Humorkritik | Juni 2014

Juni 2014

Das sexy Nerd-Schwert

Mit der amerikanischen Zeichentrickserie South Park habe ich mich bisher nur am Rande beschäftigt. Anläßlich des jüngst erschienen Computerspiels »South Park: The Stick of Truth« (dt. »Der Stab der Wahrheit«) sei dies nun nachgeholt; wobei ich zunächst einmal anrate, um die deutsche Fassung des Spiels einen Bogen zu machen. Der Grund ist nicht die deutsche Synchronisation – auf die wurde nämlich verzichtet –, sondern Zensur. Und zwar nicht nur von verfassungsfeindlichen Symbolen, sondern von ganzen Spielszenen, die bspw. in einer Abtreibungsklinik stattfinden oder sich um Anal-Sonden drehen. Wer die TV-Serie schätzt, dem bietet das Spiel einen wahren Zitatenschatz: Bis ins kleinste Detail finden sich Anspielungen auf die Serie, auf Charaktere, Orte und Gegenstände. Man merkt, daß die beiden Schöpfer Matt Stone und Trey Parker bei der Entwicklung mit ganzem Herzen dabei waren.

Es handelt sich um ein Rollenspiel von um die 20 Stunden Dauer, durch dessen Welt man sich als »The New Kid« (schnell wird man von allen einfach nur »Douchebag« genannt) im Adventure-Stil bewegt, Items sammelt und seinen Charakter damit ausstattet, ähnlich wie in dem Spieleklassiker »Diablo« – auch wenn man in diesem noch keinen Vibrator als Schwert benutzen konnte. Kämpfe werden im Rundenstil mit Reaktionselementen ausgetragen, die Spezialfähigkeiten hängen davon ab, welche Klasse man zu Beginn gewählt hat (Krieger, Magier, Dieb oder auch Jude). Die Komik des Spiels ist, verglichen mit der oftmals auch sehr politischen Serienvorlage, eher nerdig und findet in einer gewohnt derben South-Park-Welt aus »Game of Thrones«, »Der Herr der Ringe«, »World of Warcraft« und dergleichen statt. Als gute Einführung in das Setting von »The Stick of Truth« seien die Episoden »The Return of the Fellowship of the Ring to the Two Towers« (Staffel 6, Folge 13) und vor allem die »Black Friday«-Trilogie aus der neuen 17. Staffel empfohlen. Wer damit etwas anfangen kann und schon mal zum Controller gegriffen hat, der wird mit dem Stab der Wahrheit sehr glücklich. Ich jedenfalls wurde es.

  

Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Gute Frage, liebe »Süddeutsche«!

»Warum haben wir so viele Dinge und horten ständig weiter? Und wie wird man diese Gier wieder los?« teast Du Dein Magazin an, dasselbe, das einzig und allein als werbefreundliches Vierfarb-Umfeld für teuren Schnickschnack da ist.

Aber löblich, dass Du dieses für Dich ja heißeste aller Eisen anpackst und im Heft empfiehlst: »Man kann dem Kaufimpuls besser widerstehen, wenn man einen Schritt zurücktritt und sich fragt: Wer will, dass ich das haben will?«

Und das weiß niemand besser als Du und die Impulskundschaft von Titanic

 Hallihallo, Michael Maar!

In unserem Märzheft 2010 mahnte ein »Brief an die Leser«: »Spannend ist ein Krimi oder ein Sportwettkampf.« Alles andere sei eben nicht »spannend«, der schlimmen dummen Sprachpraxis zum Trotz.

Der Literatur- ist ja immer auch Sprachkritiker, und 14 Jahre später haben Sie im SZ-Feuilleton eine »Warnung vor dem S-Wort« veröffentlicht und per Gastbeitrag »zur inflationären Verwendung eines Wörtchens« Stellung bezogen: »Nein, liebe Radiosprecher und Moderatorinnen. Es ist nicht S, wenn eine Regisseurin ein Bachmann-Stück mit drei Schauspielerinnen besetzt. Eine Diskussionsrunde über postmoderne Lyrik ist nicht S. Ein neu eingespieltes Oboenkonzert aus dem Barock ist nicht S.«

Super-S wird dagegen Ihr nächster fresher Beitrag im Jahr 2038: Das M-Wort ist ja man auch ganz schön dumm!

Massiv grüßt Sie Titanic

 Ah, »Galileo«!

Über die Arbeit von Türsteher/innen berichtest Du: »Viele Frauen arbeiten sogar als Türsteherinnen«. Wir setzen noch einen drauf und behaupten: In dieser Branche sogar alle!

Schmeißen diese Erkenntnis einfach mal raus:

Deine Pointen-Bouncer von Titanic

 Hello, Grant Shapps (britischer Verteidigungsminister)!

Eine düstere Zukunft haben Sie in einem Gastbeitrag für den Telegraph zum 75jährigen Bestehen der Nato skizziert. Sie sehen eine neue Vorkriegszeit gekommen, da sich derzeit Mächte wie China, Russland, Iran und Nordkorea verbündeten, um die westlichen Demokratien zu schwächen. Dagegen hülfen lediglich eine Stärkung des Militärbündnisses, die weitere Unterstützung der Ukraine und Investitionen in Rüstungsgüter und Munition. Eindringlich mahnten Sie: »Wir können uns nicht erlauben, Russisch Roulette mit unserer Zukunft zu spielen.«

Wir möchten aber zu bedenken geben, dass es beim Russisch Roulette umso besser fürs eigene Wohlergehen ist, je weniger Munition im Spiel ist und Patronen sich in der Trommel befinden.

Den Revolver überhaupt vom eigenen Kopf fernhalten, empfehlen Ihre Croupiers von der Titanic

 Hoppla, Berliner Gefängnischefs!

Drei von Euch haben laut Tagesspiegel wegen eines Fehlers der schwarz-roten Regierungskoalition statt einer Gehaltserhöhung weniger Geld bekommen. Aber der Ausbruch von Geldnöten soll durch einen Nachtragshaushalt verhindert werden. Da ja die Freundschaft bekanntlich beim Geld endet: Habt Ihr drei beim Blick auf Eure Kontoauszüge mal kurz über eine Ersatzfreiheitsstrafe für die nachgedacht, die das verbrochen haben?

Wollte diese Idee nur mal in den Raum stellen: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Mitgehört im Zug

»Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt!« – »Ja, aber das muss es ja nicht bleiben.«

Karl Franz

 Spielregeln

Am Ende einer Mensch-ärgere-dich-nicht-Partie fragt der demente Herr, ob er erst eine Sechs würfeln muss, wenn er zum Klo will.

Miriam Wurster

 Altersspezifisch

Ich gehöre noch zu einer Generation, deren Sätze zu häufig mit »Ich gehöre noch zu einer Generation« anfangen.

Andreas Maier

 Back to Metal

Wer billig kauft, kauft dreimal: Gerade ist mir beim zweiten Sparschäler innerhalb von 14 Tagen die bewegliche Klinge aus ihrer Plastikaufhängung gebrochen. Wer Sparschäler aus Kunststoff kauft, spart also am falschen Ende, nämlich am oberen!

Mark-Stefan Tietze

 Die wahre Strafe

Verhaftet zu werden und in der Folge einen Telefonanruf tätigen zu müssen.

Fabio Kühnemuth

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
23.05.2024 Bielefeld, Theaterlabor Max Goldt
24.05.2024 Dresden, Buchladen Tante Leuk Thomas Gsella
30.05.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »POLO«
30.05.2024 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hans Traxler: »Die Dünen der Dänen«