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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Protest

Es gehört ja zu den vornehmeren Aufgaben dieser Kolumne, allzu gängige Wörter zu meiden; weshalb auch nicht vom Narrativ die Rede sein soll, das die Aufarbeitung der jüngsten Naziwahl bestimmt (wie es schon jene Trumps bestimmt hat, auch hier), daß sich nämlich die Abgehängten Gehör verschafft hätten, zumal die im deutschen Osten, wie auch der „Tagesspiegel“ (Berlin West) wußte: „Begriffe wie ,wirtschaftliche Stärke Deutschlands’ oder ,Vollbeschäftigung’ prallen (mal abgesehen von eng begrenzten ostdeutschen Boomregionen) auf das Erleben einer unternehmens- und wachstumsarmen Heimatregion. In dieser sind Minijobs an der Tagesordnung und werden Handwerker zu Nomaden, die ihr Geld im Westen verdienen oder mit polnischen und tschechischen Niedrigpreiswettbewerbern zu kämpfen haben. Deshalb wählten im Osten nicht nur sozial Schwache, sondern vergleichsweise viele kleine Mittelständler AfD. Die so genannten ,Altparteien’ reden von Globalisierung und Digitalisierung und hinterlassen den Eindruck großer thematischer Ferne. Dagegen regt sich Widerstand in der Wahlkabine. Das Erschrecken der Demokraten davor, daß so viele Ostdeutsche eine Partei wählen, deren Vertreter zum Teil offen rassistisch auftreten, bestätigt die Protestwähler sogar: Jetzt wachen sie auf.“

Und tun dann was, außer selbst rassistisch zu werden? Was eine „Protestwahl“ eigentlich sei, muß sich einem ja auch nicht unbedingt erschließen, denn gegen Niedrigpreiswettbewerb (eigentlich also: Wettbewerb) ein „völkisches Gruselkabinett“ samt „zertifizierten Vollnazis“ („Wochenzeitung“, Zürich) zu wählen, ist zwar Protest, schön; aber gibt es, wie das Wort vom „Protestwähler“ suggeriert, den Protest als solchen, den reinen Denkzettel ohne implizite Handlungsanleitung? Gibt es nichts, worüber der Denkzettel die Herrschenden zum Nachdenken bringen soll? „Nach Infratest machte nur ein Drittel der AfD-Wähler sein Kreuz aus Überzeugung bei der Partei. 60 Prozent wählten aus Protest AfD. Das heißt, mehr als die Hälfte der Wähler entschied sich für die Partei, weil sie von den anderen enttäuscht sind – nicht weil die Positionen wirklich überzeugen“ („Sächsische Zeitung“). Aber sind die Wählerinnen von den anderen nicht deswegen enttäuscht, weil die anderen nicht die Positionen vertreten, die sie vertreten müßten, wollten sie gewählt werden? Und wie sähen diese Positionen dann aus?

„Der Faschismus versucht, die neu entstandenen proletarisierten Massen zu organisieren, ohne die Eigentumsverhältnisse, auf deren Beseitigung sie hindrängen, anzutasten. Er sieht sein Heil darin, die Massen zu ihrem Ausdruck (beileibe nicht zu ihrem Recht) kommen zu lassen.“ Benjamin, 1936

Im hinteren Drittel einer süddeutschen „Seite drei“ zum Thema, die die kurrenten und ja auch im eigenen Blatt gelieferten Erklärungen à la „das Gift der DDR“ durchspielt: „Was erklärt einem der ostdeutsche Mann über die kaum minder hohen Wahlergebnisse der AfD in manchen Teilen Bayerns oder Baden-Württembergs?“ und dagegen den „kulturellen“ Konflikt zwischen Stadt und Land, „Diskursverwaltern“ hie und Ungehörten da ins Licht gerückt wissen will, hören wir einen Berliner Kultursoziologen seufzen, am Ende laufe es „fast immer“ auf die Flüchtlingspolitik hinaus. Im niederbayerischen Deggendorf, wo 31,5 Prozent Stimmen für die AfD gezählt worden sind, hat „ein Mann auf der Straße, Anfang 60“ mitgemacht, und nicht nur er: „Die ganze Familie, meine Frau, die Buben und die Oma.’ … Weil die CSU nichts tue gegen Flüchtlinge. Und sie werde nichts tun, ,wenn die Afrikaner in Italien losrennen’.“ (SZ, 28.9.). Der „den Linken nahestehende“ Kultursoziologe fand gestern, es müsse darum gehen, „auch Dinge sagen zu können, wie einem der Schnabel gewachsen ist, ohne sich sogleich außerhalb des Kreises der zur Äußerung Zugelassenen wiederzufinden“.

Also eine Protestwahl gegen das Verbot, „Neger“ zu sagen, gegen Neger, die nach Deutschland wollen, und dagegen, im wunderbaren Wettbewerb immer bloß der Neger zu sein. Also eine genuin faschistische Wahl, wenn auch weniger aus Überzeugung denn aus Angst mal autoritärem Charakter. Daß die AfD dann auch noch wirtschaftsfreundlich ist, macht es dem Proseminar zum Thema Faschismus aber vielleicht ein bißchen sehr einfach.




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Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Hä, »Spiegel«?

Zum Ende der Amtszeit Angela Merkels schreibst Du, diese sei das Gegenteil von Donald Trump: »Sie redete viel und sagte wenig, während Trump viel sagte und wenig meinte.« Du jedoch redest Sachen, von denen weder klar ist, wie Du sie meinst, noch was Du damit sagen möchtest.

Verwirrte Grüße Titanic

 Servus, Horst Seehofer!

Servus, Horst Seehofer!

Sie erzählten dem Stern, Sie würden Ihre Rentenzeit gern nutzen, um die Programmiersprache C++ zu lernen. Was wollen Sie denn damit programmieren, Seehofer? Eine Fernsteuerungsapp für Ihre Modelleisenbahn im Keller? Ein Handyspiel mit dem Namen »Angie Birds«, in dem man die Kanzlerin mit einer Schleuder durch die Gegend schießen kann? Oder gar ein Game mit dem komplizierten Titel »(De)Portal(tion)«, bei dem man Menschen per Teleportation abschieben muss?

Hofft auf nichts davon: Titanic

 Spanische Stierkämpfer!

Welche gesellschaftlichen Werte Ihr als Traditionalisten so vertretet, ist den meisten ja bekannt. Nun habt Ihr den Bogen aber überspannt beziehungsweise den Spieß zu tief gerammt: Bei einem Kampf in Gijón habt Ihr zwei Stiere »Nigerianer« und »Feminist« getauft, um sie dann von einem Star-Torero, der außerdem Unterstützer der rechtsextremen Vox-Partei ist, erlegen zu lassen. Empört hat die Bürgermeisterin von Gijón der Stierkampf-Tradition in ihrer Stadt ein jähes Ende gesetzt.

Auch wir sind schockiert, ja geradezu angewidert! Diese Übertragung gesellschaftspolitischer Themen auf Objekte und Tiere erinnert uns an miefige Polit-Karikaturen der alten Bundesrepublik (und der Süddeutschen Zeitung von heute) – einfach grausam und ekelhaft!

Außerdem bleibt die Frage, wofür der Torero in dem Zusammenhang eigentlich steht. Für »linker Irrsinn« oder »Identitätspolitik« oder so? Oder doch schlicht für »dummer Haufen ultrakonservativer Faschisten«?

Olé! Titanic

 Ganz entzückend, Polizeipräsidium Mittelfranken,

finden wir den Zeugenaufruf, den Du Mitte Juni ins (echte) Internet stelltest: Es ging um eine Betrugsserie durch »falsche Wunderheilerinnen«. Das ist ja ein dickes Ding! Was sagt denn der Bundesverband der staatlich geprüften Wunderheilerinnen dazu? Und hat sich die Landeszentrale der zertifizierten Wahrsager schon zu Wort gemeldet?

Dass am Ende noch die Diplom-Hochstaplerinnen unschuldig in Verdacht geraten, möchte unbedingt verhindern: Titanic

 Jens Spahn!

Mit der Bunten sprachen Sie über Ihren Umgang mit Häme und Kritik: »Auch wenn es mal Gegenwind und Kritik gibt. Sich beleidigt ins Schneckenhaus zurückzuziehen, bringt nichts.« Frage: Auch nicht, wenn es ein Vier-Millionen-Euro-Schneckenhaus in Berlin-Dahlem ist?

Glitschige Grüße Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Hey, Google!

In meiner Meditation bin ich mittlerweile auf einem solch hohen Level der Gelassenheit angelangt, dass sich die Cookies-Abfrage bei mir erübrigt. Alles akzeptieren – check.

Tina Manske

 Meinung

Dass Leichenspürhunde bei einem Fund mit dem Schwanz wedeln, ist ja schon ziemlich pietätlos.

Julia Mateus

 Autofahrer sind Schweine

Wenn ich als Kind mit meinen Eltern im Auto fuhr, kritisierte meine Mutter manch einen anderen Verkehrsteilnehmer, der, so fluchte sie, fahre »wie eine gesengte Sau«. Dass man in grauer Vorzeit Schweine mit Lötflammen zu enthaaren pflegte, und dass jene, jedenfalls wenn sie zuvor nur unzureichend getötet worden waren, regelmäßig der brutalen Behandlung in wildem Galopp entflohen, hatte mir damals noch niemand eröffnet. Ja, ich zweifle bis heute daran, dass diese Anekdoten überhaupt der Wahrheit entsprechen. Als Kind verstand ich stattdessen »wie eine gesenkte Sau«, und ich finde, das macht allemal mehr Sinn, schließlich ist da »tiefergelegt« nicht weit von entfernt.

Theobald Fuchs

 Egozyklopädist

»Alleine die Auswahl, wer einen Wikipedia-Artikel bekommt und wer nicht, ist schrecklich! Jeder Soap- und Schlagerstar hat einen, während echte Geistesgrößen leer ausgehen.« »Und was willst du dagegen machen?« »Selbst aktiv werden, den Wiki-Autoren-Zirkel infiltrieren und neue Perspektiven einbringen – zur echten Demokratisierung des Wissens!« »Und worüber willst du deinen ersten Artikel schreiben?« »Über mich.«

Jürgen Miedl

 Kunstrasen

Im Garten den gesamten Rasen mähen bis auf ein kleines Quadrat etwas unterhalb der Mitte – welcher Mann hat kurz vor Beendigung jener Gartenarbeit noch nicht schelmisch hineingegrinst, in sein Hitler-Gärtchen?

Andreas Lugauer

Vermischtes

Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
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20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
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Zweijahres-Abo: 117,80 EURTorsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.
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    TITANIC-Herausgeber Martin Sonneborn spricht mit der Taz über Frauen in der Redaktion und erinnert sich an die beste Zeit für Satire.

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26.09.2021 Hofheim am Taunus, Stadtmuseum Leo Riegel - Cartoons aus eigenem Anbau (Workshop)
26.09.2021 Bernried am Starnberger See, Buchheim Museum u.a. Rudi Hurzlmeier auf dem »Humorfestival Bernried«
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