich nehme zwar regelmäßig eine kleine Sache aus dem Supermarkt mit, ohne zu zahlen, im Gegenzug nutze ich dafür aber weder Treue- noch Paybackpunkte. Und die sind schließlich auch was wert, oder?

Karl Franz