Tuchos Auferstehung

Die Weltbühne ist wieder da. Das Traditionsblatt von Tucholsky wurde wiederbelebt durch einen illustren Kreis von Autoren und Herausgebern der Berliner Zeitung. Nun darf es als publizistischer Zombie aus einer anderen Zeit fortexistieren. Im Vorwort zur neuen Ausgabe kommt Thomas Fasbender dann auch zusammen mit Behzad Karim Khani gleich mit einem feierlich untoten »Soldaten sind Mörder« daher. Hört, hört! Auf dass die Philister und Offiziere droben in ihren Berliner Prunksälen aufschreien mögen.

Doch was wirkt wie seine eigene Parodie, ist durchaus ernst gemeint. Und was hier als intellektueller Friedenskampf verkauft wird, ist doch vor allem ein aufgeblasener Feldzug der Eitelkeiten. Der Versuch, die Geste der spitzen Feder mit stumpfem Telegram-Geblöke zu verheiraten. So kann man sich dann auch als Friedensheld und einsamer Rufer gerieren und in einem Gewand auftreten, als rollten draußen noch die Droschken umher.

»Zukunft nein Danke. Rechts oder links macht dabei keinen Unterschied; das Streben in den schützenden Kokon, in die gute alte Zeit, charakterisiert sämtliche Lager. Der Kokon wird zum Sinnbild gegenwärtiger Sehnsüchte.« Mit dem Kokon und dem Rückfall in die gute alte Zeit ist selbstredend nicht der Rückgriff auf ein rund hundert Jahre altes Blatt gemeint oder einen Pazifismus, der die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart breitarschig ignoriert:

»Rüstung soll ihn solider, unzerbrechlicher, unüberwindbarer machen. Wollen wir das? Vom bunten, gefährdeten Schmetterling erneut zur Raupe werden, eingemauert in einen lichtlosen Bunker, den wir Freiheit nennen und mit Krieg verteidigen? Wir wollen es nicht.« Damit endet auch das irrlichternde Vorwort und spätestens hier wünscht man vor allem Tucholsky den längst verdienten Frieden.

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