Briefe an die Leser | Dezember 2008


Beinahe bewundernswert, Focus.de,

wie Du selbst einen Bericht über »das Gefängnis-Weingut Alcoentre« in Portugal arbeitsmarktpolitisch aufzuladen weißt: »Die niedrigen Arbeitslöhne für die Häftlinge – 3,60 Euro pro Stunde – machen es möglich, den Gefängnis-Wein auf traditionelle Art von Hand herzustellen.« Noch gelungener scheint uns indes die Einordnung des Artikels in der Rubrik »Karriere«, Unterrubrik »Perspektiven > Berufe«.
In vino veritas:

Titanic

Und Sie, Manfred Krug,

schreiben nicht nur neuerdings Kurzgeschichten, sondern lesen auch, wie Sie der FAS verraten haben, manchmal Bücher: »Ich lese manchmal Bücher, die sind vierhundert Jahre alt und immer noch da.« Und welche? »›Sachsenspiegel‹! Dickes Buch. Schwierig zu lesen. Braucht man Liebe zur Sprache.« Und wo kommt die her? »Angeboren. Nie irgendwas dafür gemacht. Hatte immer eine Eins in Deutsch.« Und wird sie erwidert? Die Liebe? Von der Sprache? Oder kommt sie oft nicht zur Erfüllung? Weil Sie zu früh –?

Macht nichts. Passiert selbst den besten. Von uns. Hups!

Bis demnächst auf der Shortlist:

Titanic

Frank Polke!

Ihre Abneigung gegenüber der Linkspartei begründeten Sie in den Westfälischen Nachrichten auf höchst originelle Weise: »Teile der Linken haben noch immer ein getrübtes Verhältnis zum untergegangenen DDR-Unrechtssystem im einzelnen und zum Marxismus im besonderen – was bedeutet, daß auch Gewalt zur Durchsetzung der Klasseninteressen gerechtfertigt wird.« Womit Sie selbstverständlich nichts gegen Gewalt zur Durchsetzung eines Klasseninteresses gesagt haben wollten; es muß halt nur die richtige Klasse sein. Ihr Insistieren auf einem ungetrübten Verhältnis zur DDR läßt Ihre diesbezügliche Loyalität allerdings etwas fragwürdig erscheinen – also Vorsicht, sonst trifft Sie womöglich noch das Klasseninteresse Ihres Herausgebers!

Ihre Klassenclowns von der

Titanic

Bruder Paulus!

Wie wir uns an einem dieser bierseligen Sonntagabende ausgerechnet in Anne Wills Faselshow verirren konnten – wir wissen es nicht. Nachdem wir dort aber eine kleine Ewigkeit hatten ertragen müssen, wie Sie, »Manager im Namen des Herrn«, Ihre banalphilosophischen Redseligkeiten zum Schicksal der Andrea Ypsilanti und also Wortbrocken wie »Gewissen«, »Schuld« und »Ethos« auswarfen, da war uns zumindest der phantastische Nutzen klösterlicher Schweigegelübde so klar wie nie zuvor!

Dafür dann doch danke:

Titanic

Alle Achtung, »Stern«!

»So wenig Herz. Zu viel Maske.« Oder: »Eine starke Frau, umgeben von merkwürdigen Männern. Männer, die ihre Nervosität mit jung-dynamischem Wipp-Schritt tarnen.« Über Angela Merkel wird wirklich selten so deutlich geschrieben. Glückwunsch!Aber halt, es geht ja gar nicht um Merkel, sondern um Andrea Ypsilanti; und der Rest des Artikels besteht denn auch aus dem üblichen Gedöns, welches die Journaille über neun Monate zu diesem Thema im Stehsatz hatte. Wobei sich die Frage stellt: Wie kommt es eigentlich, daß ein Blatt, welches in einer Stadt produziert wird, die ein Herr regiert, der mit koksenden Rassisten, durchgeknallten Sterbehelfern und grünen Umfallern Politik macht, beim Thema Machtgeilheit immer nur an Hessen denkt?Jung-dynamische Grüße von Deinen merkwürdigen Männern auf der

Titanic

Robert Jungk!

Dürfen wir Sie an eine Ihrer Zukunftsprognosen erinnern? 1977 haben Sie in Ihrem Bestseller »Der Atom-Staat« das »neue Bekenntnis zu einem bescheidenen Leben« gewürdigt: »Nicht eine Zukunft unbegrenzten Reichtums steht uns bevor, sondern eine der Verknappungen. Die ›Frugalen‹, die es rechtzeitig lernen, auf Überflüssiges zu verzichten, werden nach einer Studie des ›Stanford Research Institute‹ zwar heute noch belächelt, spätestens um die Jahrtausendwende aber Vorbilder sein.« Leider ist uns auch im achten Jahr nach der Jahrtausendwende noch kein einziger Mensch über den Weg gelaufen, der allgemein als Vorbild anerkannt wäre, weil er rechtzeitig gelernt hätte, auf Überflüssiges zu verzichten, also beispielsweise auf Unterschichtenfernsehen, Lichthupensignale, öffentliches Sackkratzen und die Lektüre der Werke eines gewissen Robert Jungk.Wahrsager haben es nicht so gern, wenn man sich mit ihrer Vergangenheit beschäftigt, aber glauben Sie uns bitte: Ihre Vision von der Zukunft, in der wir jetzt leben, ist bei weitem nicht so stichhaltig wie unser Urteil über Ihre Qualitäten als Prophet.

Mit schönen Grüßen, auch ans Stanford Research Institute:

Titanic

Wilfried Scharnagl!

Als Ex-Chefredakteur des Bayernkuriers, Vertrauter von Franz Josef Strauß und Autor der Biographie »Mein Strauß. Staatsmann und Freund« waren Sie bei einer Fernsehsendung anläßlich des 20. Todestages Ihres Strauß’ mit von der Partie: »Wenn wir spazierengingen und an ein Mahnmal – aus dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg – kamen, dann wurde er sofort ernst und nachdenklich und sagte etwa: ›Das, was dem deutschen Volk da passiert worden ist, darf sich nicht wiederholen.‹« Und schöner hätten Sie nicht mitteilen können, daß die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts komplett subjektfrei über die Bühne gegangen wurde; und dem deutschen Volk also doppelt passiv passiert ist.

Es war schon wirklich Ihr Freund, der Strauß!

Passiv grüßt

Titanic

Du, Sabine Heinrich,

bist Moderatorin bei EinsLive, und weil das der Jugendsender des WDR-Hörfunk ist, kannst Du nicht nur voll locker und verrückt das neue Lied von z.B. Pink ankündigen, sondern bist gleichfalls für echt krasse Wissenselemente zuständig, die natürlich für Deine hirnstumpfen Teenie-Hörer auf Sub-»Galileo«-Niveau zurechtversimpelt werden. Ausnahmsweise mal wirklich informativ fanden wir aber, wie Du neulich dazu aufriefst, Fragen zur Bankenkrise via Mail an den dafür angekarrten Experten zu richten: »Schämt euch nicht: Stellt die blödesten und einfachsten Fragen, denn das sind die Fragen, die uns irgendwie alle beschäftigen« –

und schöner, Sabinchen, hätten selbst wir Deine Hörer und Dich nicht charakterisieren können!

Schämt sich vorsichtshalber für Euch mit:

Titanic

Sigrid Löffler!

Wir kennen Sie von früher als prototypische Studienrätin an der Seite des alten Esels MRR; eine Frau, die alles über Literatur weiß, nur nicht, wie man Spaß daran hat. Dann hörten wir wieder von Ihnen, als Sie lautstark protestierten, daß man Sie aus Ihrer Hauszeitschrift Literaturen geekelt habe. Das war sicherlich bitter, aber war es auch überraschend? Schließlich heißt Ihr neues Buch doch »Vom Verschwinden« – also haben Sie’s doch gewissermaßen provoziert!

Kicher:

Titanic

Sie nun, Anette Reuther (»Welt«),

haben für Ihre Leser die neue John Lennon-Biographie studiert und also zusammengefaßt: John Lennon wollte Sex mit Paul McCartney; John Lennon wollte Sex mit seiner Mutter; John Lennon hatte Sex auf einem Grabstein und danach den Steiß voller Blattläuse; John Lennon ließ es sich auf der Reeperbahn »des öfteren von einer Barfrau besorgen«, während sein Freund Paul wegen eines angezündeten Präsers auf die Davidswache mußte; und schließlich war John Lennon zeitweise ein »äußerst aktives Mitglied eines Onanistenclubs«, womit Sie, Frau Reuther, also zumindest eins mit dem seligen Beatle gemeinsam hätten – nur daß Sie und Ihre Kollegen vom Springer-Verlag für Ihren Journalistenwichs auch noch bezahlt werden, gell?

Heut’ mal prüde:

Titanic

Christliche Mitte, 59531 Lippstadt!

Als wir letzthin in Regensburg in dem Barockkirchlein Maria Schnee einer lateinischen Messe beiwohnten, teils um unsre Sünden abzubüßen, teils aus ethnologischem Interesse an der Choreographie der Ministranten, da schweiften, ausgerechnet während des Glorias, unsere Gedanken ab, und unser Blick fiel auf einen Stapel Heiligenbildchen, die neben uns dargeboten waren. Auf der Vorderseite eine griechische Jesusikone, auf der Rückseite ein vierstrophiges Gedicht, das gegenüber dem Herrn Jesus Christus bittere Klage führt, ein gewisser »Welt-Fürst« wage es, ständig zu widersprechen: »Allah so oft man nennet, / Dich, CHRISTUS, nicht bekennet … im Sieg, im Auferstehn / Laß sie Dein Licht doch sehn, // Muslime zu Dir ziehn, / anbetend vor Dir knien, / die jetzt voll Not zuschanden, / befrei aus Satans Banden!« Und als Urheber dieses lyrischen Produkts firmiertest Du, Christliche Mitte, Deines Zeichens christlich-fundamentalistische Kleinstpartei (Ergebnis bei der letzten Bundestagswahl: 0,0%), die die Scharia, pardon: »ein Deutschland nach Gottes Geboten« anstrebt, in dem so Teufelszeug wie vorehelicher Geschlechtsverkehr, Harry Potter, Sexualkunde und nachweislich falsche Religionen endlich unter Strafe gestellt sind. Auf dem Weg zu diesem Endziel aber dichtet es aus Deiner Parteienmitte schon mal ad majorem Dei gloriam und auf Teufel komm raus, sozusagen als Vorgeschmack auf spätere, verschärfte Formen des großen Weltanschauungskampfes, auf die wir jetzt schon gespannt sind.

Aber Deine schärfste Waffe dürfte nach wie vor der Name Deiner Vorsitzenden sein: Adelgunde Mertensacker. Bei diesem Namen betet man ja schon aus lauter Schreck und wie automatisch drei Vaterunser, sogar auf der

Titanic

Web.de!

Die aktuellen Spekulationen darüber, ob die brillante »Sängerin und Schauspielerin« Lindsay Lohan auf der Balz nun Männlein oder Weiblein bevorzugt, wühlen uns freilich genauso auf wie Dich; auf eine solch prachtvolle Schlagzeile wie die Deine wären wir trotzdem nicht gekommen: »Lesbisch oder nicht? Lindsay will sich nicht festnageln lassen« – womit aber die Frage nach Lohans erotischer Neigung doch eigentlich beantwortet wäre, nein?

Grüße auch von Nagel:

Titanic

Schade, Marc Terenzi,

daß bei dem ganzen Trara um Ihre Trennung von Nervkehle Sarah Connor Ihr künstlerisches Werk zur Zeit so wenig Beachtung findet. So schnappten wir nur am Rande auf, daß Sie anläßlich des Halloweenfestes am 31. Oktober zum zweiten Mal Ihre »Terenzi Horror Night« mit allerhand schaurig maskierten Zombies und Vampiren im Europa-Park zu Rust zelebrierten. Ihr Veranstaltungsmotto »Nacht des Grauens« in allen Ehren – aber hätt’s, Terenzi, da ein normales Konzert nicht auch getan?Erschaudernd:

Titanic

Dieter Bohlen!

Lt. Bild haben Sie an einer Hamburger Kreuzung aus Ihrer Corvette heraus einem Bettler ein paar Münzen gereicht – den Recherchen des Bild-Fotografen zufolge handelte es sich aber um einen falschen Bettler, um einen heimtückischen Simulanten, der anschließend seine Krücken einpackte und »ganz fidel« von dannen zog. Mit dieser bitteren Wahrheit konfrontiert, teilten Sie Springers Kettenhund folgendes mit: »Ich hab echt geglaubt, der Bettler ist echt. Daß er ein Betrüger ist und ganz normal laufen kann, hat mich echt umgehauen. Jeder versucht, auf die Kosten der anderen eine Mark zu machen – jetzt sogar auf offener Straße.«

Wir, Bohlen, alter Corvettenkapitän, wollen jetzt mal versuchsweise von der wahrscheinlichsten Variante absehen, daß nämlich der böswillig-betrügerische Bettler ein von Ihnen und Bild gedungener Schauspieler war, und Ihnen nur dazu gratulieren, daß es Ihnen wieder mal gelungen ist, eine halbe Zeitungsseite mit Ihrer ehrbaren Visage zu füllen und einem Millionenpublikum die wunderbare Schmierenkomödie vorzuführen: Meine Corvette ist echt echt, alles andere ist echt unecht. Die ganzen Hungerleider zumal! Und: Was für ein Betrug, auf Kosten anderer eine Mark machen zu wollen! Wo man doch ein paar Millionen machen kann!Stets auf Kosten anderer:

Titanic

Liebe May Flanagan!

In Ihrer gestrigen Mail haben Sie uns ein Angebot unterbreitet (»Betreff: Ficken wie ein Weltmeister?«), dem wir kaum widerstehen können, falls Sie auch die Geschmacksrichtung Schachweltmeister im Angebot haben – mit stundenlangem Rumsitzen, wenigen, dafür aber ultralangsamen Bewegungen und natürlich endlosem Grübeln und Nachdenken zwischendurch!Jetzt schon ganz heiß:

Titanic

Und Du mal wieder, »Zitty«!

»Die Magie der Nacht. Was in Berlin passiert, wenn das Licht ausgeht« – sollen wir’s Dir verraten?Dann ist es dunkel. Da nich’ für:

Titanic

Guido Knopp!

Einmal nicht mit den grünen Wäldern Germaniens oder den braunen Sümpfen des Dritten Reichs beschäftigt, sprachen Sie mit dem Playboy: »Wir wohnen in einer Gegend, in der häufig eingebrochen wird. Nur in unserem Haus noch nie. Ich hege den Verdacht, daß das daran liegt, daß in unserem Garten die Fahne hängt, da denken die Leute: Vielleicht ist das irgend etwas Offizielles« – aber daß, Knopp, die Fahne kriminelles Gelichter nicht abschreckt, müßten Sie doch am besten wissen. Es wird wohl eher daran liegen, daß die Banditen Ihre Dokusoaps kennen – und also wissen, daß bei Ihnen nichts zu holen ist!Vaterländische Grüße:

Titanic

Sie, Uwe Völker,

schimpfen sich »Regionaler Betriebsleiter der Deutschen Post« und sind für die Postzustellung in Berlin und Ostdeutschland zuständig. Da in Berlin Briefe gern mal ein paar Tage unterwegs sind und sich zahlreiche Briefträger – aus Angst vor Repressalien anonym – öffentlich über unhaltbare Arbeitsbedingungen beschwert hatten, gaben nun Sie der Berliner Zeitung ein aufschlußreiches Interview: »›Wie hoch ist der Krankenstand?‹ – ›Das sagen wir nicht öffentlich.‹  ›Wie viele Zusteller gibt es in Berlin?‹ – ›Das machen wir nicht öffentlich … Wir haben auch zusätzliches Personal eingestellt.‹ – ›Wie viele Postboten haben Sie denn zusätzlich eingestellt?‹ – ›Dazu machen wir keine Angaben.‹ – ›Wie lange muß der Postbote klingeln, bevor er die Benachrichtigungskarte in den Briefkasten werfen kann?‹ – ›Das weiß ich jetzt nicht. Jeder Zusteller hat ein Handbuch, in dem das steht … Wir überprüfen genau, wie die Benachrichtigungsquoten der Zusteller sind.‹ – ›Wie hoch ist denn die Benachrichtigungsquote?‹ – ›Das habe ich jetzt nicht parat.‹ – ›Wie viele Kunden richten sich denn nun mit ihren Beschwerden offiziell an die Post?‹ – ›Die genaue Zahl der Beschwerden in Berlin kann ich Ihnen nicht nennen.‹ – ›Wirklich nicht?‹ – ›Ich könnte sie ermitteln lassen, aber die werden wir nicht veröffentlichen.‹«Sehr schön. Bliebe, Herr Völker, nur eine Frage offen: Wie kommen Sie zu der Aussage, die Post habe »kein strukturelles Problem«? Lassen Sie uns raten: Das sagen Sie nicht öffentlich, wollen es nicht nennen, haben es nicht parat oder machen dazu keine Angaben. Völker, hör die Signale!

Titanic

Super witzig, »Frankfurter Allgemeine Sonntags­zeitung«,

fanden wir Deine Titelseite am 9. November, wo Du, im Gegensatz zu allen anderen Zeitungen, den 70. Jahrestag des November-Pogroms von 1938 souverän ignoriert und statt dessen einen überaus interessanten Beitrag über Mineralien auf S. 74 annonciert hast, und zwar unter dem schon recht ins Auge springenden Titel »Im Reich der Kristalle«. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt; nämlich schlimmstenfalls dieses: Endlich eine Zeitung, die politisch inkorrekt genug ist und sich dem leidigen Zwang entzieht, am 9. November die sog. »Reichskristallnacht« auf den Titel zu nehmen. Und wie subtil das Ganze, wie wunderbar ironisch! Zum Jahrestag der Euthanasiegesetze empfehlen wir eine Zeile à la »Die Vorstädte werden immer lebensunwerter«; und zu 70 Jahren Wannseekonferenz eine Strecke über Wellnessbäder (»Pack die Badehose ein«), wahlweise eine Abrechnung mit schlechtem Fastfood im Straßenverkauf: »Die Buden sind unser Unglück!«Rechnung wie immer an

Titanic

Zwar, Rosenstolz (Pop),

klingen alle Eure Texte ja schon immer so, als wärt Ihr zwei zu oft mit den Köpfen zusammengerumpelt, doch gelang es Euch in Eurem letzten Schleudertrauma-Hit »Hier kommt die Sonne«, uns noch einmal mit der Schädelbasisbruch-Zeile »Nur was weh tut, ist auch gut« zu überraschen. Nach dieser Logik macht Ihr zwei fleischgewordenen Kopfnüsse einfach gute Musik; und dafür wollte sich an dieser Stelle mal nicht bedankt haben:

Titanic

Petra Polz!

100 Promis und Prolos hat die Bild-Zeitung gefragt, warum sie sich über die Wiedervereinigung freuen; und was sagen Sie? »Weil in meinen Laden Kunden aus Ost und West kommen. Am Ende haben sie alle den gleichen Haarschnitt.« Mensch, Petra! Das spricht doch nicht für die deutsche Einheit! Das spricht gegen Ihren Friseursalon!
Viva la Vokuhila!

Titanic

Nahezu korrekt, »Schweriner Volkszeitung«,

gelang Dir am 22. Oktober die Zusammenfassung einer lustigen Lesung in Schwerin-Schelfstadt: »Während Harry Rowohlt sich Robert Gernhardt und Effi Bernstein, Joachim Ringelnatz und Wilhelm Busch auf dem Wege der Lesung näherte…« – es hätte halt nur Roswitha Gernhardt, Jolande Ringelnatz und Wilma Busch heißen müssen. Und wenn Du das nicht glauben willst, frag einfach mal F.W. Briest! Auf dem Wege:

Titanic

Dr. h.c., Biermann!

Ihnen hat man nun ja Ihr Philosophiediplom, das die SED Ihnen damals vorenthalten hatte, pflichtschuldigst nachgereicht, wofür Sie sich beim Establishment, neben allerhand anderen Originalitäten betr. den »kommunistischen Tierversuch an der Menschheit«, mit der Erwähnung der Ihrer, Biermann, Meinung nach von den Kommunisten ins Werk gesetzten »marxistischen Endlösung der sozialen Frage« bedankten –
gewiß ein neuer Höhepunkt in ihrer an Höhepunkten nicht armen Renegaten- und Darmkriecherkarriere; aber welche totalitarismustheoretisch voll abgefederten Wortspielhighlights müssen wir denn da noch gewärtigen? »Die marxistische Einheit von Wirtschafts- und Nationalsozialpolitik«? »Vorwärts zum X. Reichsparteitag der SED«? »Du bist nichts, alles für das Volk ist alles«?
Sollten Sie also noch eine Habilitation in Betracht ziehen: Wir empfehlen eine über Alfred Rosenberg. Einen Doktor der Arschlochwissenschaften unehrenhalber können Sie aber auch von uns kriegen.

Und wie, Anhänger von Energie Cottbus

endete wohl, was der Kommentator Eures Dienstagabendspiels in Bielefeld beim Anblick des spärlich besetzten Gästeblocks so begann: »Kein Wunder, daß so wenige Fans aus Cottbus heute hier sind. Es ist ja eine weite Heimreise und die Leute müssen morgen früh…« – ja: was? Auf dem Amt sein? Den Frühschoppen in der Eckkneipe nicht verpassen? Zum Ausverkauf in den 1-Euro-Shop? Sich ein Attest für die Weiterbildungsmaßnahme besorgen? Nein, »zur Arbeit« müßt Ihr, meinte der Mann.
Aber das kann es nun doch, Anhänger von Energie Cottbus, wirklich nicht gewesen sein. Oder?
Seid ehrlich zu Eurer

Titanic

Mal wieder zu Ihnen, Reinhard Mohr!

Sie sind im Kino gewesen, haben den »Baader Meinhof Komplex« geguckt und wie bestellt eine fabulöse Textidee gehabt: »Der-Oskar-Lafontaine-Komplex«: »Es ist ganz großes Theater, das den Deutschen nun schon seit Monaten geboten wird. Wie gebannt verfolgt die Republik die spannendste Inszenierung seit langem – den Oskar-Lafontaine-Komplex. Untertitel: Ein Mann sieht rot. Keine Bühne ist groß genug für ihn.« Ein Mann sieht rot? Oskar Lafontaine, der deutsche Michael Douglas der Selbstjustiz? »Wo immer er auftritt, redet er sich binnen Minuten in Rage wie einst Robin Hood, der Rächer der Enterbten.« Robin Hood ein Redner? An welche Verfilmung denken Sie da, an »Helden in Strumpfhosen«? »Das Virus ergreift selbst bislang politisch eher unauffällige Berufsgruppen.« Das Virus? Sind wir jetzt plötzlich in »Outbreak«, dem Film, dem vom deutschen Verleih der Untertitel »Lautlose Killer« verpaßt wurde? Und wie geht das mit dem in Rage geredeten Robin Hood zusammen?
»Aufwärmen, umrühren, fertig: Oskar Lafontaine und die vermeintlich neue, schicke Linke sind genau wie Nescafé. Sie wollen Ideen von gestern aufkochen, um Politik für morgen zu machen – und leiden doch nur daran, den Schock des Mauerfalls nie verwunden zu haben.« Seit wann aber nun ist Nescafé wiederaufgekochter Kaffee? Ist er nicht eher mauerfallschockgefrostet? »Aber so ist er, der Kapitalismus. Am Ende wird er auch noch den Oskar-Lafontaine-Komplex schlucken wie der weiße Wal den Käpt’n Ahab.«
Bon: Virus, Robin Hood, Moby Dick, aufgewärmt und umgerührt – vielleicht gehen Sie, Mohr, alter Schmock, demnächst lieber in weniger aufregende Filme; wie wär’s z.B. mit »Burn After Reading«?
In diesem Sinne:

Titanic

Reinhard Marx!

Schöne Idee von Ihnen, in diesen Finanzkrisenzeiten ein Buch unter dem unfaßbar provokanten Titel »Das Kapital« zu schreiben und darin doch wieder nur den üblichen, auch von Ihnen als Münchener Erzbischof bis zum Erbrechen bekannten Kirchenmoralinquark breitzutreten. Glücklicherweise hat Ihr etwas bekannterer Namensvetter auf diese kleine Unverschämtheit bereits 1847 geantwortet: »Die sozialen Prinzipien des Christentums haben die antike Sklaverei gerechtfertigt, die mittelalterliche Leibeigenschaft verherrlicht und verstehen sich ebenfalls im Notfall dazu, die Unterdrückung des Proletariats, wenn auch mit etwas jämmerlicher Miene, zu verteidigen.« Oder eben Hartz IV und was der Standort sonst noch so braucht.
Amen:

Titanic

Kurt Faltlhauser!

Im Zusammenhang mit den Milliardenverlusten der Bayern LB lesen wir in der Presse von Abschreibungen auf sogenannte strukturierte Wertpapiere, von hochkomplexen Anleihen und von Kreditersatzgeschäften mit außerbilanziellen Schattenbanken. Nicht daß wir von dieser Materie allzuviel verstünden – dafür gibt es schließlich hochbezahlte Verantwortungsträger wie Sie. In Ihrer Eigenschaft als bayerischer Finanzminister sowie als stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bayern LB haben Sie diese windigen Geschäfte im Sommer 2005 gutgeheißen und abgesegnet, und nun kommen Sie uns Steuerzahlern mit der wahrhaft erstaunlichen Ausrede: »Was soll ein kleiner Provinz-Finanzminister klüger sein als alle Banker der Welt.«
Uns kommen die Tränen. Ihre Bescheidenheit mag Sie ja ehren, Kurt Faltlhauser, aber verraten Sie uns doch bitte, was Sie als reine Unschuld vom Lande im Verwaltungsrat der zweitgrößten deutschen Landesbank überhaupt zu suchen gehabt haben? Wären Sie nicht schon als stellvertretender Kassenwart eines Kegelvereins an die Obergrenze Ihres geistigen Leistungsvermögens gestoßen?
Pfia Gott!

Titanic

Campino, alte Wurst!

Du hast da eine Zuneigung für den Preßfleischfabrikanten Uli Hoeneß entwickelt: »Ich bin mit Didi Hamann und Markus Babbel befreundet. Wenn ich mit denen zusammensitze, so nach dem fünften Bier, sag’ ich zu ihnen: ›Kommt, gebt es doch mal zu, der Hoeneß ist ’ne Pfeife, oder?‹ Aber nichts da! Die bleiben dabei: ›Der Hoeneß ist okay.‹ Inzwischen glaube ich das auch.«
Andererseits: Was ist deren Meinung schon wert? Die gehen ja auch mit Leuten wie Dir, Campino, Bier trinken!
In dieser Hinsicht wählerischer:

Titanic

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Stillgestanden, »Spiegel«!

»Macht sich in den USA Kriegsmüdigkeit breit?« fragst Du in einer Artikelüberschrift. Ja, wo kämen wir hin, wenn die USA die Ukraine nur nüchtern-rational, aus Verantwortungsbewusstsein oder gar zögerlich mit Kriegsgerät unterstützten und nicht euphorisch und mit Schaum vor dem Mund, wie es sich für eine anständige Kriegspartei gehört?

Spiegel-müde grüßt Titanic

 Helfen Sie uns weiter, Innenministerin Nancy Faeser!

Auf Ihrem Twitter-Kanal haben Sie angemerkt, wir seien alle gemeinsam in der Verantwortung, »illegale Einreisen zu stoppen, damit wir weiter den Menschen helfen können, die dringend unsere Unterstützung brauchen«. Das wirft bei uns einige Fragen auf: Zunächst ist uns unklar, wie genau Sie sich vorstellen, dass Bürgerinnen und Bürger illegale Einreisen stoppen. Etwa mit der Flinte, wie es einst Ihre Bundestagskollegin von Storch forderte? Das können Sie als selbsternannte Antifaschistin ja sicher nicht gemeint haben, oder? Außerdem ist uns der Zusammenhang zwischen dem Stoppen illegaler Einreisen und der Hilfe für notleidende Menschen schleierhaft.

Außer natürlich Sie meinen damit, dass die von Ihrem Amtsvorgänger und der EU vorangetriebene Kriminalisierung von Flucht gestoppt werden müsse, damit Menschen, die dringend unsere Unterstützung brauchen, geholfen wird.

Kann sich Ihre Aussage nicht anders erklären: Titanic

 Guten Appetit, TV-Koch Alfons Schuhbeck!

Guten Appetit, TV-Koch Alfons Schuhbeck!

Nichts läge uns ferner, als über Ihren Steuerhinterziehungsprozess zu scherzen, der für Sie mit drei Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe geendet hat. Etwas ganz anderes möchten wir ansprechen, nämlich Ihre Einlassung am zweiten von insgesamt vier Verhandlungstagen, während der Sie laut Handelsblatt »lang und breit über die Vorzüge« von Ingwer palaverten, »aber auch über Knoblauch, Kardamom oder Rosmarin«, bis Sie schließlich einsahen: »Ich könnte stundenlang über Gewürze reden, aber das ist wohl der falsche Zeitpunkt.«

Und ob das der falsche Zeitpunkt war! Mensch, Schuhbeck, die gute alte Gewürz-Verteidigung, die hebt man sich doch für ganz zum Schluss auf, die pfeffert man dem Gericht (!) nach den Kreuzkümmelverhören prisenweise entgegen. Wozu zahlen Sie denn gleich zwei Anwälten gesalzene Stundensätze? Bleibt zu hoffen, dass Sie bei der Revision die Safranfäden in der Hand behalten!

Die Gewürzmühlen der Justiz mahlen langsam, weiß Titanic

 Nichts für ungut, Tasmanischer Tiger!

Nachdem wir Menschen Dich vor circa 100 Jahren absichtlich ein bisschen ausgerottet haben, um unsere Schafe zu schützen, machen wir den Fehltritt jetzt sofort wieder gut, versprochen! Du hast uns glücklicherweise etwas in Alkohol eingelegtes Erbgut zurückgelassen, und das dröseln wir nun auf, lassen Dich dann von einer Dickschwänzigen Schmalfußbeutelmaus in Melbourne austragen, wildern Dich in Australien aus und fangen dann ziemlich sicher an, Dich wieder abzuknallen, wie wir es mit den mühsam wiederangesiedelten Wölfen ja auch machen. Irgendjemand muss ja auch an die Schafe denken.

Aber trotzdem alles wieder vergeben und vergessen, gell?

Finden zumindest Deine dünnschwänzigen Breitfußjournalist/innen von der Titanic

 Sicher, Matthew Healy,

dass Sie, Sänger der britischen Band The 1975, die Dinge einigermaßen korrekt zusammenkriegen? Der Süddeutschen Zeitung sagten Sie einerseits: »Ich habe ›Krieg und Frieden‹ gelesen, weil ich die Person sein wollte, die ›Krieg und Frieden‹ gelesen hat.« Und andererseits: »Wir sind vielleicht die journalistischste Band da draußen.« Kein Journalist und keine Journalistin da draußen hat »Krieg und Frieden« gelesen, wollten mal gesagt haben:

Ihre Bücherwürmer von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Vom Kunstfreund

Erst neulich war es, als ich, anlässlich des Besuchs einer Vernissage zeitgenössischer Kunst, während der Eröffnungsrede den Sinn des alten Sprichworts erfasste: Ein paar tausend Worte sagen eben doch mehr als nur ein Bild.

Theobald Fuchs

 Auf dem Markt

– Oh, Ihr Doldenblütler verkauft sich aber gut!
– Ja, das ist unser Bestsellerie!

Cornelius W.M. Oettle

 Heimatgrüße

Neulich hatte ich einen Flyer im Briefkasten: »Neu: Dezember Special! Alle Champions-League-Spiele auf 15 Flatscreens!!!« Traurig, zu welchen Methoden Mutter greift, damit ich öfter zu Besuch komme.

Leo Riegel

 Sprichwörter im Zoonosen-Zeitalter

Wer nichts wird, wird Fehlwirt.

Julia Mateus

 Schwimmbäder

Eine chlorreiche Erfindung.

Alice Brücher-Herpel

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

  • 26.10.:

    Chefredakteurin Julia Mateus spricht über ihren neuen Posten im Deutschlandfunk, definiert für die Berliner-Zeitung ein letztes Mal den Satirebegriff und gibt Auskunft über ihre Ziele bei WDR5 (Audio). 

  • 26.10.:

    Julia Mateus erklärt dem Tagesspiegel, was Satire darf, schildert bei kress.de ihre Arbeitsweise als Chefredakteurin und berichtet der jungen Welt ein allerletztes Mal, was Satire darf. 

  • 26.10.:

    Ex-Chef-Schinder Moritz Hürtgen wird von Knut Cordsen für die Hessenschau über seinen neuen Roman "Der Boulevard des Schreckens" interviewt (Video) und liest auf der TAZ-Bühne der Buchmesse Frankfurt aus seiner viel gelobten Schauergeschichte vor (Video). 

  • 19.10.:

    Stefan Gärtner bespricht in der Buchmessenbeilage der Jungen Welt Moritz Hürtgens Roman "Der Boulevard des Schreckens".

  • 12.10.: Der Tagesspiegel informiert über den anstehenden Chefredaktionswechsel bei TITANIC.
Titanic unterwegs
08.12.2022 Köln, Senftöpfchentheater Moritz Hürtgen
09.12.2022 Dresden, Alter Schlachthof Martin Sonneborn mit Gregor Gysi
11.12.2022 Frankfurt, Buchhandlung Schutt Bernd Eilert mit Greser & Lenz
11.12.2022 Frankfurt, Stalburg-Theater Pit Knorr & Die Eiligen Drei Könige