China

Vor einigen Jahren machte ich eine geführte Tour durch Peking. Verbotene Stadt, Mauer und Tempel, das war alles sehr eindrücklich, doch die Rückfahrt zum Hotel in dem kleinen Reisebus war mindestens ebenso einprägsam. Die Mitreisenden sahen interessiert oder abwesend aus dem Fenster, einige plauderten mit den Sitznachbarn, doch kaum jemand nahm Notiz von unserem Reiseführer, der auf dem Monitor seinen Lieblingsfilm »Kung Fu Panda« vorführte, simultan übersetzend, glücklich versunken, gestikulierend, in verschiedenen Stimmlagen und auch mit Gesang.

Miriam Wurster

Kommt ’ne Frau beim Arzt …

… macht etwas Smalltalk in beider heimatlichem Dialekt, wird korrekt behandelt und geht nach Hause.

Jasper Nicolaisen

Spiel für Kinder in erzkatholischen Familien

Ich sündige was, was du nicht siehst.

Jürgen Miedl

Saubere Sache

Bei meinem Kumpel kann man den gerade vorherrschenden Verschmutzungsgrad in seiner WG daran erkennen, dass er sich, wenn ich ihn morgens zur Uni abholen möchte, sein Nutellabrot in Ermangelung sauberen Bestecks seelenruhig mit der EC-Karte schmiert.

Matthias Stangel

Überfällige Frage

Warum wirbt Rudi Völler eigentlich nicht für All-you-can-eat-Restaurants?

Fabio Kühnemuth

Die Jugend von heute

weiß, mit ausgereifter Selbstreflexion zu überzeugen. So konnte ich heute Morgen beobachten, wie ein Halbstarker auf einen anderen, der schon am Boden lag, einschlug und rief: »Der Klügere gibt nach! Bin ich aber nicht.«

Nick Hertzberg

Religionskritik

Jesu Wiederauferstehung ist das Ergebnis typisch südländischer Schlamperei und Nachlässigkeit. Wäre er von Deutschen gekreuzigt worden, wäre das nicht passiert. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Katharina Greve

Neulich habe ich geträumt,

meine Oma hätte wieder mit dem Rauchen angefangen. Erst war ich besorgt, dachte aber dann: Ach, warum denn eigentlich nicht? Sie ist ja eh schon ein paar Jahre tot.

Cornelius W.M. Oettle

Bild von Richard

Eine Freundin hat mir neulich ihr Leid bezüglich Dating-Apps geklagt. Besonders Tinder sei schlimm, ständig bekomme sie von dort kennengelernten Männern dick pics, sobald sie von Tinder zum nutzerfreundlicheren Whatsapp gewechselt seien. Deswegen hat sie sich bei Elitepartner angemeldet. Hier bekomme sie zwar immer noch dick pics, die Männer auf den Bildern seien aber am restlichen Körper wenigstens besser angezogen.

Karl Franz

Namenskunde

Der bayerische Ortsname Froschkern wurde 1439 zum ersten Mal erwähnt, und zwar unter Alkoholeinfluss. Mehr ist nicht bekannt.

Tibor Rácskai

Krankheitsbild

Nachdem der Heimweg von der letzten Fahrradtour recht leicht fiel, ich allerdings zu Hause auf meinem Rücken unterhalb der linken Schulter juckende Pusteln entwickelte, frage ich mich, ob diese Erkrankung schon mit der ihr gebührenden Gründlichkeit erforscht wurde: die Rückenwindpocken.

Theobald Fuchs

Trinklustig,

ja durstig hatten wir die Hotelbar aufgesucht. Der Barkeeper allerdings kam hartnäckig nicht zu uns, um dann, nach endlich erfolgter Bestellung, für ziemlich lange Zeit spurlos zu verschwinden. Aber warum wunderten wir uns? Schließlich nannte sich die Wellnessabsteige, in der wir gelandet waren, nicht nur »Resort«, sondern eben auch »Hideaway«.

Irmtraud Hnilica

Tiefe Einsicht

Eine internationale Gruppe von Corona-Forschern hat untersucht, welche Menschengruppen am häufigsten gegen die Maskenpflicht verstoßen. Ganz vorn liegen Apnoe-Taucher.

Andreas Maier

Wohlfühlmusik

Gestern erstmals den Text zu »Wunderschön« von CJ Taylor bewusst gehört. Da war die Textpassage: »Komm, ich zeig’ dir die Sterne / Und bitte sei nicht voreingenommen.« Voreingenommenheit gegen Sterne! Das kenne ich gut. Spätestens seit dem Lied »Ein Stern (… der deinen Namen trägt)« von DJ Ötzi. Wie oft habe ich gedacht, das hätte nur ich, und ich wäre bestimmt ein Freak. Jetzt fühle ich mich viel besser.

Christian H. Lemke

Urlaubsgruß (73)

Wer Zwietracht sät,
Wird Zwietracht ernten.
Wer gar nichts kann,
Der fährt nach Kärnten.

Gunnar Homann

Frage in die Bubble

Wie lange kann man seine Posts eigentlich vordatieren? Wenn man also zum Beispiel weiß, dass man in der echten Welt bald das Zeitliche segnet, wie lange kann man seine Wenigkeit in Social Media dann noch weiterexistieren lassen? Genauso unbeschwert, genauso umtriebig und genauso repräsentativ wie bisher, mit täglichen Statusmeldungen und unterhaltsamen Spitzen zum persönlichen Befinden und Weltenlauf, vordatiert auf Tage, Wochen, Jahrhunderte? Es darf, es soll alles so weitergehen wie immer, so lange es eben geht, so lange man seine Posts eben vordatieren kann. So lange darf man in Gestalt seines Avatars noch ein wenig mitspielen, noch ein wenig im Äther nachklingen. Und der Avatar selbst? Bekommt gar nichts davon mit, dass er seine letzten Meter alleine geht. Dass er eigentlich schon Vergangenheit ist. Er ist einfach da, grinst in die Welt, bis er eines schönen Morgens plötzlich für immer einfriert. Wann genau das sein wird, hängt, wie bereits erwähnt, davon ab, wie lange man seine Posts vordatieren kann. Also?

Teja Fischer

Jugend ohne Internet

Wer die Filmrechte an meiner in den Neunzigern fulminant verkorksten späten Teenagerzeit kaufen möchte, kann sich gerne bei mir melden. Betreff: »How to Buy Drugs Offline (Slow)«.

Jan Guthmann

Pfeifen

Seit mein Freund Martin diesen Tinnitus hat, ist er richtig mies drauf und unausstehlich. Ein paar Freunde fangen schon an, ihn zu meiden. Das Ding ist aber auch laut!

Rolf Karez

Herrgott noch mal

Gottes Wege sind unergründlich? Pah! Regen ist zum Beispiel Gottes Weg, zu sagen: »Dusch endlich.«

Felix Scharlau

Ausgekocht

Leider gibt es bei unserer neuen, voll ausgestatteten Designerküche gleich massiven Grund zur Reklamation: Der Prospekt vom Lieferdienst rutscht immer hinten aus der Schublade.

Markus Berger

Das waren andere Zeiten

1978, 1912, 1848, 1680, 1524 (wird fortgesetzt)

Elias Hauck