Muss ich ein kostenpflichtiges Abo für den Meinungspodcast meines besten Freundes abschließen? Gegenseitige Unterstützung ist unter Freund:innen wichtig – einer Freundin zuzuhören, wenn es ihr schlecht geht, genauso wie einem Freund auf die Schulter zu klopfen und das Thema zu wechseln, wenn es ihm schlecht geht. Ich selbst unterstütze auch gerne die Hobbys meiner Freund:innen, z. B. von Regina, die das Kochen für sich entdeckt hat. Im Restaurant würde ich eine verkochte Paprika zurück auf den Teller spucken. Für ihre Kochambitionen wäre das aber ein schwerer Rückschlag, deshalb entschuldige ich mich kurz auf die Toilette. Ich verstehe aber, dass Support einfacher gesagt ist als getan, wenn es sich bei dem Hobby Ihres besten Freundes um einen Meinungspodcast handelt. An sich sind Meinungen nichts Schlechtes. Gerade in Freundschaften ist es wichtig, sich regelmäßig die ehrliche Meinung zu sagen. Klar, Ihr bester Freund ist eher dazu da, Ihnen eine klare Ansage zu Ihrem Mikro-Pony zu machen, und zwar kostenlos und vis-à-vis, und nicht eine Meinung per Podcast zu Frauke Brosius-Gersdorf zu übermitteln, für die Sie zehn Euro im Monat zahlen müssen. Ihr Fall ist jedoch an sich nichts Außergewöhnliches. Irgendwann kommt in jeder Freundschaft der Moment, in dem man vor der Frage steht, wie viel sie einem eigentlich wert ist. Also konkret in Zahlen, Moneten, in Kröten sozusagen. Bei manchen Menschen geht es dann darum, ob sie die 20 Cent, die sie einer Freundin für ein Kiosk-Bier geliehen haben, zurückverlangen sollten, und bei Ihnen nun mal um ein Podcast-Abonnement. So gesehen wäre es doch ein Armutszeugnis, wenn Ihnen die Freundschaft keinen Cent wert wäre, oder? Eigentlich sollten Sie sogar froh sein. Ihr Freund könnte Sie auch darum bitten, seinen Podcast zu teilen. Dann lieber seine Leidenschaft finanziell unterstützen, als seine Meinung zu feministischer Außenpolitik öffentlich bei Instagram posten zu müssen, oder? Wer etwas teilt, macht sich nämlich mitschuldig. Monatlich zu zahlen kann auch eine schöne Geste sein, weil Sie ihm damit zeigen, dass Sie sich langfristig binden wollen. Ich sag nur Kindergeld: Die langanhaltendsten Beziehungen basieren auf einem Abomodell. Beitragsnavigation Lindner vs. TITANIC: Jetzt wird’s ernst! Wenn das der Führer wüsste …