Mit Rechten grübeln

Zwischen bewundernd und anklagend stellte man bei der Zeit diese Woche fest, die AfD sei die einzige Partei, die noch lebhaft diskutiere. Und ein wenig hat es etwas von Biedermann und die Brandstifter, wie man nun auch strategischen Erörterungen zum Kapern einer Demokratie noch einen Mehrwert abgewinnen kann – und fasziniert reinhört, wie Krah und Kubitschek »sich die Köpfe heiß« reden.

»Das Gespräch zwischen dem schwermütigen Republikgegner und dem leicht mafiösen Politiker ist gewitzt. Es ist grundlegend, und nach anderthalb Stunden stellt man sich vor allem eine Frage: Wie kann es eigentlich sein, dass strategische Diskussionen mit Tiefe und Substanz derzeit nur innerhalb der radikalen Rechten stattfinden?« All das vermisst der Autor bei SPD und Co., neben die er die beiden stellt – als sei es kein Unterschied, dass die einen an der liberalen Demokratie, wie auch immer traurig, weiterwurschteln möchten, während die anderen als deren völkisches Abrissunternehmen antreten

Jeder kann sich bei YouTube stets das Neueste aus Schnellroda, dem Thinktank hinter der Partei, zu Gemüte führen. Um etwa Sellners jüngsten Überlegungen zur Remigration zu lauschen, die Literaturtipps von Tellkamp-Freundin Susanne Dagen abzuchecken oder Kubitschek und Gattin Ellen Kositza dabei zuzusehen, wie sie einander siezend darüber sinnieren, wie man es denn jetzt eigentlich mit Sloterdijk halte. Da kann man nun, wie in der Zeit geschehen, von einem »intellektuellen Ökosystem« reden – man kann es aber auch bleiben lassen.

Denn nur weil man bei der SPD die eigenen Nicht-Gedanken schon für manifestwürdig hält und die Grünen sich längst mit Floskeln auf die gefühlige Manufactum-Klientel eingeschossen haben, muss das Gerede von rechts darüber, wen man denn nun wie »rauskriegt«, ohne dass der Verfassungsschutz zuschlägt, nicht zu dem Diskurs gemacht werden, den man dort mit Vorsatz erzeugen bzw. simulieren will, um auch die Rechten mit Bücherschrank und Jünger-Gesamtausgabe zu beglücken. »Wo ist der Podcast, in dem, sagen wir, Ricarda Lang und Cem Özdemir über die Zukunft der Grünen streiten?«, fragt der Autor schließlich, von all der Tiefe und Substanz schon spürbar benebelt. Na dann doch lieber gleich Kubitscheks Ziegen lauschen.