Selbstoptimierung

Mit Stolz habe ich festgestellt, dass ich mittlerweile zur Entspannung und Freizeitgestaltung auf Hobbys, Literatur und Kultur verzichten kann und mir ein einfaches Smartphone reicht.

Schmonnie Mücke

Wahrscheinlich falsch

Mir passieren ähnlich viele wahrscheinliche wie unwahrscheinliche Dinge. Ist wohl nicht so weit her mit der Wahrscheinlichkeit.

Marcel Pfeiffer

Warme Worte

Der Eisbrecher auf allen Feten und Feiern: Tautologie.

Daniel Sibbe

Reverse Aufklärung

Jugendlichen, die im Internet bekanntermaßen schon früh mit Pornografie in Berührung kommen, braucht man von Bienchen und Blümchen wahrlich nichts mehr zu erzählen. Es sei denn, man beabsichtigt, ihnen die dramatischen Folgen des Bienensterbens anhand expliziter Schilderungen von Sexpraktiken zu erläutern.

Leo Riegel

Zu spät geboren

Meine Therapeutin meinte, ich könne meine moralischen Vorstellungen nicht auf andere übertragen. Ich meinte, Sophie Scholl könnte noch leben, hätte sie sie als Therapeutin gehabt.

Markus Riexinger

Kleine Adelskunde

Blau ist die Farbe des Adels – auch bei den Kassenbons. Denn blaue Kassenbons erhalten sogar Einlass in die begehrte blaue (!) Tonne und dürfen ihren Lebensabend im Kreise der Frankfurter Allgemeinen, der Zeit oder vielleicht sogar von Le Monde verbringen. Herkömmliche Kassenzettel hingegen mit ihren niederen Schichten (Chemikalien auf Thermopapier): müssen mit dem stinkigen Restmüll vorliebnehmen. Klassischer White Trash eben.

Fritz Krautzenberger

Kreative Frage

Warum nennt die Medienbranche und Kreativwirtschaft ihre Großraumbüros, in denen man dicht gedrängt in kleinen, durch Raumteiler umrandeten Zellen Ideen ausbrüten muss, nicht einfach Überlegebatterien?

Jürgen Miedl

Eilmeldung

Seitdem ich eine neue Ausbildung absolviert habe, besuche ich regelmäßig Newsseiten und halte Ausschau nach neuen Berichten. Ich lese sie nicht, sondern scrolle sofort zur Kommentarspalte. Nicht selten schreie ich die Berichte sogar an: »Lasst mich verdammt noch mal durch, ich bin First Responder!«

Ronnie Zumbühl

Güteklasse Aaaaaah!

Bei Rückenschmerzen setze ich grundsätzlich nur auf solche aus eigener Fehlhaltung!

Burkard Niehues

Zottenreißer

Wenn der Vermieter auch Heilpraktiker ist, reicht dann eine Darmsanierung als Kündigungsgrund?

Viola Müter

Schwitzen wie die Finnen

Euer städtisches Wellnessbad hat angekündigt, den Spa-Bereich wegen der drohenden Energiekrise demnächst weniger stark zu beheizen? Eine lästige, aber alternativlose Maßnahme, die man kinderleicht durch pragmatische Anpassung kompensieren kann: Wenn die Temperatur in der Saunalandschaft auf frostig kühle 85 bis 89 Grad Celsius gesunken ist, einfach zwei dicke Pullover extra drüberziehen, dazu pro Saunagang 70 bis 120 Liegestütze machen und in den Pausen, statt kalt zu duschen, mehrere Kannen frisch aufgebrühten Holundertees hinunterstürzen. Vom sogar noch aufgewerteten Hitze-Erlebnis 2.0 werdet ihr begeistert sein. Das Beste: Mit der sich nur sehr langsam abbauenden Körperwärme könnt ihr im Winter noch 1 bis 2 Wochen kostenlos eure Wohnung heizen oder als rotglühend dampfender Schneeengel die Einfahrt eures Nachbarn von Glatteis freischmelzen. Warnungen von sogenannten »Medizinern« solltet ihr hingegen am besten ignorieren. Zwar ist der menschliche Organismus auf eine über Wochen konstante Temperatur von 42 Grad plus nicht unbedingt ausgelegt, aber mit einer regelmäßigen Tagestrinkmenge von mind. 17 Litern sollte auch das kein Problem für euch sein. Und – seid ihr jetzt heiß? Na dann, ab in die Schwitzhütte!

Patric Hemgesberg

Ganzheitlicher Ansatz

Meinem Mitbewohner ist ja damals nach dem ersten Praktikum nahegelegt worden, das Medizinstudium sein zu lassen. Fachlich passte es eigentlich, menschlich lief’s so weit auch ganz gut. Aber irgendwie kam es nicht so gut an, als er der schwer mitgenommenen Frau eines Koma-Patienten Entspannung und »Zeit zum Abschalten« wünschte.

Wieland Schwanebeck

Früh übt sich

Im Kindergarten meines Neffen wird jetzt gegendert: Die Jungs werden gehänselt, die Mädchen gegretelt.

Patrick Fischer

Smartwatch

Der Discounter meines Vertrauens offerierte jetzt als Aktionsware eine anscheinend ungewöhnlich günstige Smartwatch mit 60 vorinstallierten Sportmodi, Überwachung von Schlafqualität sowie Stressniveau u. a. m. Vor lauter Aufregung tat ich die halbe Nacht kein Auge zu. Und wirklich: Als ich am nächsten Tag in die Filiale eilte, war die Uhr bereits vergriffen. Ärgerlich. Aber immerhin schlafe ich seitdem wieder ruhiger.

Norbert Behr

So ist’s brav

Muss man sich über seine psychische Verfassung eigentlich Sorgen machen, wenn man sich beim Verrichten anstrengender Hausarbeit selbst lobt wie einen jungen Hund? Ich frage natürlich nicht für mich, sondern für einen Freund. Einen guten Freund, einen ganz feinen!

Alexander Grupe

Zeitungsherbst

Eine Meldung, die für ein bisschen Abwechslung in der Schlagzeilenödnis sorgen würde: Leichensammler findet lange vermissten Pilz.

Theobald Fuchs