Inhalt der Printausgabe

Heinz Strunk
Intim­scha­tulle 62

»Virenappetit«

1.4. Hamburg still und leer, fast wie auf dem Land. Wann immer es die Temperaturen zulassen, verbringe ich meine Zeit auf der Dachterrasse. Der etwa dreißig Meter von meinem Haus entfernte Spielplatz ist wie alle Spielplätze gesperrt, kein markerschütterndes Geschrei, kein ohrenbetäubend schrilles Geplärr, kein dummes Gebrüll. Nichts, Totenstille. Einzig die Müllabfuhr, die nach wie vor montags gegen acht kommt, geht mir noch auf die Nerven. Jedenfalls: Quarantäne Gold, Isolation de luxe, so lässt es sich aushalten.

2.4. In den Tagebüchern Thomas Manns stoße ich auf folgende Stelle: »Nur jetzt nicht sterben! Man hätte gar keine Presse.« Recht hat er. Nachrufe fallen zurzeit entweder bescheiden oder ganz aus.

3.4. »Zwischen zwei Telefonaten im Homeoffice noch ein Häppchen, abends im Heimkino noch ein Snack, und dazu ein Gläschen … oder zwei?« Süßes als Trost, Fettes gegen Langeweile, Salziges aus Essbock. Fettfalle Corona. Neuartiger Begriff Virenappetit. Topwitz: »Von 0 auf 150 in einer Sekunde? Steig doch mal auf die Waage!« Nach dem Fressen alles runterspülen mit Alkohol. Wichtig: Leiter bauen! Bier – Wein – Likör – Schnaps.

Geile Sprüche: Bei Schwermut Wermut // Promi kommt von Promille // Ich investier am liebsten in Alkohol – wo sonst gibt’s 40 Prozent?

Auch Matthias Reim hat blitzschnell reagiert und schnell mal eben einen Song »rausgehauen«: Der Schrei der Leber nach Liebe. (Reim im Gespräch mit der Schatulle: »Das Ding wird mein zweites Verdammt, ich lieb dich.«) Zusammenfassung: Exponentiell entwickelt sich nicht nur die KURVE (Curve), sondern auch der BMI. Ein Planet explodiert!

4.4. Erneut sehr unsympathisches Zitat von Friedrich Merz (Firma Blackrock): »Ich würde niemals ein Buch lesen, das von einer Frau geschrieben wurde.« Wahrscheinlich Coronafrust, ist ihm in der Quarantäne »rausgerutscht«. Die Schatulle mahnt: Vorsicht, Fritze, so wird man kein Kanzler!

5.4. Wofür man mich oft hält: evangelischer Pfarrer. Kaufmännischer Angestellter. Archivar. Virologe. Alles nicht sehr schmeichelhaft.

6.4. Gute Frage: Würden Sie sich für 2000 Euro mit Corona infizieren lassen? Ab dem Sechzigsten für jedes weitere Jahr hundert Euro zusätzlich (mit 65 also bereits 2 500 Euro).

7.4. Trotz Seuche lässt mich das vermeintliche Allerweltssyndrom Burning Feet nicht zur Ruhe bzw. Arbeit kommen. Weder Kälteflasche noch lauwarmes Fußbad mit basischen Zusätzen verschaffen Linderung, daher als letztes Mittel nasse Socken.

BRAINSTORMING: Bewusstsein mal Energie gleich Realität // Fettschürzenamputation // Work safely – die old.

8.4. Profiteure der Krise sind ganz allgemein Verbrecher, z.B. Bankräuber (Maximal). Zwei Bankräuber stürmen mit Atemmaske in die Bank, Geld, Schmuck und Schließfachinhalte zusammenraffen, und blitzschnell wieder raus. »Normale« Bankräuber würden sich die Maske jetzt runterreißen, aber was ist in heutigen Zeiten schon »normal«?!

9.4. Krass-geiler Begriff: SUPERSPREADER. Früher hätte man Virenschleuder gesagt.

10.4. Aus den Tagebüchern Richard Burtons über die ach so tollen Mediziner: »Ich bin diese Scheißärzte leid. Man müsste mich schon auf wirklich unerträgliche Weise zu Klump schlagen, eh ich eins dieser schlecht ausgebildeten, betrunkenen, überheblichen, halbgebildeten Schweine an mich ranlasse«.

11.4. Den gesamten Tag Gallenkrämpfe

12.4. (Ausgesprochen) Positive Corona-Aspekte: 1) Die Leute »feiern« nicht mehr. 2) Tourismus gibt es nicht mehr. Als hätte es den Begriff, das Phänomen nie gegeben.

13.4. Im Café 2 Talk in den ausliegenden Zeitschriften geblättert. Schlagzeilen, die aufrütteln: CORONA-ANGST: BIO-BAUER WIRFT SICH VOR GOOGLE-AUTO // CORONA-IRRSINN: KOKS-MUTTER VOM AMMERSEE VERPFIFF SCHWARZE WITWE // CORONA-ZUFALL: SKELETT IM GARTEN VON JAUCH-VILLA ENTDECKT

14.4. Schatulle für Kinder: Impfi, das Impfelchen. Das kleine Impfelchen forscht in seinem Mäuselabor rund um die Uhr nach einem Impfstoff, der nicht wehtut und gut schmeckt! Nach anstrengender Reagenzglaspanscherei entdeckt Impfi die Substanz Immunala, und nach ein, zwei beherzten Mäusetests heißt es: Süße Schluckimpfung marsch, Nebenwirkungen Fehlanzeige, Corona ade.

15.4. Mir fällt auf, dass ich seit Ausbruch der Krise praktisch nur noch sog. Dehnbundhosen (Hosen für wechselnde Bauchumfänge) trage. Auch mein Gewicht explodiert, die endgültige Niederlage ist besiegelt.

16.4. Mit Bertram Leyendieker bei ihm daheim gekocht. Vorweg Feldhühnersuppe mit Kastanien, dann Bratwürste mit Zitronenbrühe und Butterknödel. Leyendieker zitiert aus Elias Canettis Aufzeichnungen 1973–1985: »Wehe dem Menschen, dessen Name größer ist als sein Werk.« Und: »Gefahr des langen Lebens: Dass man vergisst, wofür man gelebt hat.« Nachdenklich nach Hause gegangen. Kurz vor dem Einschlafen Idee für eine Serie, die in der Büroszene spielt: Under my scan.

17.4. Durchfall.

18.4. Schatulle-Lebensservice – Lebensoptimierende Maßnahmen (besonders wichtig in diesen Tagen):

Stichwort Verknüpfung. a) Verknüpfen Sie Tätigkeiten, wo immer Sie können: Nägel schneiden, telefonieren, Vermerke machen. b) Verknüpfen Sie den Gang zu Apotheke, Bank, Supermarkt usw. miteinander. c) Legen Sie Haarwäsche und Rasur (Männer), Haarwäsche und Enthaarung (Frauen) stets zusammen.

19.4. Auf allen Kanälen Nervensäge Markus Söder: versulzt, verschlackt, ein teigiges Mondgesicht, in dem wie Rosinen zwei melancholische Glubschaugen stecken. Auch peinlich/nervig: Thomas Glavinic mit seinem Corona-Fortsetzungsroman in der »Welt«.

Virologe steht im TV Rede und Antwort

20.4. Wichtig: Sich in diesen Zeiten auch mal Entspannung vor dem Fernseher gönnen. Gesehen in »Die Wollnys – eine schrecklich große Familie« (RTL II), wie Familienoberhaupt Sylvia Wollny zu Tochter Loredana sagt: »Du knabberst an deinen Lippen, als ob die zu dünn sind. Willst du da noch Botox rein haben?«

21.4. Diffuse Ängste. Abends Schnaps (geht immer).

22.4. Tag des Kieferorthopäden.

23.4. Morgensteifigkeit den ganzen Tag nicht überwunden.

24.4. Gute Idee, der Corona-Song:

Refrain 1

Bin ein kleins Bazill, flatter an und keuch und fleuch
Bring Hust und Schnupf und manches mehr,
Vielleicht die schlimme Lungenseuch
Bin ein kleins Bazill, befall auch deine Nieren,
Zusammen mit mein Onkels, den schlechtgelaunten VIREN

Strophe 1

Alles fängt ganz harmlos an, ich flatter an ganz allein,
Klingel bei der Wirtszelle, doch freundlich bin ich nur zum Schein
Sprech mit rote Blutkörpers, sag: »Ich bin friedlich und allein«,
Doch wenn sie dann schlafen gehen, lass ich mein Kollege rein

Refrain 2

Bin ein schlimms Bazill, dir geht’s bald schlecht wie nie zuvor,
Kriegst Masern und die Scheißerei,
Und ein Geschwulst am Innenohr
Bin ein bös Bazill, bring Unheil auch zu Tieren
Oft werd ich unterstützt von schlechtgelaunten VIREN

Strophe 2

Bin ich in dein Körper drin, vermehr ich mich ganz rasch,
Werd ganz dick und kugelrund, weil ich an der Wirtszell nasch
Dann schwimm ich durch das Blut in jedes Organ
Du machst hust und wirst krank, steckst auch noch ein Mitmensch an

Refrain 3

Bin ein bös Bazill und kenne keine Gnade
Du liegst auf dem Sterbebett, denkst noch »schade, schade«
Liegst du dann im Grab, kann ich jubilieren,
Mache ein groß Fest mit schlechtgelaunten VIREN

Hitverdächtig!

25.4. Ich bleibe i.d.R. von sog. Hasskommentaren verschont, weil ich bekanntlich ein überschaubares, akademisch gebildetes, junges, cooles und vor allem gut erzogenes Publikum anspreche. Man nennt es auch Elite. Wenn ich es mal in aller Unbescheidenheit formulieren darf: Bei HS trennt sich die Spreu vom Weizen. Nur im Millionenpublikum der Satiresendung Extra-3, in der ich gelegentlich auftrete, finden sich ein paar »Hater«. Vor kurzem hatte ich das Thema Prepper am Wickel. Kommentare auf der Extra-3-Facebookseite, Hater 1: »Wen macht dieser Typ auch so aggressiv?« Hater 2: »Er sollte der Erste sein, der sterben muss.« Kam dann aber nichts mehr nach.

26.4. In-&-Out-Liste April.

In: Corona-Liveticker verfolgen, Zinnkupfer – wo der Adel des Feuers reagiert, Streicheleinheiten für die Seele, mundzarte und gaumenfrische Speisen, private Aufstocker, Honorarkonsul Peter Grothe, der Spruch »Zwischen halb acht und halbmast«, Spargelwochen, die Theater-Erfolgsstücke »Bauer sucht Sau« und »Ein Vampir ist doch kein Trauerkloß«, der Song »Pizza und Fehmarn, Netflix und W-Lan, Fehmarn ist Popcorn und Popcorn ist Fehmarn«.

Out: Corona-Nerverei, Schnelle Hand (einfach nur billig), der Spruch »Wird ’ne enge Kiste«, Stuttgart (weil: kaputtgegart bzw. -gespart), der Fake-Hypnotiseur Bernd Klowasser, »Dritter Teller« (der dritte Teller macht den Schwimmring), Koch ohne Appetit, »Handgeld« (Fußballerjargon) machen, wenn überhängende Hautlappen die Farbe von Rost annehmen.

27.4. Gute Virologen-Witze:

1) Wie lange die Krise noch dauert? Frag doch mal deinen Wirro-, äh, Virologen.

2) Wirr, wirrer, Virologe.

3) »Viel Gelaber, wenig Kohle – Virologe« ODER »Mach mal hier keine Woge (von Welle) – oder bist du Virologe?« ODER »(Kölsch) Da hat misch einer abjezoge. – Wer denn? – Na, ein Virologe!«

28.4. In diesen Zeiten heißt es Home-Workout und Online-Yoga. Zum Youtube-Renner entwickelt sich gerade die Übung Herabschauende Herrentitten.

29.4. Enorm deprimierende Verkaufsanzeige: Opel Zafira, Rentner, 1. Hand, Garage, wenig Kilometer, unfallfrei, Nichtraucher, nur im Sommer gefahren, achtfach bereift, Motorschaden, defekte Elektronik, an Bastler oder zum Ausschlachten. Virus-Preis 100 Euro.

30.4. Abends gelesen in Imre Kertész »Letzte Einkehr«. Sechs geile Sätze:

  • Wer mit mir lebt, lebt allein.
  • Nacht für Nacht werde ich zum Teufel; esse Schmalzbrote.
  • Dieses Buch ist nicht mehr das meine; ich verstehe die Geheimnisse seiner Entstehung nicht mehr.
  • Wahrscheinlich habe ich mir den operierten Arm verstaucht.
  • Mich hat die Langeweile, dieses schreckliche Alterssymptom, eingeholt.
  • Es wäre nicht schön, wenn ich zum Lebensende auch noch elende Geldsorgen bekäme.

Nach Notat im Bett.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Michael Haberland, Organisator des Münchener Oktoberfests,

im Spiegel beschrieben Sie, wie man sich die digital stattfindende Wiesn vorzustellen hatte: »Alle Teilnehmer bekommen eine Wiesn-Box und einen Zoom-Link. Dann geht’s los. A Guadn!« Und weiter? »Sie klicken auf den Link zur verabredeten Uhrzeit, und dann stoßen wir gemeinsam an. O’zapft is’!«

Mal ehrlich, Haberland: Glauben Sie wirklich, dass Ihre ins Interview gejohlten Animationsrufe darüber hinwegtäuschen können, dass das alles ziemlich traurig klingt? Unser Tipp: Bei der nächsten Pandemie das Fest ganz absagen und einmal kräftig »Schaun’ mer mal!« brüllen.

A Guadn! Titanic

 Markus Lanz!

Sie sind im April von Ihrem Moderatorenkollegen Micky Beisenherz in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung aufgrund Ihrer wie auch immer gearteten Interviewtechnik als »Deutschlands schönste Grillzange« bezeichnet worden. Auf die Frage, ob das nicht Sexismus in die andere Richtung sei, antworteten Sie beim Jahrestreffen des Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger in Berlin: »Absolut.« Sie hätten sich zwar darüber gefreut, aber gleichzeitig gedacht: »Schreib’ das mal 2021 über eine Frau. Dann gibt es aber richtig ein paar hinter die Ohren und auch zu Recht.«

Da stimmen wir Ihnen ausnahmsweise ausnahmslos zu, ziehen dem kleinen Würstchen Beisenherz einfach mal präventiv die Löffel lang und verleihen Ihnen stattdessen ganz unzweideutig den zu Ihrem Moderations- und Interviewstil ohnehin viel besser passenden Titel »Deutschlands eitelste Flachzange«.

Grillt alles und jeden und auch zu Recht: Titanic

 Weißt Du, Zahnarztpraxis Enciso,

was wir gerufen haben, als wir eine Werbepostkarte von Dir mit dem Aufdruck »So muss Zahnarzt« aus dem Briefkasten holten? Genau: »Das kann Papierkorb.«

Maul! Titanic

 Überrascht, Katja Kipping (Die Linke),

nahmen wir Ihren Tweet nach der Wahlschlappe zur Kenntnis: »In der Mittagspause gönne ich mir heute eine starke Dosis vom Känguru-Humor. Tut an Tagen wie diesen besonders gut«, versehen mit einem Bild von zwei Marc-Uwe-Kling-Hörbüchern. So viel Masochismus hätten wir Ihnen gar nicht zugetraut. Andererseits ergibt dann auch die Mitgliedschaft in einer Partei mit Sahra Wagenknecht Sinn.

Oder ist etwa alles nur ein geschickter Versuch, den Grünen & Co. die Stammwählerschaft mithilfe von deren Stammhumor abzugraben? In diesem Falle: Clever! Nach der Wahl ist bekanntlich vor der Wahl.

Extra starke Erkenntnisse von Titanic

 So schloss sich der Kreis, Angela Merkel,

So schloss sich der Kreis, Angela Merkel,

als Sie bei einem Wahlkampfauftritt auf Rügen versprachen, nach Ihrer Kanzlerinnenschaft in Berlin und in der Uckermark wohnen zu bleiben. »Von dort ist es durch die schöne A20 nicht mehr weit in meinen ehemaligen Wahlkreis.«

Klar, irgendwas mit Autobahnen hören die Deutschen ja gern, um Ihren Vorgänger mit dem Schnauzbärtchen nicht ganz vergessen zu müssen. Allerdings haben wir nicht vergessen, dass auf einem Teilstück ebenjener Autobahn 20, kurz nachdem es 2005 durch Sie als frisch gewählte Bundeskanzlerin freigegeben worden war, die Fahrbahn einbrach und ein Loch hinterließ, das nicht nur symbolisch tief und breit klaffte. »Eine fürchterliche Schmach« nannten Sie das damals. Pff! Eine schändliche Niederlage auf hierzulande heiligem Schlachtfeld!

Aber vermutlich setzen Sie bei den Autobahn-Deutschen einfach auf das große Vergessen. Hat beim Führer schließlich auch geklappt. Und gewählt werden müssen Sie ja auch nicht mehr.

Sagt zum Abschied leise »Umleitung«: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Letztes Aufbäumen

Dass ein Smartphone beim Hochfahren mal – Gott zum Gruße! – vibriert, geschenkt. Die Geräte eines gewissen südkoreanischen Herstellers allerdings erbeben auch während des Herunterfahrens bei schon ausgeschaltetem Bildschirm noch mal kurz. Ganz so, als klopfte ein doch noch nicht Verstorbener von innen an den Sargdeckel.

Andreas Lugauer

 Emotionskontrolle

Schon ewig her, da fiel mir in einem Plattenladen in Sevilla auf, dass die Regalfächer A–K und M–Z relativ spärlich bestückt waren. Die Fächer L hingegen barsten fast schon vor Fülle. Eine nähere Überprüfung der L-Fächer brachte Klarheit: Los The Beatles, Los The Clash, Los The Doors, Los The Eagles, Los The Rolling Stones, um nur einige Beispiele zu nennen. Ich habe trotz rudimentär vorhandener Spanischkenntnisse davon abgesehen, das Personal darauf anzusprechen, denn diese mehr als amüsante Sortierung machte mir schlagartig klar, dass ich durchaus ein Typ bin, der etwas kann, was viele erst mühselig lernen müssen: loslassen.

Tom Breitenfeldt

 Next-Level-Kosmopolit

Ständig trifft man jemanden und sowieso kennt man fast alle über zwei Ecken: Ja, China ist für mich so ein richtiges Milliardendorf!

Leo Riegel

 Bittgesuch

Ich liebe Online-Petitionen, ich unterzeichne jede. Hätte es sie früher gegeben, viel Leid wäre der Menschheit erspart geblieben. »Stopp Römer nach Germanien!« 200 000 Unterzeichner, und die alten Germanendörfer am Rhein stünden noch heute Stein auf Stein. »Für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, für Brot für alle, für das Volk als Souverän und noch ein paar andere Sachen. Sind Sie dabei? Hier können Sie unterschreiben!« 5 Millionen ratifizierende Franzosen, darunter der französische König, und der blutige Sturm auf die Bastille wäre nie geschehen. Dasselbe gilt für »Europa raus aus Afrika« oder »Herr Bismarck, erlauben Sie das Wahlrecht für alle!« Auch die Sponti-Bewegung hätte mit ihren Zielvorstellungen auf diesem Weg mehr Erfolg gehabt, von »Macht aus dem Staat – Gurkensalat!« bis »Miethaie zu Fischstäbchen!« Keine Ahnung, ob die rot-gelbe Staatsgewalt alle Anliegen wirklich erhört hätte, aber man hätte es versuchen können.

Ella Carina Werner

 Gesundheitsfrage

Gibt es so was wie Fremdhypochondrie, also dass man immer Angst hat, andere Leute hätten irgendwas oder ihnen würde etwas zustoßen? Ich frage für eine Freundin, bei der ich befürchte, dass sie das hat.

Paula Irmschler

Vermischtes

Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EUROliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURFriedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
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Das schreiben die anderen

  • 28.09.:

    Oliver Maria Schmitt hat versucht, mit der Kraftradgruppe Frohsinn die Demokratie zu retten – zumindest in der FAS.

  • 28.09.:

    Das "Medienmagazin" vom BR hat mit Martina Werner (und anderen) über Satire, Journalismus und Politik gesprochen.

  • 25.09.:

    TITANIC-Herausgeber Martin Sonneborn spricht mit der Taz über Frauen in der Redaktion und erinnert sich an die beste Zeit für Satire.

  • 20.09.:

    In der Jungen Welt würdigt Stefan Gärtner den 80jährigen Eckhard Henscheid.

  • 14.09.:

    NDR Zeitzeichen zum 80. Geburtstag von Eckhard Henscheid.

Titanic unterwegs
24.10.2021 Offenbach, Wetter- und Klimawerkstatt Gerhard Henschel
26.10.2021 Hänigsen, Kunstspirale Thomas Gsella
27.10.2021 Braunschweig, Kult Thomas Gsella
28.10.2021 Hannover, Pavillon Thomas Gsella und Ella C. Werner mit M. Knepper