Warum die Parteispitze der SPD Olaf Scholz nicht austauscht wollten und ihn weiterhin für den richtigen Kanzlerkandidaten halten, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Über die möglichen Gründe gibt es jedoch einige Theorien:

Soziale Gerechtigkeit
Scholz hat es wegen der verkürzten Legislaturperiode leider nicht geschafft, alle Bevölkerungsgruppen in Deutschland gleichmäßig und rückhaltlos zu verärgern. Der Kanzler hofft auf die Stimmen derer (Menschen ohne Fernseher und Internet, Deutsche in Forschungseinrichtungen an Nord- und Südpol, Kiffer), die beim täglichen Abfuck aus Berlin bisher nicht berücksichtigt wurden. Dazu sollen in Kürze mehrere hunderttausend sprechende Telegramme (“Best-of-Wumms-Reden”) als Appetithäppchen mit der Post bzw. per Rentier verschickt werden.

Scholz’ Rolle als Friedenskanzler
Putin findet Scholz zum Schießen und lacht oft schallend über seine Telefonscherze (“Hallo Wladi, Krieg sofort beenden, bitte!”). Nach der jüngsten Eskalation mit ballistischen Raketen sind sie ein echtes Pfund für Verhandlungen mit dem Kreml. Anscheinend ist Scholz der einzige westliche Regierungschef, der im Moment noch zum russischen Präsidenten durchdringt. Wenn Scholz ihn mit einem brandneuen Comedy-Programm in Moskau besucht, könnte Putin sich im Gegenzug für weitreichende Gebietsabtretungen (z. B. Donbass, Thüringen und/oder Sylt) auf einen Friedensdeal einlassen.

Olaf, der Hoffnungsträger
Seine trotzige “Och Menno, ich will aber nochmal!”-Einstellung in Sachen Bundestagswahl imponiert besonders den SPD-Wählern von morgen (Jahrgänge 2018 bis 2021). Laut Insider-Informationen gibt es in der SPD zudem Bestrebungen, Scholz im Anschluss an den unvermeidlichen Absturz wieder behutsam für die Kanzlerkandidaturen 2028 bis 2044 aufbzuauen.

Lieber Grün als Schwarz
Der chancenlose Scholz soll bei den Kanzlerduellen im TV als Robert Habecks Wingman auftreten und sich bei Verbalattacken von Weidel und Merz reaktionsschnell vor den Grünen-Politiker werfen. Danach zieht Scholz seine Kandidatur zurück und unterstützt den Koalitions-Bro.

Scholz, der Kostengünstige
Die SPD wollte mit gutem Beispiel vorangehen und die teuren Merchandiseprodukte (Kugelschreiber, T-Shirts, Kaffeetassen etc.) mit Scholz’ Konterfei nicht einfach wegschmeißen – und hat sich nur deswegen auf ihn als Spitzenkandidaten festgelegt. Wohl dem, der wie Markus Söder einen ganzen Fotografenstab für PR-Zwecke beschäftigen und aus der Staatskasse bezahlen kann. Blöd: Boris Pistorius trug auf allen Vorlagen unfotogene Tarnjacken und hat sich damit leider selbst aus dem Rennen gekegelt. Ob ein preiswerter Fotoautomat im Keller des Willy-Brandt-Hauses da geholfen hätte?

Thema Neuaufstellung
Die SPD will in ihrer Rolle als dahinsiechende Volkspartei mit Scholz an der Spitze einen kurzen und schmerzlosen Tod sterben (“Better burn out than fade away”- Prinzip). Tröstlich: Die Wiedergeburt als Kleinpartei ist fest eingeplant. Im Kampf gegen ihre zukünftigen Rivalen (Volt, Bündnis C, ÖDP, FDP usw.) basteln die Sozialdemokraten mit Scholz als Mutter aller Außenseiter jedenfalls schon eifrig an ihrem Profil.

PH