Inhalt der Printausgabe

Heinz Strunk
Intim­scha­tulle 61

»Alt wie Köhlbrand«

1.3. Morgensteifigkeit, Sodbrennen. Zum Breakfast Eggs Benedict. Trotz Regen Spaziergang um den Pudding, Kreislauf »hochjazzen«. Danach Einchecken am Schreibtisch, »Dienst nach Vorschrift«. Erschreckend geringe, uninspirierte Textproduktion. Einzig ein guter Satz kommt mir in den Sinn: »Cousin ohne Zukunft.« Aber was damit anfangen? Gedanke: Ratlosigkeit, ein seltsames Gefühl.

Zum Dinner mit Bertram Leyendieker ins Diverso (Zungen-Kotelett mit Spinat und Wickelklößen). Er berichtet von der Anschaffung eines Langschlitztoasters und ist in Sorge wegen seiner bevorstehenden Kiefer-OP. Ihm sollen gleich acht Zähne, darunter zwei Weisheitszähne, gezogen werden. Ich rate ab.

2.3. Den ganzen Tag ideenlos, daher stumpfe TV-Berieselung. Auf Sat-1 eine Doppelfolge der neuen Polizei-Doku-Soap: »Siedepunkt Südkreuz«. Beim HR die Reportage »Algorithmus statt Biorhythmus? – Wie uns langsam, aber sicher unser innerer Kompass abhanden kommt«. Immer mal wieder zu »Goodbye Deutschland« (Vox) gezappt. Guten Dialog aufgeschnappt. Er zu ihr: »Du trinkst ja beim Essen gar nichts.« Sie zu ihm: »Und du trinkst eine Flasche Wein ganz allein.« Er wieder zu ihr: »Ja, das ist begleitendes Wein-Essen.« Da soll noch einer sagen, dass den Leuten nichts einfällt.

3.3. Brainstorming: Die Reichen haben Eis im Sommer, die Armen haben Eis im Winter // Ich kann nicht allen gefallen, ich bin ja kein Nutellaglas // Bussard im Spessart.

4.3. Guter Vorsatz: Unfallfrei in den Tod. Bekanntlich (habe es an dieser Stelle schon häufiger vermeldet) bin ich seit 1986 unfallfrei »unterwegs«, und so soll es bleiben. Mein (in Wahrheit) einziger Vorsatz: Unfallfrei in den Tod, unfallfrei sterben, ohne Unfall (sauber) ins Grab usw. Ich habe so brav durchgehalten (werde irgendwann bald schon SECHZIG, also Opa), da möchte ich nun wirklich nicht bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen. Folgende Schlagzeilen wird es jedenfalls nicht zu lesen geben:

  • BUCHAUTOR REISST ALS GEISTERFAHRER 7 MENSCHEN MIT IN DEN TOD
  • MANN (57) RAST IN FUSSGÄNGERGRUPPE, WEIL ER BREMSE MIT KUPPLUNG VERWECHSELT HAT
  • HEINZ STRUNK IN STAUENDE GERAST
  • BETRUNKENER (57) IN FLUSS GEFAHREN – TOT

5.3. Mal wieder das Ehepaar Marquart zu Besuch. Rotwein, Gebäck, dann TV, leichte Kost im ZDF: »Zärtliche Schlawiner«. Helmut Zierl (Rolle: William Bob McKenzenstongard) spielt wie immer gekonnt seine charakteristische Mischung aus »großer Junge« und Rentner. Später RBB-Reportage »Auf der Ameisenstraße zum Erfolg«. Die Marquarts trinken jeder eine ganze Flasche Sherry (selbst mitgebracht), verabschieden sich kurz vor Mitternacht.

6.3. Moderatorinnen des Idiotensenders »Radio Energy« haben sich für den »Playboy« ausgezogen. Titel des Shootings: »Rock’n’Roll für die Augen«. Widerlich. Was sind das nur für Menschen?

7.3. Der kürzlich zugezogene Nachbar Rolf Scherwenke fragt mich doch tatsächlich, ob er sich mal den »Pulli mit dem Hirsch« (mein molligwärmster Pullover) ausleihen könne. Abgesehen von der unglaublichen Grenzüberschreitung (Scherwenke ist gerade mal im November eingezogen, unser Kontakt beschränkte sich bisher auf Smalltalk im Treppenhaus) habe ich die klassische »Angst vor ausgeleiertem Pulli«, denn Scherwenke, obwohl nur wenig größer als ich, ist sehr muskulös, »austrainiert« (der Chippendale unter den Nachbarn). Habe mich rausgeredet (Pullover in der Reinigung), aber was, wenn er nachsetzt? Was habe ich jemandem wie Scherwenke entgegenzusetzen? Er könnte mich zerquetschen wie eine Fliege. Besser, ich leihe ihm den Pulli und kaufe mir einen neuen. Bloß kein Aufhebens machen. Scherwenke, schon wieder eine neue Bedrohung.

8.3. Kaffee-Frühstück im Sitting Room, zweifach getoasteter Rosinenfladen, vier hartgekochte Eihälften mit Majonäsekern. Da keine substantiellen (Roman-)Ideen, Brainstorming. Möglicher Titel für einen Provinzkrimi: # (sprich »Hashtag«) HASTEDT. Im fünf Kilometer östlich von Bremen gelegenen Örtchen Hastedt (11 500 Einwohner) geschehen unverhältnismäßig viele Morde. Ausarbeiten.

9.3. Gedanke: Ich habe noch nie ein Auto (an)geschoben. Abends auf eine Partie Whist mit Bertram Leyendieker.

10.3. Interessante Buchneuerscheinung (S. Fischer): »GIB DAS HER, DAS KANNST DU NICHT – ein Leitfaden durch die schwarze Pädagogik«.

11.3. Im Herrenbekleidungsgeschäft »Wormland« Zeuge eines (missglückten/gescheiterten) Anzugkaufs geworden. Ein Kunde, mittleres Übergewicht, aber überproportional dicker Hintern, probiert einen Anzug nach dem anderen. Endlich scheint ein passender gefunden zu sein, wenn da nicht das Sakko wäre. Es steht untenrum seltsam ab. Der Verkäufer zuckelt und zieht und rückt und macht, bis er resigniert aufgibt: »Kofferraumdeckel geht nicht zu.« Fantastisch.

12.3. Schlagzeilen: ARBEITER ÜBERROLLT FEUERWEHRMANN MIT SCHARFEN KLINGEN // EISBERG ERSCHLÄGT DEUTSCHE RENTNER // ERSTKLÄSSLERIN (7) BEISST LEHRERIN KRANKENHAUSREIF

13.3. Heute nichts.

14.3. Mögliche Titel für alles Mögliche (Film, Buch, Theaterstück): Die Hand des Abgeordneten // Der englische Rentner // Mit Emotionen infiziert

15.3. Abends mit Meyer-Schulau in Manuels Taverne (er Canapés à la Admiral mit Flussgarnelen, ich Hühnchen lyonnais mit Kürbis-Eierbrötchen). Nach dem üblichen, wie immer etwas langweiligen Geplänkel kommt er mit Hilfe mehrerer Screwdriver doch noch in Fahrt und stellt mir folgende, recht gute Fragen: 1) Würden Sie für zwei Millionen Euro ab sofort die Sommermonate (Juni, Juli, August) in einem stillgelegten, nasskalten, sehr dunklen Tunnel verbringen? 2) Würden Sie für 150 000 Euro ab sofort und bis zum Ende Ihres Lebens auf Kühlschrank/Kühltruhe/Kühltasche usw. verzichten?

16.3. Schatullenservice: Lebensoptimierende Maßnahmen

  • Halten Sie sich stets an die SIEBEN-TAGE-REGEL. Bevorraten Sie sich derart, dass Sie mindestens eine Woche nicht aus dem Haus müssen.
  • Wenn Sie nicht genau wissen, ob Sie eine Sache aufheben oder wegschmeißen sollen, schmeißen Sie sie weg.
  • Gute Herdabdeckplatten sind die halbe Miete!
Butterautomat – eine überflüssige Erfindung

17.3. Tag des Getränkewirts.

18.3. In-&-Out-Liste März

IN: Beim nächsten Dom-Besuch (Rummel/Kirmes) mal bei »Kuddel, der Hai« vorbeischauen; Schwanzgeist Helmut; gähnen im Stehen; Symphonic Metal; der Spruch »Frauen sind mit das Coolste, was diese Welt hat«; Madenhacker, die einen in den Sommermonaten von lästigen Insekten und Parasiten befreien

OUT: Extension und Implosion – Überdehnung und Zusammenbruch; Mary-Jane-Pumps aus Samtziege; defekte Spenderlungen; Hardgainer (langsamer Stoffwechel); Brot vom Vortag; Pressdeutsch

19.3. Alltagsfrage: Darf ich im Sommer eigentlich in meiner Wohnung das Licht anmachen?

20.3. Kunst, die bleibt: Bad Bieberacher Zentrifuge, Müllermeiser-Paradox, Tostedter Freske

21.3. Karriereschatulle: 90 Prozent der Sorgen, die sich der Mensch im Lauf seines Lebens macht, erweisen sich im Nachhinein als unbegründet // Regel Nummer 1 lautet: Sei niemals Nummer 2 // Erst wenn dir scheißegal ist, was andere von dir denken, bist du wirklich frei

22.3. Schnaps.

23.3. Todesartiger Kater.

24.3. Handwerker (Herr Sowieso, nachfolgend Er) »im Haus« gehabt wegen sog. taubenvergrämender Maßnahmen auf meiner Dachterrasse. Dialog (Gedächtnisprotokoll):

Er: Sind Sie handwerklich begabt?
Ich: Nein, eigentlich nicht so sehr.
Er:
Aber logisch denken können Sie?
Ich
(eingeschüchert): Tja.
Er:
Also, da muss erst mal der Schlosser kommen und vier große Stangen an den Ecken in Beton setzen. Verstehen Sie das?
Ich:
Nein.
Er
(geht zum Du über): Denk mal logisch. Wir müssen das Netz doch irgendwo festmachen, versteht du das?
Ich
(nun gänzlich eingeschüchtert): Ja, so ungefähr.
Er:
Und ohne Haken geht das nicht.
Ich:
Haken?
Er:
Logisch. Haken. (und nun kommt der beste Satz:) SIEMENS LUFTHAKEN SIND NÄMLICH NOCH NICHT ERFUNDEN.

25.3. Alles Scheiße.

26.3. Mit Bertram Leyendieker in die Aufblas-Bar. Man hat hier einen wirklich schönen Blick »on da roof top«. Leyendieker über Plünderer: »Es gibt zweierlei: dankbare und gehässige.« Leyendieker über indische Gebräuche: »Eine Frau, die einen Elefanten geschenkt bekommt, gibt sich dem Schenker hin.« Später dann, schon ziemlich »duhn«: »Ich habe Atem, den ich aus der Bekenntnishitze Dostojewskis einziehe.« Na, wenn das mal stimmt!

27.3. Gymnastik versucht. Felgaufzug, Querstreckstütz, Arme kreisen, Rumpfbeugen. Gedanke: Hoffentlich sieht mich keiner.

28.3. Tagsüber nichts. Zum Dinner mit Meyer-Schulau in die Gaststätte »Check Point Harry« (hausgemachte Hechtpastete). Bier und Unterhaltung.

29.3. Gelesen in Peter Handkes »Die Geschichte des Bleistifts«.

»Ein Indianerpfeil, abgeschossen in Übersee, kam über die Wiese geflogen und blieb rotleuchtend zwischen den Gräsern stecken.«

»Als jemand erzählte, er erwache an jedem Morgen als ein zutiefst glücklicher Mensch, hatte ich die Vorstellung, er rede ungefragt.«

»Mein Atem verwandelte sich in die Meereswellen.«

»Bitteres Gefühl, wenn jemand von mir etwas ›Launiges‹ verlangt.«

30.3. Gedanke: »ALT WIE KÖHLBRAND«. Damit ist nicht etwa ein viele Jahre in Holzfässern gereifter Edelbrand gemeint, sondern die den Mündungsarm der Süderelbe querende Köhlbrandbrücke. Dieses 1974 erbaute »Wahrzeichen von Hamburg« soll etwa im Jahr 2030 abgerissen werden, weil 1) die »ganz dicken Pötte nicht mehr darunterpassen« und 2) die Lebensdauer der Brücke überschritten ist; ein Sanierungsfall, der sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben lässt. Und nun der Gedanke: Mein persönliches Schicksal ist eng mit dem der Brücke verbunden. Bei der Erstbegehung, wenige Tage bevor sie für den Autoverkehr freigegeben wurde, war ich, ein zwölfjähriger Steppke, ganz vorne mit dabei; um 2030 etwa werde ich nach Adam Riese wohl das Zeitliche segnen. Auch ich einst ein »Gesicht Hamburgs«, auch ich habe mal, tempi passati, die ganz großen Pötte (Fleisch ist mein Gemüse, Goldener Handschuh, Fraktus) vom Stapel gelassen, doch auch ich bin mit »fortschreitender Betriebsdauer« unwirtschaftlich geworden. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Trübe Gedanken, harte Fakten, unbestreitbare Tatsachen. Alt wie Köhlbrand, so teilen Mensch und Beton schließlich das gleiche Schicksal.

31.3. Frivole Songidee: »Das Schwänzle macht ein Tänzle«. Strophenfragment: »Mit flinkem Finger auf meinem Dimmer«. (Mehr gibt’s noch nicht.) Guter Vorsatz: Mich versöhnlich und mitfühlend der entsetzlichen Einzigartigkeit meiner selbst stellen.

Nach Notat im Bett.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Journalistisches Fehlverhalten, Simon Strauß (»FAZ«),

würden Sie’s wahrscheinlich nennen, wenn einer wie Sie in seinem Kommentar zur Theaterbranche schreibt, dass Klaus Dörr, der als Intendant der Volksbühne zurückgetreten ist, nachdem ganze zehn Frauen von dessen sexuellen Belästigungen berichtet hatten, »wegen erotischen Fehlverhaltens angeklagt« worden sei. Aber wie verhält es sich hiermit: Wenn wir beim Spazierengehen in Frankfurt, anstatt Sie per Handschlag zu grüßen, mit einem Faustschlag zehnmal Ihre Nase treffen – ist das dann auch einfach nur kommunikatives Fehlverhalten?

Winke, winke: Titanic

 Grüezi, schweizerische Forschungsanstalt »Agroscope«!

Wie wir in den Nachrichtenarchiven ausgegraben haben, hast Du eine landesweite Aktion mit dem Namen »Beweisstück Unterhose« gestartet. Doch was wie der Episodentitel eines Münsteraner Tatorts klingt, war ein groß angelegtes Wissenschaftsprojekt. »In den kommenden Tagen werden 2000 Bio-Baumwollunterhosen in der gesamten Schweiz in Wiesen, Beeten und Feldern vergraben … Nach einem beziehungsweise zwei Monaten sollen die Unterhosen wieder ausgegraben werden. Die Teilnehmenden schicken Fotos der durchlöcherten Unterhose zusammen mit Bodenproben an die Forschungsanstalt zurück.« So soll ermittelt werden, wie gut die Qualität der Unterhosen, Quatsch: des Bodens ist.

Die Vorstellung von Tausenden Schweizer/innen, die eifrig Schlüpfer im Garten vergraben, ist ja an sich bereits schön. Erst recht lachen mussten wir aber über die dabei geltende Auswertungs-Faustregel: »Je löchriger, desto gesünder«. Da fragen wir uns freilich: Gilt das auch für Euren Emmentaler?

Liebi Grüess Titanic

 MI6-Direktor Richard Moore!

»Er präsentiert James Bond stets die neuesten geheimen Waffen – und soll nun auch im echten Leben das MI6 unterstützen: Der britische Geheimdienst sucht offiziell nach einem ›Q‹«, informierte uns die FAZ und gab auch Aufschluss über Ihre Motivation, eine derart medienwirksame Stellenausschreibung zu veröffentlichen: »Der Behördenleiter hat sich zum Ziel gesetzt, den Dienst in der Öffentlichkeit besser sichtbar zu machen.«

Mal unter uns, Mister Moore: Was genau haben Sie am Wort »Geheimdienst« nicht verstanden?

Vertraut eher Roger Moore: Titanic

 Glückwunsch, Linda Zervakis,

Glückwunsch, Linda Zervakis,

dass Sie den rechtzeitigen Weggang von der Tagesschau geschafft haben, bevor Sie dort für alle Zeiten vor den Teleprompter gekettet werden! Den, hust!, Karrieresprung zu ProSieben begründeten Sie unter anderem mit dem konzeptionellen Mut von Chef Daniel Rosemann: »Ich habe Daniel als Mensch erlebt, der Fernsehen leidenschaftlich denkt und fühlt.«

Mit dem dümmlichen Mediensprech läuten Sie den Wechsel zum Galileo- und GNTM-Sender ja gekonnt ein, Chapeau! Bleibt nur die Frage, wie die von Ihnen erwähnte Leidenschaft zur Co-Moderation mit der Aalglatt-Grinsebacke Matthias Opdenhövel führen konnte.

Dann doch lieber Tagesschau. Titanic

 Wie haben wir, »Tornado Umzüge«,

uns Eure Arbeitsweise vorzustellen? Brecht Ihr durchs Dach in unsere Wohnungen ein, zerstört für leichteren Transport alle Möbel und sonstigen Gegenstände und verteilt sie dann wahllos überall in der Stadt?

Falls ja, wir sind dabei! Hauptsache, nicht selber schleppen.

Gähnen träge: Deine Faulpelze bei Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Lavalampen-Radler

Seit jeher haben alte Menschen, die auf dem Fahrrad durch die Ortschaft fahren und dabei kaum voranzukommen scheinen, eine beruhigende, ja lavalampenhaft hypnotische Wirkung auf mich. Neulich näherte ich mich einem dieser Zeitlupen-Radler, einem alten Mann mit Schiebermütze. Als ich ganz nah war, stellte ich fest, dass er trotz rotierender Räder sich keinen Zentimeter von der Stelle rührte. Er wirkte angestrengt und selig zugleich, meinen Gruß erwiderte er mit zahnlosem Lachen. Ich ging meines Weges und bestritt den restlichen Tag mit tiefer Seelenruhe.

Leo Riegel

 Coachingstufe 3

Ich finde es schon innerhalb meiner Komfortzone manchmal ziemlich anstrengend.

Fabian Lichter

 Traurige Erkenntnis

Jeden Tag trainiere ich mein Haar mit Bürste und Föhn darauf, sich in elegantem Schwung um meinen Kopf zu legen. Jeden Tag. Tue ich es nur ein einziges Mal nicht, hängen sie schlapp dem Erdboden entgegen. Ich muss wohl der Wahrheit ins Gesicht sehen: Meine Haare sind entweder faul oder dumm.

Katharina Greve

 Stadtslogans im demografischen Wandel

Lübeck – Mehr Krücken als Venedig

Julia Mateus

 Immerhin weg vom Smartphone

Beim Spazieren ein etwa elfjähriges Mädchen mit Kreide spielen sehen und gedacht: Schön, dass die durchdigitalisierten Kinder des Jahres 2021 so was auch noch machen. Dann näher gekommen. Das Mädchen hatte »Es giebt kein Corona« auf den Gehweg geschrieben.

Cornelius W.M. Oettle

Vermischtes

Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip" (Hörbuch, 2CDs)
Sie sind ein totaler Versager und können sich Hörbücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Hörbuch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Stefan Gärtner, Jürgen Roth: "Benehmt euch!"
Stéphane Hessel ist tot – lang leben Stefan Gärtner und Jürgen Roth!
Die TITANIC-Denker und Aufklärungsjournalisten präsentieren mit "Benehmt euch!" die längst überfällige Abrechnung mit Rüpeltum und Volksverrohung: ein Pamphlet gegen bzw. für Internetvermüller, Handyterroristen, Vorfahrtabonnenten und Ganzkörperellbogen.Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 117,80 EURStephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 117,80 EURMax Goldt: "Räusper"
Max Goldt, der "Otto Waalkes der kultivierten Kolumne" (Daniel Kehlmann), hat eine neue Kunst entdeckt: Er zaubert aus kleinen Comics von gestern große Dramen von heute. Ergebnis: Kopfkino vom Feinsten! Da sagt sogar Gott demütig: "Ja, ähm, das will ich, hüstel hüstel, meinem Sohn zum Geburtstag schenken..."Oliver Maria Schmitt: "Mein Wahlkampf"
Ein Mann (Schmitt), eine Partei (Die PARTEI), eine Wahl (Oberbürgermeister Frankfurt): ein einzigartiger Erfolg (1,8%). Man könnte meinen, damit wäre alles gesagt. Aber weit gefehlt! Denn jeder Erfolg hat eine Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte! Und Oliver Maria Schmitt erzählt seine wie kein zweiter: Alles über Spitzenpolitik, Demokratie, Propaganda, Nutten, Koks, schmutzige Machenschaften und die kommende Weltherrschaft Schmitts erfahren Sie nur in diesem Buch. Witziger als die Mao-Bibel, schmissiger als »Mein Kampf«: Jetzt lesen, damit man nach der Machtergreifung keine Ausreden braucht!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.
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Das schreiben die anderen

  • 09.06.:

    In der Taz informiert Torsten Gaitzsch über den Foodtrend "High Protein".

  • 31.05.:

    Torsten Gaitzsch erinnert in der Jungen Welt an vergessene TITANIC-Gastautoren.

  • 28.05.:

    500 TITANIC-Ausgaben sind auch Thema auf Bayern 2.

  • 27.05.:

    Christian Y. Schmidt hätte gerne einen – irgendeinen! – Preis.

  • 26.05.:

    Die kulturWELT des BR hat Eckhard Henscheid, Hans Zippert und Moritz Hürtgen anlässlich der 500. Ausgabe TITANIC befragt.

     

Titanic unterwegs
25.06.2021 Wiesloch, Stadtbibliothek Ella Carina Werner
10.10.2021 Celle, Bomann-Museum »Wi(e)der das Böse«