Zu viele blinde Bauern stürzen säend in den Abgrund. Sebastian Maschuw Taktvoll Über Musik zu schreiben sei so wie über Architektur zu tanzen, behauptet ein beliebtes Aperçu, das wohl die geistige Auseinandersetzung mit der Tonkunst herabwürdigen will. Mich aber erinnert es an die unzähligen Male, bei denen es auf der Tanzfläche um nichts Geringeres ging als um nachkriegsmoderne Mietskasernen, den DDR-Plattenbau und die öffentlichen Zweckbauten der Nullerjahre! Mark-Stefan Tietze Supernerviger Berufsstand »Dä Staatsanwalt mag noch so dränge – für Mundraub lass isch disch net hänge. Isch richte lieber unverfänglisch und verpass dir lebenslänglisch.« Schlimmer noch als Mundartdichter: der Mundart-Richter. Norbert Behr Zwangsstörung trifft Weltschmerz Beim Betreten meines Zuhauses kommt immer die quälende Frage auf, ob die Krisenherde da draußen wirklich aus sind. Ronnie Zumbühl Fragen an die Leser (42) Findet ihr es auch so demütigend, wenn die Kassiererin im Supermarkt kurz in euren Eierkarton schaut, bevor sie ihn über den Scanner zieht? Uwe Becker Gedanken in meiner Studierstube In meiner Brust, da wohnen sieben Seelen. Vier von ihnen dürfen noch nicht wählen. Zwei weitere sind schon total dement, sprich: altersblöd und meistens ungekämmt. Nur die siebte ist erwachsen und bei Sinnen, nur leider immer unterwegs, nie in mir drinnen. Ella Carina Werner Dem Volksmund entsprechend Aber als Prädikat für Discounter-Eigenmarken. Karl Franz Paddy goes to Lonelyland Beim Sichten alter Irland-Fotos kamen mir neulich meine legendären Irish-Folk-Sausen aus den 90ern in den Sinn. Um die Magie der Grünen Insel abseits der Ferien auch daheim zu spüren, veranstaltete ich kleine Wohnzimmerkonzerte, bei denen ich geladene Gäste mit leidenschaftlich auf der Gitarre performten Rebel & Drinking-Songs zu begeistern hoffte. Auch wenn mein Faible für »Dirty Old town« und »Whisky in the Jar« niemand wirklich verstand und sich der letzte Zuhörer bereits nach zehn Minuten heimlich vom Klo Richtung Techno-Mühle verdrückt hatte, war meine amateurhafte Hingabe nicht umsonst: Das Gefühl, auf einem schroffen Eiland an der irischen Westküste in völliger Isolation zu leben, transportierten die kultigen Solo-Gigs nämlich erstaunlich gut. Patric Hemgesberg Beim Blick in den Spiegel während eines Mundhygienevorgangs Das sind keine Lachfalten, das sind Mundhygienefalten. paulaner Positivismus »Und du bist Lehrer?« »Eigentlich nicht. Eigentlich bin ich Philosoph.« »Und da kannst du auch Lehrer?« »Eigentlich nicht.« »Und was kann so ein Philosoph?« »Eigentlich nichts.« »Und das reicht, um Philosophie zu unterrichten?« »Eigentlich nicht.« »Aber du unterrichtest Ethik.« »Leider ja.« »Und die Schüler lernen da was.« »Eigentlich nicht.« Es ist immer wieder erfrischend, mit einem dermaßen positiv eingestellten Menschen zu sprechen. Ludger Fischer Bilden Sie mal einen Satz mit Arthrose Es sticht und schmerzt das Blümelein. Das wird so ’ne Arthrose sein. Patrick Fischer Vegetarische Alternative Ich bin über die Fleischersatzprodukte zum Vegetarismus gekommen – ich bin ein Seitaneinsteiger. Lukas Haberland Der vermutlich osteuropäische Bettler, der Anfang Dezember in einer Mainzer Einkaufsstraße auf dem Boden sitzt und vermittels seiner zehenlosen Fußballen vorzeigt, was er nicht hat, ist offenbar ein Meister des Paradoxons. Frank Jakubzik Orthopädische Mythologie Als Ischias an diesem Morgen erwachte, entschied er spontan, sich von nun an voll dahinterzuklemmen. Loreen Bauer Die Volokralle Flugtaxis sind nur der Anfang! Mir kam eine weitaus bessere Idee für ein Transportmittel, das bisher noch nicht existiert: Die Stadt wird von einem massiven Traggerüst durchzogen, ähnlich dem der Wuppertaler Schwebebahn. An seiner Schiene fährt ein übergroßer Greifarm entlang. Kennen Sie diese Spielautomaten mit den Plüschtieren? Die mechanische Hand angelt sich die einzelnen Passagiere, indem sie sie sanft am Kragen hochhebt, und befördert sie ans andere Ende der Stadt. Einziges Manko des Pilotprojekts: Für jeden der zahlreichen Versuche, die die Kralle benötigt, um den Passagier zu erwischen, muss dieser eine Ein-Euro-Münze in den Fahrkartenautomaten werfen. Leo Riegel Wertschätzung für alle Auch für Exhibitionisten in der Fußgängerzone ist es wichtig, gesehen zu werden. Julia Mateus Beitragsnavigation Briefe an die Leser | Februar 2024 Februar 2024