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Femininer Furor

Aug. 31, 2026

In der Literatur haben die Dies Irae begonnen – wenn man Ira als exemplarischen Frauennamen versteht. Aber gleichzeitig auch als das lateinische Wort für Zorn. Denn die Tage des weiblichen Zorns sind angebrochen: In der Rage Girl Literature dürfen Frauen endlich lang unterdrückte Wut rauslassen und sich austoben. Doch wie könnte der Deutsche Kanon aussehen, hätte es dieses Genre schon früher gegeben?

Catharina von Georgien

Catharina ist ganz schön geladen: Schah Abas hält sie nicht nur seit Jahren gefangen, sondern hat jetzt auch noch angefangen, sie zu foltern, weil sie ihn nicht heiraten will. Als er sich dann noch anschickt, sie auf dem Scheiterhaufen verbrennen zu lassen, hat Catharina genug: Sie hält Abas eine zünftige Standpauke darüber, wie wenig Lust sie hat, verbrannt zu werden, und wie unangemessen sie es findet, dass er ihre Brüste abgeschnitten hat. Kleinlaut bittet Abas um Entschuldigung, die Catharina gern annimmt. Dann bittet sie für ihren Tonfall um Verzeihung.


Kabale und Liebe

Louise Miller ist genervt: Ihr Freund Ferdinand ist ganz schön besitzergreifend, ihr Vater ein Choleriker, der seine Frau anschreit, und Ferdinands Papa, der Präsident, versucht, aus Standesdünkel die Beziehung seines Sohnes zu sabotieren. Er verhaftet Louises Vater und will ihn erst wieder freilassen, wenn Louise gegenüber Ferdinand behauptet, eine Affäre zu haben.

Doch der Präsident hat nicht mit Louises Widerspenstigkeit gerechnet: Sie lässt ihren anstrengenden Vater lieber im Gefängnis versauern, trennt sich von Ferdinand und lebt zufrieden und allein im Haus der Eltern. Zumindest bis Ferdinand sie aus Rache umbringt.


Iphigenie auf Tauris

Iphigenies Empörung kennt keine Grenzen: Da hat ihr Vater sie einfach ohne Vorwarnung geopfert, damit er die Göttin Artemis besänftigen und nach Troja fahren kann. Während Iphigenie auf einer einsamen Insel sitzt, hat sie nur einen Ge…