Enough is enough – Anna Wintour über Skinnytok
Endlich kann ich die Gerüchte bestätigen – mein Rücktritt als Chefredakteurin der US-amerikanischen Vogue vor kurzem war allein und ausschließlich aus Protest gegen den Skinny-Trend auf Tiktok und dessen Auswirkungen auf die gesamte Fashionwelt. Ja, natürlich war der Hashtag zum Zeitpunkt der Verkündung meiner Entscheidung schon seit Wochen verboten, aber das Internet in der Redaktion ist halt langsam.
»Being skinny is the outfit« hier, »Don’t reward yourself with food, you’re not a dog!« da: Das ist nicht die Modebranche, in der sich jeder in seinem Körper wohlfühlen soll, für die ich mich in den Neunzigern, Nullern, Zehnern, der Hälfte der Zwanziger und am Ende der Achtziger eingesetzt habe. Zu meiner Zeit haben wir in den Dressing Rooms von Mailand und Paris nicht jedes Gramm Koks auf die Goldwaage gelegt. Man hat sich zwischendurch auch mal was gegönnt, zum Beispiel einen in Orangensaft getränkten Wattebausch. Klar hab ich meine Angestellten immer wieder dazu angehalten, das Essen wieder hochkommen zu lassen, aber nur als Zeichen des Protestes gegen die Streichung des Taco Tuesdays in der Condé-Nast-Kantine. Außerdem waren meine Models nie sooo skinny, sie hatten einfach sehr weite Klamotten an und muskulöse Männer um sich rumstehen – am Ende alles optische Täuschung!