Inhalt der Printausgabe

Juli 2004


EM 2004
Orte des Schreckens die wir niemals vergessen dürfen
(Seite 4 von 4)

10.50
Die Mannschaft

Auf nachdrückliche Empfehlung einiger Bodyguards verlassen wir dann das Gelände und bauen uns mit unserem Mahnmal vor dem Tor auf. Wir sind gerade fertig, als sich der Mannschaftsbus nähert, direkt vor uns abstoppt und uns manövrierend im Schrittempo passiert.
Wie lächerlich das aus dem Bus aussehen muß: ein halbes Dutzend Gestalten mit billigen Trainingsanzügen und vorwurfsvollen Mienen vor einem schwarzen Blechschild! Trotzdem sind die Reaktionen im Bus zwiespältig: Ein paar Gesichter schauen neugierig durch das getönte Glas, Kuranyi und Ballack darunter, Christian Ziege blickt eher ratlos, und Oliver Kahn wendet - kaugummikauend und demonstrativ - den Blick ab, nach oben. Ein freundlicher Torwächter mit osteuropäischem Akzent (Lette? Tscheche?) bedeutet uns listig, ein paar hundert Meter weiter den Zaun entlang kämen wir direkt zur Trainigswiese. Wir bedanken uns, fahren aber lieber zurück. Schließlich ist es viel zu heiß, und wir haben getan, was wir für Fußball-Deutschland tun konnten.

 
Heikle Situation vorm gegnerischen Tor

11.30
Das Ergebnis

Als wir in der Redaktion eintreffen, sind Eilert und Hintner schon dort, triumphierend präsentieren sie ihre Ausbeute: einen Videomitschnitt der Pressekon-ferenz. Die Freude ist groß, als Völler, auf die Frage eines FAZ-Reporters, wie ihm die Aktion gefallen habe, erklärt: "Ich wollte mich sowieso noch bei TITANIC bedanken. Die Jungs haben ja die WM nach Deutschland geholt!" Und das ist, zumal dieses erste offizielle DFB-Lob der TITANIC-WM-2006-Bestechung später auch in der Tagesschau ausgestrahlt wird, der schönste Lohn für uns.

 
Leider im Abseits: TITANIC-Sportredakteure, DFB-Trainer, Schülerzeitungs-Pykniker

13.00
Die Nachspielzeit

Eine Frankfurter Redakteurin ruft in der Redaktion an. Sie schreibt ihren Artikel und hätte gern die Orte auf dem Mahnmal erklärt: "1909 haben wir null zu neun gegen Oxford gespielt?" - "Nein! In! In Oxford, gegen England." - "Und das zwei zu drei 1978, Cordoba, das ist doch gar nicht so schlimm wie die anderen?" - "Doch! Das war gegen Österreich! Zwei zu drei gegen Österreich ist schlimm!" - "Und das eins zu sieben in Porto? Gegen wen war das noch gleich?" - "Also, genaugenommen war das noch gar nicht. Das kommt noch, am nächsten Dienstag bei der EM gegen Holland…"
"Ach sooo!"


Martin Sonneborn



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Aktuelle Startcartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Waidmannsheil, »Spiegel«!

»Europas verzweifelte Jagd nach Munition«, titeltest Du, und doch könnte es deutlich schlimmer sein. Jagd auf Munition – das wäre, so ganz ohne diese Munition, deutlich schwieriger!

Nimmt Dich gerne aufs Korn: Titanic

 Wow, Instagram-Kanal der »ZDF«-Mediathek!

In Deinem gepfefferten Beitrag »5 spicy Fakten über Kim Kardashian« erfahren wir zum Beispiel: »Die 43-Jährige verdient Schätzungen zufolge: Pro Tag über 190 300 US-Dollar« oder »Die 40-Jährige trinkt kaum Alkohol und nimmt keine Drogen«.

Weitergelesen haben wir dann nicht mehr, da wir uns die restlichen Beiträge selbst ausmalen wollten: »Die 35-Jährige wohnt nicht zur Miete, sondern besitzt ein Eigenheim«, »Die 20-Jährige verzichtet bewusst auf Gluten, Laktose und Pfälzer Saumagen« und »Die 3-Jährige nimmt Schätzungen zufolge gerne das Hollandrad, um von der Gartenterrasse zum Poolhaus zu gelangen«.

Stimmt so?

Fragen Dich Deine Low-Society-Reporter/innen von Titanic

 Nicht zu fassen, »Spiegel TV«!

Als uns der Youtube-Algorithmus Dein Enthüllungsvideo »Rechtsextreme in der Wikingerszene« vorschlug, wären wir fast rückwärts vom Bärenfell gefallen: In der Wikingerszene gibt es wirklich Rechte? Diese mit Runen tätowierten Outdoorenthusiast/innen, die sich am Wochenende einfach mal unter sich auf ihren Mittelaltermärkten treffen, um einer im Nationalsozialismus erdichteten Geschichtsfantasie zu frönen, und die ihre Hakenkreuzketten und -tattoos gar nicht nazimäßig meinen, sondern halt irgendwie so, wie die Nazis gesagt haben, dass Hakenkreuze vor dem Nationalsozialismus benutzt wurden, die sollen wirklich anschlussfähig für Rechte sein? Als Nächstes erzählst Du uns noch, dass Spielplätze von Kindern unterwandert werden, dass auf Wacken ein paar Metalfans gesichtet wurden oder dass in Flugzeugcockpits häufig Pilot/innen anzutreffen sind!

Nur wenn Du versuchst, uns einzureden, dass die Spiegel-Büros von Redakteur/innen unterwandert sind, glauben Dir kein Wort mehr:

Deine Blauzähne von Titanic

 Du, »Brigitte«,

füllst Deine Website mit vielen Artikeln zu psychologischen Themen, wie z. B. diesem hier: »So erkennst Du das ›Perfect-Moment -Syndrom‹«. Kaum sind die ersten Zeilen überflogen, ploppen auch schon die nächsten Artikel auf und belagern unsere Aufmerksamkeit mit dem »Fight-or-Flight-Syndrom«, dem »Empty-Nest-Syndrom«, dem »Ritter-Syndrom« und dem »Dead- Vagina-Syndrom«. Nun sind wir keine Mediziner/innen, aber könnte es sein, Brigitte, dass Du am Syndrom-Syndrom leidest und es noch gar nicht bemerkt hast? Die Symptome sprechen jedenfalls eindeutig dafür!

Meinen die Hobby-Diagnostiker/innen der Titanic

 Erwischt, Bischofskonferenz!

In Spanien haben sich Kriminelle als hochrangige Geistliche ausgegeben und mithilfe künstlicher Intelligenz die Stimmen bekannter Bischöfe, Generalvikare und Priester nachgeahmt. Einige Ordensfrauen fielen auf den Trick herein und überwiesen auf Bitten der Betrüger/innen hohe Geldbeträge.

In einer Mitteilung an alle kirchlichen Institutionen warntest Du nun vor dieser Variante des Enkeltricks: »Äußerste Vorsicht ist geboten. Die Diözesen verlangen kein Geld – oder zumindest tun sie es nicht auf diese Weise.« Bon, Bischofskonferenz, aber weißt Du, wie der Enkeltrick weitergeht? Genau: Betrüger/innen geben sich als Bischofskonferenz aus, raten zur Vorsicht und fordern kurz darauf selbst zur Geldüberweisung auf!

Hat Dich sofort durchschaut: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Pendlerpauschale

Meine Fahrt zur Arbeit führt mich täglich an der Frankfurt School of Finance & Management vorbei. Dass ich letztens einen Studenten beim Aussteigen an der dortigen Bushaltestelle mit Blick auf sein I-Phone laut habe fluchen hören: »Scheiße, nur noch 9 Prozent!« hat mich nachdenklich gemacht. Vielleicht wäre meine eigene Zinsstrategie selbst bei angehenden Investmentbankern besser aufgehoben.

Daniel Sibbe

 Bilden Sie mal einen Satz mit Distanz

Der Stuntman soll vom Burgfried springen,
im Nahkampf drohen scharfe Klingen.
Da sagt er mutig: Jetzt mal ehrlich –
ich find Distanz viel zu gefährlich!

Patrick Fischer

 Wenn beim Delegieren

schon wieder was schiefgeht, bin ich mit meinen Lakaien am Ende.

Fabio Kühnemuth

 Nichts aufm Kerbholz

Dass »jemanden Lügen strafen« eine doch sehr antiquierte Redewendung ist, wurde mir spätestens bewusst, als mir die Suchmaschine mitteilte, dass »lügen grundsätzlich nicht strafbar« sei.

Ronnie Zumbühl

 Überraschung

Avocados sind auch nur Ü-Eier für Erwachsene.

Loreen Bauer

Vermischtes

Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
13.04.2024 Frankfurt, Volkstheater im Großen Hirschgraben Max Goldt
18.04.2024 Berlin, Heimathafen Neukölln Max Goldt
18.04.2024 Hamburg, Centralkomitee Ella Carina Werner
19.04.2024 Wuppertal, Börse Hauck & Bauer