Von der zweiten Ebene: Wie Spiegel-Chef Kurbjuweit den menschlichen Widerstand gegen die Maschinen anführt. Es soll mich Morgenmuffel niemand für einen halten, der nach dem Aufstehen größere Gedanken hat als den, sofort ins Bett zurückzukehren. Auf Reisen sitzt man aber vielleicht an einem gastlichen Frühstückstisch und ficht die Meinung der Gastgeberin, wer lese, wolle nicht KI, sondern die Stimme eines Menschen, dahingehend an, dass, wer an Textautonomie glaube und an die Trennung von Erzählung und Autor, nun nicht mit der menschlichen Stimme und der Rückbindbarkeit ans Realerleben kommen könne. Was, frage ich also und schmiere mir noch einen Marmeladentoast, unterschiede eine computerisiert erstellte »Anna Karenina« von Tolstois Original? Dass die Maschine Bedürfnis und Fähigkeit, Allgemeinmenschliches in Form zu bringen, nur simuliert? Aber was, wenn die Simulation nicht mehr kenntlich ist? Und ist Fiktion als solche nicht eh Simulation? Wenn, wie man nach Roland Barthes geglaubt hat, der Autor des Textes die Sprache ist (und Flaubert brüllte seine Sätze so lange an die Wand, bis die Sprache zufrieden war), warum soll es dann ohne menschlichen Autor nicht gehen? Weil der künstliche Autor nur alle anderen verwurstet? Aber schreibt irgendwer ohne die anderen? Und wie weit ist es bis zu dem dialektisch-materialistischen Punkt, an dem Quantität in Qualität kippt? Vielleicht kann ich also doch Fledermaus sein, wenn ich alle Daten übers Fledermaussein habe, und am Ende ist es nicht Prinzip, sondern schon Ahnung, wenn ich zu ChatGPT »bitte« sage: Im Inneren einer KI, hat Anthropic-Mastermind Christopher Olah bei seinem Papst-Besuch gesagt, erkenne er »Zustände wie jene, die Menschen als Freude, Angst oder Trauer empfänden. Was das bedeutet, wisse er nicht« (SZ). Will man es wissen? Nachdem herausgekommen war, dass der Thüringer CDU-Ministerpräsident Mario Voigt seine Reden, und sei’s zum Shoah-Gedenken, zu einhundert Prozent von der KI schreiben lässt (»Auschwitz war nicht das Werk eines erfundenen Ungeheuers«), und Springer-Döpfner sich den Spaß gemacht hatte, seine Stellungnahme Gemini anzuvertrauen, beeilte sich das Feuilleton, diesen neuen Tod des Autors als unbefriedigend auszumalen, wiederum unter Hinweis aufs Bedürfnis nach menschlichem Austausch; wobei auch nur ein Viertelnachmittag neben Superlecker-Alles-gut-Spielplatzeltern reicht (oder ein Moment Podcast mit Raumfahrer Alexander Gerst: »Die Erde ist so ein krass besonderer Ort«), um die Maschinisierung des Menschlichen, wie sie Günther Anders 1956 bereits kommen sah, nicht mehr bloß für Dystopie zu halten. Das sind die Leute, die Apple sowohl im Griff als auch im Blick hat, wenn das neue I-Phone ausdrücklich die weitere Verschmelzung von Mensch und Maschine anstrebt, und das soll jetzt ein Problem sei… Beitragsnavigation Eugen Egners »Gift gibt Kraft« Katz und Goldt: Die Wolgatrude