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Bitte nicht bunt malen!


Wintergeschichte

Als Reichard endlich die halbdunkle Küche erreichte, kam ihm sein Vater triumphierend mit einem in Wasser gelöschten Streichholz entgegen: »Ich hab’s geschafft! Es ist gelungen! Er ist tot! Komm mit!«
Reichard trug nur seinen Pyjama und Hausschuhe am Leib, ließ sich aber trotzdem von seinem begeisterten Vater mitreißen und folgte ihm in den Garten. Der Vater entzündete ein neues Streichholz, in dessen Schein sie ums Haus herumgingen. An der Grundstücksgrenze war etwas, das aussah wie eine längliche Schneewehe.
»Jawohl!« schrie der Vater. »Da ist er!«
Von nahem konnte Reichard erkennen, dass es tatsächlich eine Person war, die da am Boden lag. Die noch immer brennende Streichholzflamme beleuchtete ein offensichtlich lebloses weißes Wesen von furchterregendem Aussehen. ‘Der Schneemensch!’ dachte Reichard. ‘Zur Strecke gebracht durch Streichholz-Zauber.’
»Wir müssen den Kopf vom Rumpf trennen«, sagte sein Vater, »um ganz sicherzugehen.«
Und schon hatte er einen Spaten zur Hand, der vorher in der Dunkelheit nicht zu sehen gewesen war. Im nächsten Moment stieß er ihn senkrecht, mit der Schneide voran, in den kurzen Hals des Wesens. Ein sandig schürfendes Geräusch war zu hören.
Der Kopf rollte zur Seite, doch wie beide Männer nun betroffen erkannten, hatten sie keine richtige Leiche, sondern nur eine Nachbildung aus Schnee vor sich. Der Vater begann lauthals zu jammern und den Schnee zu verfluchen. Damit wollte er dann gar nicht wieder aufhören, sondern steigerte sich hemmungslos in seinen Hass und seine Verzweiflung hinein. Reichard ertrug es nicht länger.