Offenbacher Anthologie (4)

 

 

TONY KEMPBELL
NA WARTET

 

 

einmal so einen
in die Finger kriegen
einmal voll auf die Zwölf
diesem Bush diesem Wurm
von Rumsfeld
einmal ins Nirwana prügeln
den Saukopp Cheney
zack boing klatsch

Daß Alter milde stimme, hoffen die Oberen seit altersher und wissen, daß unmildes unversöhnlicher sein mag als Jugend, deren Feuer sich nach dem Wind dreht. Bis ins Frühjahr 2004 lebte der in Seattle geborene Kempbell als Pfarrer bei den Amish, bevor er, wie er schrieb, „die Schnauze voll hatte / von diesen / Wichsern“.  Auf einer blitzneuen Harley brauste er nach Kalifornien, machte eine Kneipe auf und veröffentlichte seither neun von der Kritik bejubelte Lyriksammlungen. „Dagegen war Bukowski ein Meßdiener. Hut ab!“ urteilte die Washington Post über Kempbell und seinen letzten Band „Arschlöcher“ (Edition Surhkamp), in den neben deftig politischer freilich auch Naturlyrik Eingang fand: „Scheißköter, verdammte, wecken / mich mit ihrem bekloppten Gebell / das Gepiepse der Drecksvögel / auch kacke sind Katzen usw“ heißt es im dreißigstrophigen Hymnus „Schrotgewehr“, der mit den Zeilen schließt: „Die ganzen Mistviecher können mich / mal kreuzweise, fuck!“ Seit George W. Bush hörte und hört man sie gern, diese neue Stimme des urbanen, widerständigen Amerika.     
DANIEL KEHLMANN

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