Austherapiert

Nasemann und Tigges trennen sich. Nein, das ist keine neue Geschichte von Janosch, auch wenn die Nachricht wohl ebenfalls primär unter Zeit-Abonnenten für Aufsehen sorgen dürfte. Marie Nasemann und Sebastian Tigges waren mit ihrem Podcast »Family Feelings« so etwas wie der Rufus Beck für Berliner Selbstverwirklichungs-Hipster. Jede Folge eine warme Handvoll Arganöl für die Seele. Ein Beziehungsprojekt in der Nachbesprechung für alle, denen Selfcare zum Selbstzweck geworden ist.

»Waren die beiden es nicht immer, die es am besten von uns allen machten? Die Konflikte hatten, sie aber lösten«, liest man dazu passenderweise in der Zeit. Und weiter: »Die Ich-Botschaften formulierten und beide so herrlich austherapiert schienen.« Ein Satz, der selbst schon für die Gummizelle qualifiziert. So redet niemand, der lebt, liebt oder Schmerzen spürt, die sich beim Hören doch unweigerlich einstellen müssten.

Was »herrlich austherapiert« wohl heißen mag? Das Ende der Gefühle und Widersprüche? Die emotionale Friedhofsruhe, die man in ferner Zukunft irgendwo im Paartherapiezimmer mit Monstera-Palme als Belohnung für harte Seelenarbeit wie einen Schatz zu bergen hofft? So oder so ähnlich muss jedenfalls die innere Einrichtung eines Milieus aussehen, in dem Therapie zu einem Coaching verkommt, zur Toolbox, mit deren Hilfe man noch das Intimleben in eine dröge und nie endende Workshop-Bastelei verwandeln kann.

Die ständige Therapie ist nicht zuletzt auch sozialer Code und Koketterie dort geworden, wo man sich in die eigene Leere verliebt hat. Das ewige Kreisen um die eigenen Befindlichkeiten wirkt auf hypnotische Weise attraktiv auf Menschen, die von der Social-Media-Floskel »Wir müssen reden« angesprochen statt abgestoßen werden und deren Ziel es offenbar ist, sich eines Tages selbst in den eigenen Kommunikationstechniken und Podcasts aufzulösen.

Jetzt ist also das Ende gekommen, zumindest für Nasemann und Tigges. Via Instagram und in einem Tonfall zwischen Elternabend-Protokoll und der Bilanzmeldung eines Start-ups verkündet. Die Synergiepotentiale sind ausgenutzt, emotionale Kapazitäten erschöpft, man hört voneinander. Unterm Strich hat es sich aber hoffentlich und sicherlich gelohnt.

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