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Sie soll frischen Wind in die Deutsche Bahn und die Züge wieder ins Rollen bringen: Auf ein Gespräch mit Bahnchefin Evelyn Palla vor der DB Lounge

(Anm.: Der Autor besaß kein Fernverkehrsticket)

Frau Evelyn Palla, entschuldigen Sie die Verspätung …

I wo! Das passiert den Besten.

Frau Palla, Sie müssen die Bahn fit für morgen machen. Wie wollen Sie den ächzenden alten Kahn in die Zukunft führen?

Das ist eine große Aufgabe, denn da geht es um nicht weniger als unsere gesamte Einstellung zum Reisen an sich. Die stammt noch aus den Zeiten der Eisenbahn und hat sich hierzulande gehalten. Das Stichwort lautet Dynamic Traveling: Wir müssen weg von der Vorstellung starrer Fahrpläne und fixer Destinationen. Der moderne Mensch geht zum Bahnhof und lässt sich auf das jeweils neue Angebot ein. Das muss alles agiler werden, analog zu unserer Arbeitswelt. Wir befinden uns mitten in einem Übergang, an dessen Ende mehr Freiheiten für alle stehen. Freiheiten, mit denen wir aber lernen müssen umzugehen. Man kann sich zum Beispiel fragen: Muss ich heute wirklich nach Duisburg? Tut es nicht auch Karlsruhe?

Oder Kassel.

Exakt. Der moderne Mensch ist fluide, flexibel und adaptiv. So ist auch der Pendler von heute kein Fahrgast mit schwerem Koffer und ausgedruckter Route mehr, er ist ein Explorer mit Tablet und Le-Crobag-Nascherei im Anschlag. Er hat nichts mehr zu verlieren als seine Zugbindung.

Kritiker dieses Konzepts interpretieren das alles nach eher gestrigen Kategorien, behaupten, die Bahn sei unpünktlich.

Das ist die alte Sichtweise, die wird sich auch nicht so eben von heute auf morgen wegwischen lassen. Ich sage diesen Leuten: Gut, dann sind wir eben unpünktlich. (lacht) Wir haben aber versucht, das in selbstironischen Werbespots aufzunehmen. In unserer Werbung zu signalisieren: Wir wissen es. Wir sind anstrengend, und es ist auch überhaupt nicht mehr witzig. Das bringen die Clips meines Erachtens gut rüber.