Flirten mit System Ich laufe jetzt nur noch unrasiert, übernächtigt und mit Schnapsfahne herum. Die Frauen sollen denken, ich sei erfolgreicher Chirurg. Ringo Trutschke Porträtschreiber Ich habe ein neues, wunderschönes, aber auch gefährliches Hobby. Ich setze mich auf die Straße und biete an, das Gesicht von Menschen in einem kleinen Text zu beschreiben. Leider scheint es vielen Menschen leichterzufallen, eine Zeichnung ihrer mies geformten Visage zu ertragen als eine Beschreibung wie »heimtückisch schielende Augen einer mir nicht bekannten Farbe sitzen nervös glotzend über einer delligen Rübennase, die dem reizlosen Gesamteindruck etwas liebenswert Humoristisches verleiht …«. David Zauner Eine kleine Saugmusik Die Manöver meines Staubsaugerroboters sind heute wieder so umständlich und bar jeder Logik. Ich bereue es so sehr, ihm keine klassische Musik vorgespielt zu haben, als er sich noch in der Originalverpackung befand. Luise Braun Puffregel 68 Wer zweimal mit derselben pennt, zahlt doppelt im Etablissement. Daniel Sibbe XXL Seit der gestrigen Filmfest-Eröffnungsgala verstehe ich endlich die Vorliebe der Kulturschaffenden für grotesk überdimensionierte Schals: Zusätzlich zu ihrer Funktion als intellektuelles Distinktionsmerkmal sind sie ideal, um auf einen Schlag – und nach guter deutscher Tradition – Dutzende Sitze im Theater- bzw. Kinosaal zu »reservieren«. Fabio Kühnemuth Paradox rocks Auf meiner langjährigen Suche nach dem perfekten Widerspruch, dem ultimativen Paradoxon, wurde ich endlich fündig, als ich in einem namhaften Musikgeschäft zufällig folgenden Titel auf einer CD las: The Very Best of SCORPIONS. Thorsten Mausehund Wenn das Erscheinen in ungezwungener Garderobe verlangt wird, handelt es sich dann eigentlich noch um ungezwungene Garderobe? Chris Scholz Späte Erkenntnis Da musste Dita den Kopf ihres Mannes erst in zwei Teile spalten, um sich einzugestehen, allabendlich neben einer Kokosnuss eingeschlafen zu sein. Teja Fischer Der Grenzgänger Immer, wenn er sich selbst fühlen wollte, rieb er sich alle Schleimhäute, die er an seinem Körper finden konnte, mit einer frisch aufgeschnittenen Chili ein. Konstantin Hitscher Der Rauchmelder Unangenehm: Die zwei Jahre, die man nach der Geburt des Babys braucht, bis man endlich einen Rauchmelder für das Kinderzimmer kauft. Horror: Die Zeit danach, in der die noch ungeöffnete Rauchmelderschachtel täglich für schlechtes Gewissen sorgt. Erlösend: Wenn das Kind kurz darauf verkündet, jetzt könne man den Rauchmelder auch nicht mehr anbringen, schließlich würde es schon seit Monaten in seinem Jugendzimmer rauchen. Felix Scharlau Gehaltvolle Gespräche Unterhalte mich seit neuestem mit Sahne, da sie als schlagfertig angepriesen wird. Emil Kaminski Von gestern Gegen die fast völlige Abwesenheit von Frauen bei »Sketch History« (ZDF) kann man nichts sagen. Schließlich gab es in der Vergangenheit kaum Frauen. Miriam Wurster Guter Trip Auch bei der Arbeit immer mal die Beine hochlegen, denn wenn die Füße Urlaub haben, verreist der ganze Mensch. Dominik Wachsmann Wirklich jede Sache hat zwei Seiten: Der Vorteil eines ordentlichen Atomkriegs wäre zum Beispiel, dass es danach endgültig keine Atomwaffen mehr gäbe. Theobald Fuchs Bei der Firmenfeier »Musst du Insulin spritzen?« »Nee, das is ’ne E-Zigarette.« Julia Mateus Ihr Geld kann mehr Immer wenn ich das Wort Thesaurierung lese, stelle ich mir vor, wie meine Aktienpakete sich in riesige Saurier verwandeln und Bankangestellte in Stücke reißen. Leider sind Geldgeschäfte nicht so spannend, wie sie klingen. Auch der versprochene Dachs im Keller blieb bisher aus. Tobias Speckin Frage an die Wissenschaft Sind Bahnhofsbuchhandlungen, die nicht das Gesamtwerk von Paulo Coelho auf Lager haben, eigentlich richtige Bahnhofsbuchhandlungen? Karl Franz Landlust Während ich mich noch über den Zeitverlust ärgere, den das notgedrungene Ausweichen auf den Schienenersatzverkehr und die damit verbundene Tingelei über die Dörfer mit sich bringen, verdeutlicht mir das Gespräch zweier Mitreisender immerhin bisher noch unbekannte Vorteile des Stadtlebens: »Guck dir das hier mal an, wie trostlos!« – »Ja, hier haste doch höchstens zwei Matches bei Tinder!« Matthias Stangel Kapitalismus, verpiss dich! Einkaufen gehen, wenn man schon seit einer halben Stunde dringend mal pinkeln muss. Dann kauft man wirklich nur das Nötigste. Eggs Gildo Endlich! Die Band für alle mit Lakoseintoleranz: Ayran Meiden. Markus Strathaus Selbstreflexive Ernüchterung Wenn ich mich mit Anfang Dreißig eher unreif als altersgemäß verhalte, das Gefühl habe, so gar nicht erwachsen zu sein oder es wenigstens werden zu wollen, ständig meinen gesellschaftlichen Status hinterfrage, stecke ich dann eher in der Post-Adoleszenz oder mitten in der Midlife-Crisis? Und wenn letzteres: Heißt das, ich sterbe schon mit Anfang 60? Tim Ulrich Hoffnungsloser Fall Neulich in der Warteschlange: »Ja, früher habe ich auch immer gerne Tatort geschaut, als er noch mit Derrick war und so …« Tina Wirtz Zensur Was mich voll aggro macht: wenn sie im Film die Gewalt rausschneiden. Sascha Dornhöfer Distinktionsmerkmal Dass er es im Leben zu etwas gebracht hat, erkennt der Kundige weniger daran, dass er sich die teuren Aufsteckbürsten für seine elektrische Zahnbürste problemlos leisten kann, als vielmehr daran, dass jeder Tropfen Zahnpasta-Speichel-Gemisch, der seine Mundwinkel herabrinnt, auf der Plauze landet anstatt im Waschbecken. Marcel Vega Die guten Seiten sehen Wenn die Reichsbürger doch recht haben, das Deutsche Reich immer noch existiert und die BRD kein Staat, sondern eine GmbH ist, dann hat es mit Angela Merkel wenigstens mal eine Frau an die Spitze eines wirklich großen Unternehmens geschafft. Jürgen Miedl Was macht der Influencer im Club? Netztwerken. Elias Hauck Eissalon Von meinem Date im Eissalon für alle hörbar zurechtgewiesen worden: »Du weißt aber schon, dass Schlumpf-Eis nicht die politisch korrekte Bezeichnung ist?!« – Sex war dann später auch nicht so toll. Linus Volkmann Beitragsnavigation Briefe an die Leser | Juli 2018 Juli 2018