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Weh, unser guter Swami ist tot! Redaktion und Verlag der TITANIC trauern um ihr langjähriges Heftmaskottchen Swami Durchananda. Über viele Jahre hinweg sorgte der schwersterleuchtete Wander- und Wunderguru mit seiner göttlich gebenedeiten Art und seinem unnachahmlichen Pidgin-Englisch für das erweiterte Seelenheil der TITANIC-Leserinnen und -Leser. In Wort und Bild und Ton, in viel geklickten Youtube-Filmchen, Heftwerbespots auf Comedy Central und MTV und freilich auch live auf Bühnenveranstaltungen.

Wie sagte er da so richtig? »Hello, I’m Swami Durchananda and I’m the coolest person in the world.« Im wahren Leben hieß dieser Mann Stefan Veith und hatte, ebenso wie seine dicke Katze Brother Benjamin, mindestens sieben Leben.

Im alemannischen Schwarzwald geboren, ging er mit späteren RAF-Terroristen zur Schule, arbeitete hernach als Hausbesuchs-Weihnachtsmann und machte als solcher Smudo und anderen Jung-Fanta-4s die schönsten Bescherungen; er verdingte sich im Hotelgewerbe, enterte mit dem Aufkommen der Technobewegung das Musikgeschäft, avancierte bei Sony zum A&R-Manager, veranstaltete Techno-Raves und Charityevents für viele tausend Menschen, produzierte Platten, CDs, Sampler und Hörspiele, darunter auch die erste Katzenoper der Welt (für hr2 Kultur, zus. mit Peter Fey). Zeitlebens blieb er seinen Hausgöttern Gentle Giant, Kula Shaker oder den Flaming Lips treu, im Blumen- und Blütenmeer auf seinem »Balcony of love« ging die Boombox nie aus.

Darüber hinaus war er ein leidenschaftlicher Koch und Genießer, oblag in seinem Ashram Amendt der transzendentalen Tortenforschung, stopfte Würste mit feinsten Schwarzwälder Zutaten, besonders Glückliche versorgte er mit selbstgemachtem Kimchi. Mit seiner aufdringlich freundlichen Art scharte er eine imposante Blase denk- und merkwürdiger Menschen um sich, von CDU-Bundestagsabgeordneten über Psychologen, Tänzer, Klosterbrüder, Politiker, Musiker und Schriftsteller, von Vollerleuchteten bis Teilverdunkelten war alles dabei. Wie er es schaffte, dass sogar angehende Ministerpräsidenten in seinen Swami-Filmchen als Komparsen dienten, wird für immer sein Geheimnis bleiben.

Das Sterben übte er jahrelang und mit beeindruckender Routine. Zum ersten Mal verstarb er bereits vor drei Dezennien, doch holte ihn seine Katze wieder zurück ins Leben. Danach starb er in der Regel einmal pro Jahr, überlebte dabei aber gleich mehrere Immunschwächekrankheiten und Krebsdiagnosen. Nun entschied sein Körper, künftig nur noch den Geist von Swami Durchananda wirken zu lassen. Stefan Veith indes verschied am vergangenen Freitag in Frankfurt. Seine letzten Worte sprach er bereits vor achtzehn Jahren in einem TITANIC-Video: »God, please beam me up.«

Ein Nachruf von Oliver Maria Schmitt