Grok ist groß Zuerst glaubten die Menschen an Götter, dann an die Vernunft und heute an den KI-Bot Grok. So in etwa jedenfalls verlief der Weg der Menschheit nach der Dialektik der Aufklärung. Und inmitten des Tech-Bro-Kults erlebt man nun die Wiedergeburt des Orakels und des Glaubens an eine quasireligiöse Autorität, die einem doch endlich die drängenden Fragen beantworten soll: Welcher Shitcoin geht als Nächstes steil? Warum ist Elon der Größte? Und: Hat die Nutzerin hinter dem Onlyfans-Account, unter den ich kommentiert habe, mich vielleicht doch ein klein wenig lieb? Besonders beliebt ist die KI als Argumentationshilfe, als externes Gehirn und persönlicher Assistent mit Wiki-Schnellzugriff, der dem Nutzer immer dann Fakten als Wurfmaterial zuschleudern soll, wenn ihm die Punkte des Gesprächspartners mal wieder so gar nicht behagen. Wie der Knight Rider einst mit seinem Auto K.I.T.T. sprach, um gemeinsam noch aus den verfahrensten Situationen zu kommen, so erhofft sich der moderne Nutzer von Grok den Turboboost in der Diskussion mit verfeindeten Accounts. Es hat etwas Goldiges, wenngleich immer auch Entwürdigendes für die Gattung Mensch, einem Grok-User dabei zuzusehen, wie er Elons Power-KI konsultiert, um eine digitale Pausenhof-Reiberei vielleicht doch noch gewinnen zu können. Nicht nur, weil aller Welt längst bekannt sein könnte, dass Grok von seinem irrlichternden Schöpfer regelmäßig auf eine neue postfaktische Erzählung hin programmiert wird, sich somit selbst wiederum nur allzu eilfertig dem Niveau der Nutzer anpasst. Es ist damit ein ewiger Kreislauf in Gang gekommen: Die Nutzer bedanken sich artig nach dem neuesten Tweak aus dem Headquarter, mit dem sie sich endgültig gegen alles und jeden gewappnet fühlen, und Groks Macher schrauben weiter an der KI herum, auf dass sich eines Tages keine Regung mehr einstellen möge, keine Irritation, die all den Glauben und das Einverständnis noch einmal stören könnte. So wird es dann wohl auf immer und alle Zeiten weitergehen. Grok, stimmt das wirklich? Beitragsnavigation Das neue Heft ist da! FINANZIERT DURCH IHRE STEUERGELDER! Eugen Egners »Gift gibt Kraft«